Gladbach wieder als Kaninchen mit Glücksmomenten?

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
Der Herr der Freistöße:  Gla
Der Herr der Freistöße: Gladbachs Kunstschütze Juan Arango. Foto: imago/Schmidt

Mönchengladbach. Im Mittelpunkt seiner Entwicklungsarbeit stehen „Details”, wie Lucien Favre immer wieder zu betonen pflegt. Da passt es, dass Borussia Mönchengladbachs Trainer vor dem Spiel heute bei Werder Bremen (18.30 Uhr) auch mal private „Kleinigkeiten” verrät.

Der 54-Jährige geht bereits vor 22 Uhr ins Bett. Mitunter verpasst er dadurch für einen Fußballlehrer durchaus Interessantes oder gar Lehrreiches. „Da stand es noch 4:0”, erzählt der Schweizer von seinem abgebrochenen Fernseh-Vergnügen mit einem, wenn auch nicht bösen, dann aber zumindest überraschenden Erwachen durch ein 4:4 am nächsten Morgen bei der Zeitungslektüre.

Wirklich beruhigend aber wird die Erkenntnis, dass nicht nur seine Borussia, sondern auch die Auswahl der vermeintlich besten deutschen Fußballer arge Defensiv-Probleme besitzt, nicht sein. Ironischerweise trifft man zudem heute auf einen Gegner, der ebenso diese Disbalance zwischen Angriff und Verteidigung aufweist - Werder Bremen. „Eine interessante Mannschaft”, beschreibt Max Eberl. Und fast scheint es so, als rede Gladbachs Sportdirektor von der eigenen. „Sehr offensiv, aber anfällig hinten.”

Der erste Teil ist für die Favre-Elf allerdings bereits Geschichte. Und war auch in der einjährigen Blütezeit der Saison 2011/2012 anders ausgeprägt als das, was Thomas Schaaf mit seiner Werder-Herde derzeit versucht: frühes Stören, Aktiv-Fußball mit einem 4-3-3-System, das die bis dahin zementierte Rauten-Formation abgelöst hat.

Mönchengladbach setzte in der Vor-Spielzeit eher auf überfallartige Attacken, die mit schöner Regelmäßigkeit zu spektakulären Siegen führten. „Beide Mannschaften sind im Umbruch”, vergleicht Eberl die Anpassungsschwierigkeiten der heutigen Gegner.

Das Problem seiner Mannschaft allerdings ist, dass dieser Umbruch abgebrochen wurde: Statt das durch das neue Personal (Mittel- und Strafraumstürmer Luuk de Jong) zwingend erforderliche Offensiv-Pressing umzusetzen, flüchtete sich Borussia nach der Gegen-Torflut in der Bundesliga und der Europa League in eine teutonische Version des Catenaccio, und das sogar bei einem Heimspiel.

Der Sieg über Eintracht Frankfurt (2:0) soll außer zwei Glücksmomenten durch Arango und de Jong auch noch nachhaltiger positive Substanzen besitzen. Das zumindest hat Lucien Favre in der Video-Nachbetrachtung entdeckt. „Sehr, sehr interessant nach vorne” sei das Spiel seiner Mannschaft gewesen. Hört sich fast so an, als wenn der Schweizer die vor zwei Wochen nur angedeuteten Kontermöglichkeiten dazu benutzen möchte, das Erfolgssystem generell zu restaurieren. Will oder kann da einer nicht loslassen von seinem Lieblingsplan?

Die Kaninchen-Version gegen die Schlange Frankfurt ist nur schwer reproduzierbar - was den positiven Ausgang angeht. So sozial wie die Eintracht muss sich Werder nicht zwingend verhalten. „Sie sind in der Lage, eine Mannschaft an die Wand zu spielen”, warnt Max Eberl.

Das kann Borussia Mönchengladbach derzeit nicht. Und wenn man davon ausgeht, dass Gladbachs einzig etablierter Konterspezialist Patrick Herrmann nach seiner Verletzungspause (Muskelfaserriss) auch noch nicht bei 100 Prozent sein kann, dann bleibt fast doch nur noch, auf die „Kaninchen-Version mit Glücksmomenten” zu setzen. Für die ist Juan Arango, der gestern nach seinem Südamerika-Trip das Abschlusstraining problemlos absolvierte, zuständig - per Freistoß oder Kunstschuss. Ein Kaninchen mit Schlangen-Killer-Instinkt.

Voraussichtliche Aufstellung: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Daems - Nordtveit, Marx - Herrmann, Arango - Xhaka, de Jong
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert