Frontzeck: „Erfahrung kann man nicht trainieren”

Von: Bernd Schneiders
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Volle Konzentration auf die neue Saison und die weitere Entwicklung in kleinen Schritten: Borussias Trainer Michael Frontzeck. Foto: imago/T-F-Foto

Mönchengladbach. Kontinuität wird nicht nur postuliert, sondern inzwischen auch gelebt bei Borussia Mönchengladbach. Der Vertrag von Michael Frontzeck ist nach einem Jahr bis 2013 ausgedehnt worden. Auch mit Sportdirektor Max Eberl wurde verlängert. Kein Spieler, den Borussia halten wollte, hat den Klub verlassen.

Da passt es, dass Trainer Frontzeck erneut das Ziel ausgibt: eine stabile, keine Zittersaison.

Vor einem Jahr schlug Ihnen extrem viel Skepsis bis hin zur Ablehnung entgegen. Heute sieht´s da schon anders aus. Frontzeck: Ich hatte ein Stück weit Verständnis dafür, wenn man meine Stationen zuvor betrachtet. Mit Alemannia mit einem Mini-Etat abgestiegen, wobei in den letzten drei Monaten alles Unglück dieser Welt zusammenkam. Und Bielefeld war eine schwierige Situation.

Mit der Entlassung auf einem Relegationsplatz am vorletzten Spieltag ... Frontzeck: Ja, wie bekannt. Aber dass man dann deshalb nicht gerade mit Jubelstürmen empfangen wird, ist auch klar. Man hat mir von Beginn an eine faire Chance gegeben - ob das was mit meiner Borussia-Vergangenheit zusammenhing, wollen wir mal dahingestellt sein lassen. Bei der Arbeit hat mich diese Skepsis Null tangiert.

Verspüren Sie denn so etwas wie Genugtuung? Frontzeck: Das mag einem vielleicht schon mal durchs Gehirn huschen. Aber zum Einstieg war es nicht schlecht, dass die Erwartungen nicht allzu groß waren. Es wird auch der ein oder andere darauf gewartet haben, dass es in die Hose geht. Mit solchen Leuten hast du es überall zu tun. Und für die arbeite ich auch nicht. Die kannst du sowieso nicht überzeugen. Sie sehen alles negativ.

Was war Ihr Plan damals und was heute? Frontzeck: Ich wollte mit jungen Strukturen, zusammen mit Max Eberl und Steffen Korell, mit meinem Trainerstab eine junge Mannschaft anbieten, mit der man sich identifizieren kann. Mein Vertrag war damals auf zwei Jahre ausgelegt, und in denen wollten wir Stabilität hineinbringen. Es schaffen, nicht jedesmal bis zum Schluss zittern zu müssen.

Jetzt haben Sie aber eine eingespielte Mannschaft. Frontzeck: Ja, wir mussten niemanden abgeben, haben den ein oder anderen dazugeholt. Aber keinen für zehn oder 15 Millionen Euro. Letztes Jahr haben einige am Limit gespielt. Man kann von einem jungen Spieler wie Marko Reus nicht erwarten, dass es so gut weiterläuft. Der normale Weg wäre, dass er auch mal die Kehrseite kennenlernt, was ihn letztendlich nur noch stärker machen würde. Und dann müssten halt andere in den Fokus rücken. Die Mannschaft muss insgesamt zusammen wachsen.

Was nehmen Sie sich denn inhaltlich an Verbesserungen vor? Frontzeck: Wir müssen kleine Schritte nach vorne machen. Wir haben viele Gegentore bekommen.

Obwohl die Abwehr eigentlich gut ist. Und ja wohl unverändert weiterspielen wird. Frontzeck: Ja, wir haben oft nur knapp verloren, aber in vier oder fünf Spielen bis zu 20 Treffer kassiert. Da haben wir richtig Lehrgeld zahlen müssen. Aber Erfahrung kannst du nicht trainieren, die müssen die Spieler selbst machen.

Wo gibt´s noch Entwicklungspotenzial? Frontzeck: Wir haben auswärts nur zehn Punkte geholt. Es hätten aber 16, 17 oder 18 sein müssen. Beispiel das 0:1 in Mainz: Die haben eine halbe Chance, und wir etliche und verlieren. Dafür aber haben wir exorbitant zuhause gepunktet, auch gegen die Großen, was nicht so zu erwarten war.

