Frank Geideck: „Respekt ist meine Maxime”

Von: Bernd Schneiders
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Borussias Co-Trainer Frank Geideck. Foto: imago/Team2

Mönchengladbach. Gemeinhin gilt ein Co-Trainer als Puffer zwischen Mannschaft und Chef-Trainer. Mitunter auch zwischen den Spielern, wie ein Trainings-Vorfall bei Borussia Mönchengladbach beweisen - könnte.

Könnte! Lautstarker Streit zwischen Roberto Colautti und Kampfspieler Michael Bradley. Als Frank Geideck sich zur Szene umdreht, ist es schon fast vorbei. Der Assistent von Michael Frontzeck muss nicht als Kampfsportler auftreten, um die Streithähne zu trennen. Muss also ein guter Co-Trainer keinen schwarzen Gürtel besitzen? „Ich habe als Sieben-, Achtjähriger Judo gemacht”, grinst Geideck.

Doch Haltegriffe oder Würfe sind nicht sein Ding. Und müssen es auch nicht, speziell am Niederrhein: „Wenn das meine Hauptaufgabe wäre, hätte ich wenig zu tun.” Sein Kontrastprogramm bei und neben der sportlichen Arbeit: „Ich versuche, jeden Spieler mit Respekt zu behandeln. Das erwarte ich aber auch vom anderen. Das ist die Maxime meines Handelns.” Und ein Ausbruch an Respektlosigkeit war der Disput zwischen den Borussen-Profis keineswegs. „Das wird gerne dramatisiert. Da ist so gut wie nichts passiert.”

Der Mann weiß, wovon er spricht. Mit 27 wurde er bereits Co-Trainer. Und in der vermeintlichen Idylle Bielefeld musste der heute 42-Jährige mit Typen umgehen und arbeiten, gegen die Bradley & Co. Waisenknaben sind. „Die Zeitschrift 11 Freunde hat einmal die 20 wildesten Profis aufgelistet. Unter den ersten fünf befanden sich allein drei Profis, die auch mal in Bielefeld waren.” Namen will er nicht nennen, aber der Arminen-Almanach spuckt so treffliche Beispiele wie Ansgar Brinkmann und Jörg Böhme aus.

Dass er sagt, er fühle sich rundum wohl bei der Borussia, hat aber nicht mit einer vermeintlichen Ansammlung von Gutmenschen zu tun. Er mag die Teamarbeit mit seinen Kollegen Manni Stefes und Uwe Kamps. Zum ersten Mal arbeitet er nicht als Solo-Assistent. Eifersüchteleien, weil er als der Co des Cheftrainers kam, sind ausgeblieben.

Was auch damit zu tun hat, was er besonders an Michael Frontzeck kennen- und schätzengelernt hat: „Seine soziale Kompetenz.” Zum System Frontzeck gehört vor allem auch die Team-Arbeit, einer der Gründe, warum der Ex-Gladbacher als Sieger aus dem Trainer-Casting von Sportdirektor Max Eberl hervorging. Und so dürfen Geideck & Co. mehr als nur Hütchen aufstellen. „Es macht Spaß”, sagt der Bielefelder.

Stabilitätsprobe

Und diese Gefühlslage verströmt der gelernte Sportlehrer auch. „Stabilität” ist eines seiner Lieblingswörter. „Der Fußball ist eine Welt, in der positive und negative Gefühle ausgelebt werden. Das soll bei den Fans auch so sein, bei ihnen schlägt das Pendel immer extrem aus. Diesen Ausschlägen aber muss das Trainer-Team mit Stabilität begegnen.” Die erste Stabilitätsprobe haben die Gladbacher mit der Durstrecke von fünf Niederlagen bereits erfolgreich bestanden. Ohne großes Getöse. „Ich bin angenehm überrascht.”

Geideck ist Ur-Bielefelder. „Ostwestfalen ist meine fußballerische Sozialisation. Mönchengladbach ist meine erste Auslandsstation.” Mit fünf, zum Geburtstag, wurde er Arminia-Mitglied, spielte dort in der Jugend und als Profi (157 Spiele) Fußball. „Ich bin Luftlinie 500 Meter entfernt von der Alm aufgewachsen. Zwischen Uni und Stadion sozusagen”, sagt er. Sportlehrer-Studium und Profifußball. Auch eine gelungene Mischung aus Theorie und Praxis, die der Viel-Leser („Von Donald Duck bis Klassiker”) mit einigen Semestern Germanistik vorweisen kann.

Nicht verwunderlich, dass ihn die Uni Bielefeld zur WM als Referenten buchte: Geideck erläuterte dem Auditorium, wie man eine Spielphilosophie entwickeln und auf die Mannschaft übertragen kann. Dass er dazu als Beispiel ein frische Bielefelder Heim-Klatsche gegen Wolfsburg wählte, sorgte zum Eingang des Vortrags für viel Gelächter. Letztendlich aber brachte er den Spöttern näher, warum auch ein verlorenes Spiel ein gutes gewesen sein kann.

Bis vor einer Woche hätte er ähnliche Vorträge an der Fachhochschule Mönchengladbach halten können. In Hamburg aber überzeugte Borussia nicht nur spielerisch, sie gewann auch. Aber auch ohne den Dreier goutiert Geideck Inhalte. „Ich fühle mich besser, wenn wir ein richtig gutes Spiel machen und mit Pech verlieren, als wenn der Gegner 12 Großchancen hat und wir unverdient gewinnen.” Und wenn das Trainerteam von dieser Vorstellung des Fußballs überzeugt sei, „dann kommen solche Spiel wie gegen den HSV zustande”. Auch am Samstag gegen den VfB Stuttgart?

Mit Friend und einem „befreiten” Bailly

Der VfB Stuttgart will seine Blockade im Borussia-Park lösen. Gladbachs Torhüter Logan Bailly hat das bereits geschafft: Der Belgier kann spielen, seine Wirbel sind wieder frei, von ein paar muskulären Restproblemen einmal abgesehen.

Bei Filip Daems geht Frontzeck auf Nummer sicher: Für den Linksverteidiger spielt erneut Jean-Sebastian Jaures. Rob Friend stürmt für Raul Bobadilla (Muskelfaserriss).

Voraussichtliche Aufstellung: Bailly - Levels, Brouwers, Dante, Jaures - Marx, Bradley - Reus, Arango - Friend, Colautti
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