Mönchengladbach - Formkrise des „12. Mannes” beendet?”

Formkrise des „12. Mannes” beendet?”

Von: Bernd Schneiders
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Ätsch-Freude gegen eine alten Kameraden: Borussias „Zehner”, Alexander Baumjohann, ist nach abgesessener Gelbsperre am Sonntag gegen seinen Ex-Klub Schalke 04 wieder mit dabei. Foto: imago/Team2

Mönchengladbach. Was nahe zu liegen scheint, liegt doch so fern! Nicht die Entscheidung im Abstiegskampf, die fällt für Borussia Mönchengladbach in den nächsten sieben tagen mit dem Spiel jetzt am Sonntag gegen Schalke, Mittwoch in Cottbus und am Samstag in Düsseldorf gegen Bayer Leverkusen. Aber die Vorarbeit des Trainers, die er fürs erste von drei Endspielen leisten muss, ist anders als man gemeinhin denken könnte.

Zwei Siege (aus den letzten vier Spielen) müssen her, sagt auch Hans Meyer. Also braucht ein Fußballlehrer „nur” noch seine Spieler auf eine 360-minütige Rushhour und Rundum-Offensive programmieren. Statt eines Spielplans und taktischer Vorgaben gipfelt die Warmmachphase jeweils in einem: „Geht raus und haut sie weg!”

Nun mag es Phasen geben, in denen diese Anmacherei fruchtet, aber eben nur Phasen. Auch Borussia (und nicht nur die) hatte solche Heißmacher, deren Mentaldoping spätestens dann aber verpuffte, wenn sie falsche (Gegen-)Spielernamen benutzten. Handwerkszeug ist immer noch die Basis, detailgenaue Vorbereitung und taktische Schachzüge erhöhen nach wie vor die Gewinnchance. Auch und erst recht gegen einen Gegner wie Schalke.

Wenn man einmal davon ausgeht, dass die Königsblauen nicht völlig uninspiriert und lustlos auftreten - was man muss, trotz der Querelen der letzten Wochen und der Verkündung des neuen Trainers Felix Magath - , wartet am Sonntag auf die Gladbacher ein gewaltiger Brocken.

Die Schalker stellen die beste Abwehr: sie haben mit Kevin Kuranyi einen Torjäger, der womöglich nicht den Ansprüchen der Champions League genügt, aber in der Liga immer noch für Angst und Schrecken sorgen kann; ihre Außenverteidiger Rafinha und Christian Pander sorgen für Druck über die Flügel; Pander ist obendrein mit seinen Standardqualitäten ein Stachel im Fleisch jeder Abwehr; Farfan in der Lage, seine individuelle Klasse mit einer Einzelaktion gewinnbringend einzubringen; und Sanchez ist zwar (normalerweise!) nicht torgefährlich, aber kann speziell groß gewachsene und wenig wendige Abwehrspieler in den Boden drehen.

Verständlich, wenn Meyer zugibt, „dass wir zuletzt weniger als mir lieb war damit zu tun hatten, unsere eigenen Stärken durchzudrücken, anstatt an die des Gegners zu denken”.

Beste Abwehr der Liga

Die Münchner „Mir-san-mir”-Einstellung ist den Mönchengladbachern so fern wie ein Champions-League-Platz. Bei den Bayern am letzten Wochenende nur 1:2 verloren zu haben, wird das Selbstbewusstsein nur mit einer feinen Tünche schützen. Und so muss Meyer mit seiner Auswahl erneut den Spagat wagen zwischen Spielbestimmung und Orientierung am Gegner, zwischen aktivem und „reaktionärem” Spiel.

Die Gefahr, sich dabei eine Zerrung zu holen, war selten so groß: Die beste Abwehr der Liga ist am ehesten über die Flügel zu knacken, doch genau dort muss auch Borussia im Gegenzug dicht halten gegen Rafinha & Co. Eine Quadratur des Kreises also?

„Über solche Details will ich nicht sprechen. Das tut kein Trainer der Welt”, wehrt der Gladbacher Coach nachhaltig ab. Sein Versprechen: „Wir werden versuchen, Schalke zu schlagen. Das wie werde ich nicht erzählen.”

Die offensichtlich ernst gemeinte Frage, ob Borussia denn Außenseiter sei, lässt ihn explodieren. „Idiotische Frage!” Was weniger ein Beleg für die Ungehobeltheit denn die Anspannung des 66-Jährigen ist: Seine dritte Station als Retter droht zur mission impossible zu verkommen.

Als krisen-, formschwächen-freie und effektive Spieler bleiben ihm derzeit nur Torhüter Logan Bailly und Tomas Galasek. Beide aber haben wenig mit der durch die Punktekonstellation vorgegebenen Richtung zu tun: Offensive tut not.

Die Hälfte seiner Rettungscrew bedarf selbst der Unterstützung: Dante leidet immer noch unter seiner zweimonatigen Verletzungspause, Paul Stalteri hat zuviel mit sich zu tun, als dass er den überwiegend jungen Kollegen eine Stütze sein könnte. Und auch der „12. Mann” versagte im letzten Heimspiel gegen Bielefeld: Schon nach zehn Minuten waren erste Pfiffe zu hören.

Doch Hans Meyer erwartet, dass diese Formkrise am Sonntag überwunden ist: „Gegen Bielefeld war das ein ganz anderes Spiel: Da haben viele gedacht, dass wir nach zehn Minuten schon mit 2:0 führen würden. Die Erwartungshaltung gegen Schalke ist eine ganz andere.” Da reicht auch schon ein 1:0 - in der Nachspielzeit.
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