Gladbach-Boss gibt Steuerdelikt zu: „Werde für Schaden aufkommen”

Von: Ralf Loweg und Ulf Zimmermann, dapd
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Borussia Mönchengladbachs Präsident Rolf Königs hat eingeräumt, Steuern in Höhe von 50.000 Euro nicht gezahlt zu haben. Dies erklärte der Chef des Fußball-Bundesligisten auf der Homepage des Clubs am Freitag. Foto: dapd

Mönchengladbach. Der Steuer-Skandal im deutschen Fußball weitet sich offenbar aus. Nur wenige Tage nach der Hausdurchsuchung in der DFB-Zentrale in Frankfurt ist Borussia Mönchengladbachs Präsident Rolf Königs ins Visier der Steuerfahnder geraten. Königs bestätigte dem „Handelsblatt”, dass es eine entsprechende Untersuchung der Staatsanwaltschaft gebe.

Das teilte der Bundesligist am Freitag auf seiner Homepage mit, nachdem die Gladbacher tags zuvor noch gemauert hatten. Laut „Handelsblatt” wird Königs der Steuerhinterziehung verdächtigt. Königs sei „der erste Prominente, dem die Steuerfahnder aus NRW nach dem Kauf einer Steuer-CD aus der Bank HSBC-Trinkaus auf die Schliche gekommen sei”.

Nicht gezahlte Steuersumme laut Schätzungen 50.000 Euro

Vorab hatte Königs schon seine Präsidiumskollegen in Mönchengladbach informiert. Es sei ihm wichtig, mit der Sache offen und ehrlich umzugehen, sagte Königs und versicherte, dass dies alles rein gar nichts mit dem Verein zu tun habe.

Er wisse aber natürlich, dass es durch sein Amt als Präsident bei Borussia für die Öffentlichkeit interessant werde. „Es geht hier um meine über viele Jahre angesparte und ordnungsgemäß versteuerte private Altersvorsorge, die ich bei einer Bank in Luxemburg deponiert habe. Und ich habe dies ohne einen Vermögensverwaltungsauftrag an die Bank getan”, sagte Königs.

Bei dem für das Verfahren relevanten Zeitraum gehe es um die Jahre 2005 bis 2009, auf der Basis der vorliegenden Unterlagen handele es sich ersten Schätzungen zufolge insgesamt um eine nicht gezahlte Steuersumme von rund 50.000 Euro, hießt es auf der Mönchengladbacher Homepage weiter.

„Für mich ging es bei dieser Geldanlage nur um Sicherheit, nie darum, die Summe zu vermehren. Ich habe mich schlichtweg nicht um dieses Konto gekümmert”, sagte Königs zu den Verdächtigungen. Trotzdem sei das natürlich nicht zu entschuldigen. Der 70-Jährige sagte den Behörden bereits vollste Unterstützung bei der Aufklärung zu und betonte: „Ich werde für den entstandenen Schaden aufkommen und die fällige Steuernachzahlung so schnell wie möglich leisten.”

Borussias Aufsichtsratschef steht hinter Königs

Königs muss beim VfL Borussia Mönchengladbach keine Konsequenzen fürchten. „Ich habe Rolf Königs immer als äußerst korrekten Geschäftsmann kennengelernt. An seiner Leistung für Borussia gibt es für mich nicht den geringsten Zweifel. Daran ändert diese Sache überhaupt nichts”, sagte Borussias Aufsichtsratsvorsitzender Hermann Jansen, der am Freitag zu seinem 80. Geburtstag einen Empfang gab.

Rolf Königs, der einem Textilunternehmen (AUNDE) vorsteht, engagiert sich seit 1999 bei der Borussia. Er trieb den Stadionneubau maßgeblich voran und übernahm 2004 nach dem Tod von Adalbert Jordan das Präsidentenamt. Ein Abstieg und sportlich schwere Zeiten fielen in seine Amtszeit, der Klassenerhalt durch die erfolgreiche Relegation im Sommer gegen den VfL Bochum war möglicherweise Königs Rettung. Stefan Effenberg und die Opposition „Initiative Borussia” scheiterten. Nach einem guten Saisonstart sorgt die Steuersache Königs nun wieder für Wirbel.

Ermittlungen auch gegen deutsche Schiedsrichter

Erst am Montag war die Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt/Main von Beamten der Steuerfahndung durchsucht worden. Laut DFB hätten die Steuerfahnder Einsicht in Unterlagen aus dem Schiedsrichterbereich genommen. Hintergrund soll nach Angaben des DFB der Verdacht sein, dass in der Vergangenheit Schiedsrichter ihre Einnahmen möglicherweise nicht ordnungsgemäß versteuert hätten.

DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach legte Wert auf die Feststellung, dass es keinerlei Vorwürfe gegen den DFB selbst gebe. „Wir werden die Steuerbeamten bei den Ermittlungen selbstverständlich mit all unseren Möglichkeiten unterstützen. Die korrekte Versteuerung seiner Einnahmen obliegt jedem Schiedsrichter selbst”, erklärte Niersbach.

Wie die „Süddeutsche Zeitung” berichtet, soll es sich bei der Aktion um ein abgestimmtes Vorgehen mehrerer Staatsanwaltschaften und Steuerfahndungen handeln. Razzien hätten auch bei mehreren Bundesliga-Schiedsrichtern stattgefunden, „vor allem in Süddeutschland”. Die Verdachtslage umfasse knapp zwei Dutzend Personen, darunter einige prominente Bundesliga-Referees.
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