Marseille/Aachen - Hält Borussia den europäischen Traum am Leben?

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Hält Borussia den europäischen Traum am Leben?

Von: Bernd Schneiders
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Fordert intelligentes Spiel: A
Fordert intelligentes Spiel: Alvaro Dominguez. Foto: imago/Team 2

Marseille/Aachen. Am Mittwoch entschwebten Borussias „Gläubige” Richtung Mittelmeer. „Wenn wir nicht ans Weiterkommen glauben, müssen wir erst gar nicht dahinfahren”, lautete Martin Stranzls Parole vor dem Rückspiel Mönchengladbachs in der Europa League gegen Olympique Marseille (19.00).

Der Kapitän war auch an Bord, allerdings nur der der Maschine. Der sportliche blieb am Niederrhein, Filip Daems konnte seine Bauchmuskelzerrung nicht auskurieren. Für den Belgier wird Gladbachs Königstransfer der letzten Saison, Oscar Wendt, die linke Abwehrseite bearbeiten, dem in seinem unfreiwilligen Ruhestand manche Zacke aus der Krone gefallen sein muss. Vom Champions-League-Teilnehmer FC Kopenhagen und als schwedischer Nationalspieler zu einem Fast-Absteiger, um dort überwiegend auf der Bank zu sitzen - weil ein damals 33-jähriger Routinier sich sportlich erfolgreich gegen die vermutete Wachablösung wehrte.

Geduld, Geduld...

Kein Wunder, wenn Wendt eine Allergie gegen das Wort Geduld entwickelt hat. „Das Wort habe ich sehr oft gehört, seit ich hier bin.” Nach seiner am Samstag beim 1:1 gegen Freiburg gezeigten Leistung ist die diesmal erzwungene Rotation keine Schwächung. Hinten stabil, und vorne leistete der Blondschopf die Vorarbeit zum 1:0.

Beim Hinspiel gegen Limassol auf Zypern war der Wechsel von Daems zu Wendt Teil der Favre-Rotation, die damals keinen medizinischen Hintergrund besaß. Lucien Favre riss die gerade zusammenwachsende Mannschaft auseinander und wurde mit einem Remis bestraft. Dabei war das weniger Wendt anzulasten, der kurz vor Schluss in Vertretung des Elfmeter-Königs Daems einen Strafstoß an die Latte jagte. Hauptfehler war der Verzicht auf Strafraumstürmer Luuk de Jong, der gerade im Aufwind war und ausgerechnet in einem Spiel, in dem Gladbach als dominant zu erwarten war, zu Hause gelassen wurde.

Auch am Donnerstag in Marseille wird der Niederländer fehlen. Aber wenn Borussia bereits gegen einen Gegner wie Freiburg sich schamlos in der eigenen Hälfte verdichtet - wenn auch so extrem nur vor der Pause - , muss ein Spiel bei Olympique auch nicht gerade durch eine aktive Grundhaltung der Favre-Elf überraschen. Dabei ist ein Sieg empfehlenswert, wenn man sich nach Weihnachten nicht ausschließlich mit der Bundesliga beschäftigen möchte. Ein Unentschieden könnte reichen, um sich bei Punktgleichheit mit Marseille im direkten Vergleich durchsetzen zu können. Dann aber wäre man stark abhängig vom Ausgang der Partie Olympique gegen Fenerbahce am nächsten Spieltag.

„Wir müssen intelligent spielen”, fordert Alvaro Dominguez, der die Europa League mit Atletico Madrid gewonnen hat und sich zumindest in der Wortwahl als Favres Musterschüler zeigt. Der Spanier hat sich in die Stammelf reingearbeitet und ist Teil der neuen Stabilität zumindest in der Defensive. Die könnte auf dem rechten Teil der Viererkette ihre Stammbesetzung erhalten: Tony Jantschke saß bereits gegen Freiburg auf der Bank, Donnerstag steht einem Comeback nach seiner Gehirnerschütterung nichts mehr im Wege. Stranzl dürfte wieder auf die Innenverteidiger-Position rücken.

Heute werden sie wohl mehr zu tun bekommen, als beim Hinspiel, das Gladbach mit 2:0 gewann. Damals wirkte Marseille mit zunehmender Spielzeit immer lethargischer. Und von der Spielstärke und Torgefährlichkeit der Ayew-Brüder war nichts zu sehen. Die scheinen die Söhne des ghanaischen Volkshelden Abedi Pele inzwischen wiedergefunden zu haben. Im letzten Ligaspiel sorgten André (22) und sein eingewechselter jüngerer Bruder Jordan (21) für einen 2:0-Erfolg beim AC Ajacco.

Favres Freund Baup

Für Lucien Favre ist das Spiel auch ein erneutes Wiedersehen mit seinem Freund Elie Baup (57), mit dem er einst beim FC Toulouse kickte. Seitdem stehen sie in Kontakt, telefonisch, aber auch bei Visiten, um etwa die Trainingsarbeit des Kollegen besser kennenzulernen. Favre schätzt die Arbeit seines Kollegen-Freundes sehr. „Wenn man zehn Minuten eines Spiels von Marseille gesehen hat, erkennt man seine Handschrift sofort”, sagt der Schweizer. Solche zehn Minuten im Geiste Lucien Favres zu sehen, ist derzeit bei der Beobachtung eines Gladbacher Spiels erheblich schwieriger.

So könnten sie spielen: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Wendt - Nordtveit, Marx - Rupp, Arango - Herrmann, de Camargo
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