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Gladbacher Sehnsucht nach „positiver Langeweile”

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Neuer Mann, neue Ansagen: Michael Frontzeck. Foto: Olaf Kozany

Mönchengladbach. Die wundersame Rettung in der letzten Saison ist schon fast vergessen. In und um Mönchengladbach und herum ist man schnell, wenn es darum geht, Unangenehmes zu verdrängen und stattdessen schon wieder Träumen von besseren Zeiten nachzuhängen.

Nach außen formulieren aber die Klub-Oberen ein Spar-Ziel: Die neue Spielzeit soll nicht so an die Nerven gehen, der Klassenerhalt möglichst zitterfrei geschafft werden. Den letzten Schliff für die Aktion „positive Langeweile” holte sich die Mannschaft im Trainingslager in Saalfelden. Gut eine Woche vor dem Pflichtspiel lassen sich erste Rückschlüsse ziehen...

Der Trainer

Der „Transfer” von Michael Frontzeck ist kein Zufallsprodukt und erst recht kein Fall von Kumpanei. Der Ur-Gladbacher ist das Ergebnis eines Trainerscoutings, das unter der Regie von Sportdirektor Max Eberl zum ersten Mal betrieben wurde. Und die Arbeit Frontzecks bisher bestätigt die vorherige Analyse. Das Training in Saalfelden war von der ersten bis zur letzten Minute durchstrukturiert, bis ins Detail geplant. Der Konzentrationspegel war extrem hoch. Frontzeck vermeidet jede Kumpanei mit den Spielern, kreiert aber eine gelöste und positive Grundstimmung.

Die Abwehr

Das Fehlen von Filip Daems und Logan Bailly tut weh. Beide Positionen können nicht adäquat besetzt werden. Zwar hält Christofer Heimeroth solide. Aber in Auftreten und schneller Spieleröffnung ist der verletzte belgische Keeper eine Qualität für sich. Linksverteidiger Daems kann nur durch zwei Fragezeichen ersetzt werden: Das eine ist Jean-Sebastien Jaures - nach achtmonatiger Pause eine Wundertüte. Christian Dorda, mit seiner Jugend und Unerfahrenheit, auch keine Lösung, die einen ruhig schlafen lässt.

Mittelfeld

Hier hat Borussia den größten Verlust zu verzeichnen: Tomas Galasek, als Libero vor, hinter oder in der Viererkette, der Vater des Klassenerhalts. Sein designierter Kronprinz Marcel Meeuwis muss eine Sperre von zwei Spieltagen abbrummen. Extrem ärgerlich, weil der Niederländer bereits zeigte, dass er in puncto Balleroberung, Spielerführung und Umschaltqualitäten der Mannschaft helfen kann. Ihn 1:1 durch Tony Jantschke zu ersetzen, birgt Risiko. Wird der Druck des Gegners größer, verliert der erst 19-Jährige naturgemäß gefährlich schnell die Übersicht. Die Doppelsechs (Bradley/Marx) wurde gegen einen untauglichen Gegner probiert.

Offensive

Noch wird Raul Bobadilla hochgejubelt von geneigter Medienseite. Doch bald wird man auch dem jungen Argentinier die torlosen Minuten vorzählen. Gemeinsam mit Juan Arango aber ist der 22-Jährige ein Versprechen für mehr Qualität. Wie schnell es eingelöst wird, ist nicht immer planbar. Frontzeck lässt sich nicht von Anpassungsschwierigkeiten verrückt machen. „Dass Arango Qualität mitbringt, die du nicht an jeder Straßenecke findest, ist klar. Er kann eine richtige Waffe werden.” Seine Zuspiele und Freistöße sind schon mehr als Andeutungen.

Probleme

Die Ausfälle können nicht adäquat kompensiert werden. Mit der Einspielzeit, die auch „teuren” Spielern wie Bobadilla und Arango zugestanden werden muss, kann diese Gemengelage dazu führen, dass der Saisoneinstieg holprig wird. Mittel- bis langfristig aber wird sich die bereits in der Rückrunde gefundene Defensiv-Struktur mit der neuen Offensiv-Qualität zu einer fruchtbaren Verbindung finden. Dafür ist Frontzeck der richtige Mann. Auch, weil er extrem neugierig auf die für ihn neue Situation ist: Dass er einem Team Struktur, Geschlossenheit und Disziplin vermitteln kann, hat er bewiesen. Jetzt hat er auch zum ersten Mal einen Arbeitgeber, der auch in individuelle Qualität investieren konnte. „Beides will ich miteinander verbinden.”
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