Mönchengladbach - Gladbachs Präsident Königs: „Monster-Transfer ist zu gefährlich”

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Gladbachs Präsident Königs: „Monster-Transfer ist zu gefährlich”

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Mönchengladbach. Wirtschaftlich ist Rolf Königs schon länger erfolgreich, nicht nur mit Borussia Mönchengladbach. Jetzt scheint sich für den Präsidenten des Fußball-Bundesligisten auch der sportliche Erfolg einzustellen. Mit dem Textil-Unternehmer sprachen Heribert Förster und Bernd Schneiders.

Wie sehr können Sie sich jetzt zurücklehnen und die sportliche Situation genießen?

Königs: Das ist natürlich ein gutes Gefühl. Uns freut auch, dass wir eingehalten haben, was wir versprochen haben. Dass so eine Spielzeit wie die letzte nicht mehr vorkommen darf, dass wir einen Neustart machen, die Saison ordentlich gestalten, uns in der Liga stabilisieren und mit dem Abstiegskampf nichts zu tun haben. Das ist uns bisher ganz gut gelungen.

Also ist die Saison gelaufen?

Königs: Nein. Es ist keine komfortable, es ist eine gute Situation.

Mit dem Versprechen und Planen ist es nicht so einfach im Fußball wie etwa in der Wirtschaft.

Königs: Das ist so. Sie müssen bestimmte Voraussetzungen haben. Wenn die Infrastruktur nicht stimmt, Stadion, Trainingseinrichtungen, alles was dazugehört - wenn das nicht stimmt, und wenn die Finanzen nicht stimmen und sie „fummeln” von einem Tag in den anderen, dann ist die Plattform nicht da. Aber wenn das geordnet und in einer guten Verfassung ist, dann können Sie sich auf das Wesentliche konzentrieren: den Fußball. Und da sind wir auf einem guten Weg.

Aber diese Voraussetzungen waren auch schon vorher da. Was ist anders geworden?

Königs: Aber es wird vergessen, dass wir noch gar nicht so lange in diesem neuen Stadion drin sind. Wir sind am 30. Juli 2004 eingezogen, vor nicht einmal sechs Jahren. Wir hatten dann noch einiges zu tun, der Prozess war noch nicht abgeschlossen - jetzt ist er abgeschlossen, und jetzt beschäftigen wir uns mit der Weiterentwicklung des Klubs.

Und was ist anders?

Königs: Wir haben einen neuen Sportdirektor, auch wenn Max Eberl schon vorher im Verein war. Wir haben mit Michael Frontzeck einen neuen Trainer. Und wir haben eine ganz neue Personalpolitik. Personalmanagement möchte ich es nennen. Einen Kader zusammenzustellen, zu einem Team zu formen und Spieler zu holen, die fußballerisch, aber auch vom Charakter zum Borussia-Team passen. Das ist uns ganz gut gelungen.

Wie wichtig ist dabei die von Max Eberl entwickelte und strukturierte Jugendarbeit?

Königs: Als wir hier eingezogen sind vom Bökelberg aus, wo wir keine Trainingsplätze hatten, kein Jugendinternat, da hatten wir einen Jugendnationalspieler - und jetzt haben wir 18! In diesem Bereich werden wir noch mehr investieren, noch mehr Gas geben. Die Jugendspieler sehen ja nicht nur, dass sie hier gut ausgebildet werden, sondern auch die Chance haben, zu den Profis vorzustoßen.

Der Erfolg ist mit den Namen Eberl und Frontzeck verbunden. Normalerweise aber gilt der Prophet nicht viel im eigenen Land. Und auch Sie haben früher stark auf große Namen gesetzt. Steckt hinter dieser Kehrtwende ein Lernprozess?

Königs: Absolut. Beispiel Dick Advocaat: ein Spitzentrainer. Wenn Sie den zu einer guten Mannschaft stecken, gibt´s überhaupt kein Problem. Aber er ist nicht ein Übungsleiter speziell für die jungen Leute. Er hat zwar den Blick dafür, aber er ist nicht der Entwickler.

Sie haben einst große Ziele formuliert und sind zusammen mit der Borussia bei der Umsetzung mehr oder weniger kläglich gescheitert. Was ist der persönliche Lernprozess des Rolf Königs?

Königs: So, wie wir das über einen bestimmten Zeitraum gemacht haben, wollten wir das nicht weitermachen. Es war nicht zielführend. Das Gesamte muss stimmen, das Team muss zum Trainer passen und der Trainer zum Team. Und auch der sportliche Manager. Das muss eine Einheit sein. Diese Mischung haben wir über einen längeren Zeitraum nicht gefunden. Jetzt sind wir in einer Situation, wo wir eine ganz homogene Mischung haben.

Und Michael Frontzeck ist der richtige Trainer?

Königs: Als es darum ging, die Position zu besetzen, hatten wir jede Menge Bewerbungen. Wir hatten aber auch Trainer, die wir gescoutet hatten. Aus seinen Kandidaten hat Max Eberl dem Präsidium eine Präsentation erstellt, wen er auf der Liste hat, was positiv, was negativ, und was seine Empfehlung ist. Und die war Michael Frontzeck. Die kam für mich auch überraschend. Max Eberl hat ihn auch nicht protegiert. Er hat uns ganz plausibel erklärt, warum er Frontzeck für den richtigen Mann hält in diesem Team. Wir waren überzeugt. Und Sie kennen die Diskussion, die kam. Von außen, aber auch von innen: Ist er der richtige? Die gleichen Bemerkungen haben wir auch bei Max Eberl gehört, als er zum Manager gemacht wurde. „Herr Königs, wie können Sie das denn machen! Der hat doch gar keine Ahnung von dieser Position.” Aber: Irgendwann haben alle mal angefangen.

Wie sehr waren Sie auch während der Serie mit sechs Niederlagen in Folge in der Hinrunde von diesem Team überzeugt?

Königs: Zu hundert Prozent! Ich war davon überzeugt, dass es eine Durststrecke ist, dass wir die Probleme aber lösen werden und unser Ziel für die Saison nicht verpassen. Michael Frontzeck war auch nicht glücklich nach der ersten Niederklage, der zweiten, der dritten, der vierten. Aber er hat uns eine genaue Analyse geliefert und gezeigt, wie wir da rauskommen werden. Und genau so ist es gekommen. Wir waren ganz ruhig, ganz überzeugt, es gab keine Hektik.

Was war Ihre Vision 1999, als sie im Verein erste Aufgaben übernommen haben? Sicher eine andere als 2004, als Sie Präsident wurden...

Königs: 1999 habe ich angefangen, um bei der Sanierung zu helfen, zu restrukturieren. Da habe ich nicht an europäische Wettbewerbe gedacht. Da waren wir mit anderen Dingen beschäftigt.

Erste Hilfe sozusagen . . .

Königs: Ja, das ist das richtige Wort. Da war ich Sanitäter. Und da Sie meine Ambitionen 2004 angesprochen haben: Natürlich ist die Gefahr groß, wenn Sie mal auf einer kleinen Welle schwimmen, dass Sie meinen, das könnte man weiter ausbauen. Aber da braucht man lange Zeit für, und wir haben nur begrenzte Möglichkeiten.

Gibt es denn wieder die gleiche Parole „ruhige Saison” für die kommende Spielzeit? Appetit kommt bekanntlich mit dem Essen.

Königs: Ich will das nicht ruhige Saison nennen. Da waren durchaus Höhen und Tiefen dabei. Es ist eine ausgeglichene Saison für unsere Verhältnisse. Aber es wäre falsch, wenn wir sagen würden, wir wollen immer nur den 15., 14. oder 13. Platz einnehmen. Das wäre nicht richtig. Wir müssen die Ziele formulieren. Aber wir möchten das gerne soft machen und nicht zu übertriebenen Erwartungen beitragen. Wir wollen uns kontinuierlich in kleinen Schritten positiv weiterentwickeln.

Wird es größere Investitionen geben?

Königs: Wir wollen in der nächsten Saison 22 Feldspieler haben plus drei Torhüter, dazu noch den einen oder anderen Nachwuchsspieler. Und dann wird geguckt, was fehlt uns? Wie bei einem Maler: Was fehlt noch und muss dazukomponiert werden? Dann wird klar geschaut, auf welchen Positionen wir Verstärkungen brauchen.

Die letzten Transfers sind alle gelungen. Ist Ihr Vertrauen dadurch so groß, dass Sie bei der Verpflichtung etwa eines hochkarätigen Stürmers auch ins Risiko gehen würden?

Königs: Dass wir keine Fehleinkäufe hatten, ist ein Erfolg unserer systematischen Scoutingarbeit. Es wird uns nie mehr passieren, dass wir im letzten Moment einen Spieler verpflichten, ohne dass ihn einer gesehen hat.

Wie beim Argentinier Insua zum Beispiel. Aber sagen Sie doch mal eine finanzielle Dimension, die Eberl zur Verfügung steht.

Königs: Max Eberl kennt genau die Summe, die ihm zur Verfügung steht.

Insua hat damals gut vier Millionen Euro gekostet, Bobadilla letzten Sommer ähnlich viel.

Königs: Das sind Hausnummern, die bei uns inzwischen für entsprechende Spieler möglich sind. Aber wir könnten nicht hingehen und sagen, wir kaufen jemanden für 15 Millionen. Wir haben ja auch noch andere Verpflichtungen. Wir müssen ja auch weiter das Stadion bezahlen. Wir dürfen uns durch so einen Monster-Transfer nicht in Gefahr bringen.

Würden Sie die Verträge mit Max Eberl und Michael Frontzeck gerne vorzeitig verlängern?

Königs: Beide haben einen Vertrag bis 2011. Das ist bisher gar kein Thema gewesen. Wir haben klare Verhältnisse. Zur richtigen Zeit werden wir darüber reden.
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