Von den Neuverpflichtungen fällt ausgerechnet Igor de Camargo weiterhin verletzt aus. Auch Raul Bobadilla musste aussetzen. Riecht das nach einem komplizierten Start, weil der wichtigste Transfer erst nach und nach integriert werden kann? Frontzeck: Ich habe noch keine schlaflose Nacht gehabt. Wir haben mit unseren Offensivspielern so viel Variationsmöglichkeiten. Keiner ist vom Typ her deckungsgleich mit dem anderen. Und dazu ist noch Mo Idrissou gekommen.

Für Rob Friend. Ein 1:1-Tausch oder eine Verstärkung? Frontzeck: Friend war für uns wichtig. Mo aber kann auf vier Positionen spielen. Er ist schnell, dribbelstark, fußballerisch gut, in der Offensive ein ordentlicher Kopfballspieler, in der Defensive ein guter.

Hört sich eindeutig nach einer Verstärkung an. Und anders als Bobadilla vor einem Jahr auch ein Soforthelfer, wie auch de Camargo. Frontzeck: Boba musste einen großen Lernprozess durchschreiten, was die Professionalität angeht. Heute ist er auch körperlich richtig fit, auch wenn er zuletzt pausieren musste. Er wird gegen Nürnberg wieder voll dabei sein.

Und de Camargo? Frontzeck: Er ist ein absoluter Führungsspieler, das merkt man selbst jetzt in seiner Reha-Zeit. Er wird der Mannschaft helfen, da bin ich sicher. Auch Bamba Anderson ist wichtig als Ersatz für Thomas Kleine. Er wird von der Bank Druck machen auf die anderen Abwehrspieler.

Wie soll sich das Spiel der Borussia insgesamt entwickeln? Wollen Sie dominanter werden? Frontzeck: Wenn man sich die WM betrachtet, hat kaum eine Mannschaft richtig offen gespielt. Ausnahme die Spanier. Die können es sich leisten, weil sie keinen einzigen Ball verlieren. Es kommt auf die Geschlossenheit an, egal ob jetzt 20 Meter weiter vorne oder hinten. Lässt du zu viel Räume, bist du der Verlierer. Was man auch bei der Niederlage der Argentinier gegen unsere Elf gesehen hat. Die wurden zerpflückt, weil sie gute Einzelspieler, aber im Gegensatz zu den Deutschen keine Struktur hatten.

Wie wollen Sie spielen lassen? Frontzeck: Ich will aus einer grundsoliden Defensive schnell nach vorne spielen lassen. Natürlich müssen wir uns auch im eigenen Ballbesitz verbessern, vor allem auch auswärts. Wir müssen den Ball länger halten können. Und wird brauchen mehr Effektivität vor dem Tor. Auch wenn wir so viele Treffer erzielt haben, wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Und es waren keine Glückstore dabei, darauf bin ich stolz.

Sonntag gegen Liverpool werden Sie zum ersten Mal nicht in der Halbzeit komplett auswechseln. Frontzeck: Ja, das wird ein erster echter Prüfstein. Trotzdem werde ich etwas probieren. Ich werde Roman Neustädter vor der Abwehr spielen lassen. Er hat sich richtig gut entwickelt. Ich möchte ihn jetzt mal vor 50000 Zuschauern sehen.

Saisoneröffnung: Familienfest und Duell mit dem FC Liverpool

Am Wochenende feiert Borussia Mönchengladbach die Saisoneröffnung und den 110. Geburtstag. Das traditionelle Familienfest startet im Borussia-Park am Samstag ab 13 Uhr (bis 18 Uhr). Im Mittelpunkt wird die Mannschaft stehen, die auf den Interview-Bühnen vorgestellt wird. Zudem stehen die Profis für Autogrammstunden zur Verfügung. Sportlich wird´s auch: Von 15 bis 16.30 Uhr absolvieren Dante & Co. ein öffentliches Training im Stadion. Um 18.30 Uhr beginnt dann auf der Hauptbühne (Vorplatz) die große Postbank-Fanparty mit diversen Musikgruppen. Der Eintritt ist für alle Besucher frei.

Höhepunkt des Wochenendes ist am Sonntag das Duell mit dem FC Liverpool. Borussias Fans verbindet mit den Anhängern des englischen Traditionsklubs eine enge Freundschaft. Anpfiff ist um 14.30 Uhr. Im Vorverkauf sind bereits mehr als 50.000 Tickets abgesetzt worden. Dauerkarten haben keine Gültigkeit.

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