Gladbach: Ab(wärts) in die Krise

Von: Bernd Schneiders
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Borussia Mönchengladbach - Borussia Dortmund
Fußball Bundesliga 8. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Borussia Dortmund am Samstag (03.10.2009) im Stadion im Borussia-Park in Mönchengladbach. Der Mönchengladbacher Trainer Michael Frontzeck reagiert auf dem Spielverlauf. Foto: dpa

Mönchengladbach. Zum vorletzten Bundesliga-Heimspiel gegen Hoffenheim hatte Borussia Mönchengladbach I-Dötzchen geladen. Die sahen zwar eine 2:4-Niederlage, aber ein spektakuläres Spiel. Das Erlebnis wird sie jenseits jeden Lokalpatriotismus´ positiv geprägt haben.

Zwei Spieltage später an gleicher Stätte konnte man froh sein, dass dem potenziellen Nachwuchs der 90-minütige Anblick gegen Borussia Dortmund erspart blieb. Wieder gab es eine Niederlage, zwar „nur” 0:1, aber das Spiel war so schaurig, dass Zyniker mutmaßen könnten, ein I-Dötzchen-Besuch Teil 2 hätte den Kinderschutzbund auf den Plan rufen können.

Zumindest hätten die Kinder eine Lektion erhalten. „Fußball besteht nicht nur aus schönen Phasen”, erklärte Fußball-Lehrer Michael Frontzeck, seinerzeit Jahrgangsbester seines Trainerlehrgangs. Aber dann wird die Aktion „wie sag ich´s meinem Kinde´ schon schwierig. Feinkost-Fußball zu Beginn der Saison, frühe sieben Punkte, und nun fünf Pflichtspiel-Niederlagen in Serie, seit drei Spielen - inklusive Pokal-Aus gegen Duisburg - kein Tor mehr erzielt: „Jetzt sind wir da, wo wir nicht sein wollten”, gesteht Sportdirektor Max Eberl: Abstiegskampf!

„Ein schleichender Prozess”, wie Frontzeck es nennt, hat den Klub, der sich mit Glück und Geschick im Finale der letzten Saison den Klassenerhalt gesichert hatte, von Rang sieben auf Platz 15 purzeln lassen. Die schwerfällige Leistung am Samstagabend entspricht dieser Platzierung. Und auch der Gegner passte sich mit dem Rucksack von sechs sieglosen Partien in Serie diesem Niveau an. „Wir haben nicht die Sterne vom Himmel gespielt”, befand Dortmunds Trainer Jürgen Klopp. Aber ein Tor erzielt - im Gegensatz zu den Gladbachern, die obendrein auch (noch) nicht in der Lage sind, angesichts der kollektiven Ladehemmung einmal ein dreckiges 0:0 zu erreichen.

Das geballte Offensiv-Elend spiegelt sich auf dem Notizblock wieder: 8. Minute, eine missglückte Flanke von Raul Bobadilla nötigt BVB-Keeper Roman Weidenfeller zum ersten Mal, seinem Handwerk nachzugehen. Er stubst das Zufallsprodukt über die Latte. Offensichtlich ist es nur der argentinische Bulle, für den das Trikot Weidenfellers ein rotes Tuch ist: Diesmal geht Bobadillas Schuss nach einem Solo knapp vorbei. Das Problem: Man zählt inzwischen die 67. (!) Minute.

Das noch größere Problem: Die Gäste hatten bis dahin zwei echte, d.h. gewollte Tormöglichkeiten. Die zweite versemmelte Mohamed Zidan (60.), die erste nutzte und schuf sich Lucas Barrios (38.). Ironie des Gladbach-Schicksals: Der Treffer war so einsam wie zentral: Einen von Marcel Meeuwis produzierten Abpraller erreichte den Argentinier, Roel Brouwers ließ Barrios genau den halben Meter Platz, den ein Welttorjäger braucht - Tor, einmalig!

Zentral also, dabei wollten die Borussen eben die Mitte diesmal dichtkriegen. Dazu hatte Michael Frontzeck seinem Patienten die raute hinter der Doppel-Spitze Bobadilla/Friend verschrieben. Doch die Geister, die der Borussen-Coach mit den „Außenseitern” Michael Bradley und Thorben Marx rief, wurde er nicht los: Beide Kampfspieler interpretierten ihre Achter-Position zu zentral. Damit konnte niemand mehr sagen, dass Gladbach nicht mehr ganz dicht war - abgesehen vom Barrios-Tor -, doch im Spiel nach vorn wurde beide Außenbereiche zur Einöde.

„Die Spieler auf Außen wurden zu häufig übersehen”, klagte Frontzeck. Karim Matmour nur auf der Bank, Juan Arango hinter den Spitzen, Marx und Bradley mit Überdrang nach innen: das hätte die Stunde der Außenverteidiger sein können. Tobias Levels versuchte es auf links, Paul Stalteri gegenüber sicherheitshalber kaum. Schon nach 70 Minuten stand Levels pumpend wie ein Maikäfer an der Mittellinie: aufgerieben im Dauersprint zwischen Abwehr und Angriff. Nachteil obendrein: Der Kapitän muss sich vor seiner Flanke den Ball zumeist auf den stärkeren rechten Fuß legen. Folge: Die Torauslinie, um von der mit einem Pass in den Rücken der BVB-Abwehr zu kommen, erreichte er nie, die Flanken kamen zumeist aus dem Halbfeld.

Auch in anderen Bereichen hakte der Frontzeck-Plan: Rob Friend ist immer noch weit davon entfernt, eine Bank als hohe Anspielstation zu sein. Die Laufwege mit Neben-Stürmer Bobadilla sind ebenfalls noch nicht abgestimmt. Und Arango, Borussias Befruchter in der kurzen Blütezeit zu Beginn der Saison, verspielte jegliche Berechtigung, auf dem Platz zu sein: Selbst Standards misslangen dem - eigentlich - Schuss-Künstler. Im Rückstand gelang Borussia immerhin eine Drangphase (mit zwei Bobadilla-Szenen). Der Spuk war nach drei Minuten (67. - 70.) verschwunden, das Abstiegsgespenst quartierte sich ein.
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