Mönchengladbach - Für Thorben Marx ist klar: „Hier kann viel entstehen”

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Für Thorben Marx ist klar: „Hier kann viel entstehen”

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Entspannung nach dem letzten Abpfiff: Thorben Marx mit seiner Tochter Lenia und Borussias Maskottchen Jünter. Foto: Kruck

Mönchengladbach. Die Lizenz zum Saisonrückblick hat sich Thorben Marx spätestens nach dem 1:1 gegen Bayer Leverkusen verdient. „Durch einen dummen Fehler von mir sind wir in Rückstand geraten”, analysiert der Mittelfeldspieler ebenso nüchtern wie selbstkritisch.

Ein eher glückliches Remis zum Abschluss, dennoch war diese Spielzeit mit Rang 12 für Borussia Mönchengladbach eine relativ stabile. Für einige eine Überraschung, für Thorben Marx „nicht. Ich habe es schon in der Vorbereitung gemerkt - und auch gesagt -, dass die Mannschaft Potenzial hat. Wenn man neu dazukommt, kann man das gut beurteilen.” Der Mittelfeldspieler betätigt sich dabei nicht als Klub-Sprecher. Auch nicht vor einem Jahr. „Wenn ich Bedenken gehabt hätte, hätte ich gesagt, dass wir eine schwierige Saison vor uns haben.”

Stattdessen konstatiert er, dass Borussia einen Schritt gemacht hat. Inklusive Höhen und Tiefen. „Auch als wir in der Hinrunde sechs Spiele nicht gewonnen haben, ist das Umfeld ruhig geblieben. Die Fans haben uns super unterstützt - und dann haben wir die Kurve gekriegt.”

Die Saison 2009/2010 ist für den Blondschopf eine neue Erfahrung. Die Bundesliga kennt er bereits zu genüge, schließlich hat er genug Spiele auf dem Buckel. Doch zum ersten Mal fühlt er sich als Teil einer Mannschaft mit Entwicklungspotenzial. Teil eines Planes und einer Vision, die Sportdirektor Max Eberl gerne umworbenen Spielern darlegt. „Bei Hertha hatten wir eine erfahrene Mannschaft, da ging es nur um den Uefa-Pokal-Platz. Es gab keine großen Perspektiven”, erinnert sich Marx.

„Und in Bielefeld ging´s immer nur gegen den Abstieg.” In seiner Vita aber hatte der gebürtige Berliner noch Platz für einen anderen Ansatz, der ihn gerade auch sportlich reizt. „Hier kann viel entstehen, wir haben viele talentierte Spieler. Und deshalb bin ich sehr froh, ein Mosaikstein in diesem Prozess zu sein und hoffe, hier noch ein paar Jahre spielen zu können.”

Eher unauffällig

Aus dem Alter, ein Talent zu sein, ist Marx, 28, lange herausgewachsen. Er wurde von Frontzeck als Führungsspieler geholt. Diese Spezies ist speziell für junge Mannschaften wichtig. Und diese Wichtigkeit kommt gar nicht so sehr spektakulär daher. Sie ist wie ein Leim, der die Dinge zusammenhält.

Und der Stellenwert dieser „Kitter”, der etwa auch ein Mark van Bommel bei den Bayern ist, wird oft erst dann ersichtlich, wenn sie nicht dabei sind. Wie etwa beim 1:6 in Hannover. „Auf meiner Position als Sechser habe ich nicht viele auffällige Aktionen”, beschreibt der defensive Mittelfeldspieler. „Es geht mehr ums Organisieren, um viel Ballbesitz.” Aus dieser Position heraus geht es auch darum, die Nebenleute besser zu machen, Aktionen einzufädeln, die sich dann ein zwei Stationen später als gefährlich und mitunter auch spektakulär zeigen.

Organisator, Zulieferer und Impulsgeber: Da gab es in dieser Spielzeit für Marx alle „Füße” voll zu tun. Mönchengladbach ging seinen taktischen Weg durch die Saison in einer Lauer-Position. Relativ tief stehend, auf Konter ausgerichtet. Zwangsläufig mit verstärktem Druck auf die eigene Abwehr, aber eben auch mit den entsprechenden Freiräumen nach vorn. „Dazu haben wir auch die Spieler. Aber das war der erste Schritt”, stimmt Marx dieser Entscheidung zu. „Wenn man zuvor mit einem Bein schon in der Zweiten Liga stand, kann man nicht das Selbstvertrauen voraussetzen, um vorne draufzugehen.”

Konsequenter werden

Diese eher abwartende Haltung aber wird peu a peu abgebaut werden. Auch, um das zu vermeiden, was den Borussen trotz vieler guter Spiele etliche Punkte gekostet hat. „Nach Führungen haben wir oft zu weit hintendrin gestanden und versucht, das Ding mit Glück nach Hause zu schaukeln”, analysiert Frontzecks verlängerter Arm. Nun müsse der nächste Schritt folgen: „Wir müssen es nicht immer nur mit Hängen und Würgen angehen, sondern konsequenter die Entscheidung suchen!”

Seine Aufgabe wird verstärkt sein, die Führungsrolle auch außerhalb des Platzes einzunehmen. Gerade in schwierigen Situationen „sind junge Spieler dankbar, wenn man ihnen hilft. Nicht nur auf dem Platz”. Aber allein Erfahrung, eine hohe Zahl an Einsätzen, reiche nicht, um ernst genommen zu werden. „Wenn man seine Leistung nicht bringt, sagen die Jungs: Was redet der denn da!”

Diesen Respekt hat sich Thorben Marx erarbeitet. Das freut ihn auch deshalb, weil er die Vorbehalte gekannt hat, als er von Bielefeld zur Borussia kam. „Die Fans haben sich sicherlich nicht in den Armen gelegen. Schließlich kam ich von einem Absteiger, und da haben sie nicht gejubelt: ein Super-Transfer!” Es ist eine positive, keine hämische Freude. „Ich konnte die Skepsis verstehen. Gerade deshalb aber bin ich froh, dass sich das geändert hat.”

Heute ist er innerhalb und außerhalb der Mannschaft anerkannt. Und die Aufgabe als „Kitter” nimmt er ernster denn je. Mit Igor de Camargo und Bamba Anderson wächst die Südamerika-Fraktion auf fünf Mitglieder. Droht eine Cliquen-Wirtschaft? „Sorgen mache ich mir nicht, aber man muss das im Auge behalten”, sagt Marx. Es sei klar, dass die Südamerikaner wegen ihrer gemeinsamen Sprache mehr zusammenhingen. Deshalb müsse man aufpassen, dass weiter „eine Mannschaft auf dem Platz steht, wo eine für den anderen kämpft. Das wird man verstärkt dann erkennen, wenn´s mal nicht so gut läuft.” Doch Marx besitzt Vertrauen zum Ausleseverfahren des Sportdirektors: „Max Eberl achtet auf einen guten Charakter.”

Thorben Marx achtet auf Fußball. Auch im Fernsehen. Er sieht sich speziell die Arbeit der Spieler auf seiner Position an. „Man kann immer dazulernen.” In seinem Urlaub auch. Den verbringt er nicht in der Südsee. Und auch nicht in Südafrika. Ihn zieht´s mit Familie nach Berlin, nach Hause. Dort wird er die WM mit Freunden vor dem Fernseher erleben. Mit modifizierter Lern-Perspektive. „Die ersten zehn Minuten werde ich sicherlich konzentriert analysieren”, schmunzelt er. „Aber nach dem zweiten, dritten Bier werde ich mich wohl entspannt zurücklehnen.”
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