Findet Flügelflitzer Herrmann seinen Weg zur alten Stärke zurück?

Von: Bernd Schneiders
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Borussias Co-Trainer Frank Gei
Borussias Co-Trainer Frank Geideck (rechts) und Sportdirektor Max Eberl präsentieren das Motto des 3. Bundesliga-Spieltags - auch für Gladbachs Problem-Flitzer Patrick Herrmann. Foto: Dieter Wiechmann

Mönchengladbach. Der 3. Spieltag steht im Zeichen der Uniformierung: Die Trikot-Brust aller Profis der 18 Bundesligisten bleibt sponsorenfrei. Werbung wird stattdessen für eine Aktion der Deutschlandstiftung Integration betrieben mit dem Motto: „Geh Deinen Weg”.

Der von Borussia Mönchengladbach ist traditionell nach vorne. Offensiv-Fußball, der unter Lucien Favre aber mehr denn je stark strukturiert ist, um die Risiken in der Defensive zu minimieren. Und auf diesem Weg beschert der Spielplan morgen eine echte Herausforderung: den 1. FC Nürnberg.

Seit Jahren zählt der „Club” zu den Verdichtungs-Weltmeistern der Liga. Das bekam am letzten Spieltag auch der Deutsche Meister zu spüren. Borussia Dortmund musste sich im Frankenland mit einem 1:1 begnügen. Frank Geideck zitierte deshalb bewusst und fast genüsslich seinen Vorarbeiter - Lucien Favre war am Donnerstag bei der Presskonferenz privat verhindert -: „Das wird ein schweres Spiel!”

Es sind zwei große Aufgaben, die Borussia gegen die Elf von Dieter Hecking angehen und möglichst bewältigen muss: gegen die Kompaktheit Torgefahr heraufzubeschwören und gegen diese Kompaktheit selbst kompakt zu bleiben. „Sie machen die Mitte richtig gut zu”, urteilt Geideck, Favres rechte Hand. Und die zu naheliegende Schlussfolgerung lässt den Mann, den Michael Frontzeck einst an den Niederrhein gelotst hat, erneut schmunzeln: „Dass du gegen Mannschaften wie Nürnberg das Spiel über außen ansetzen musst, ist kein Geheimnis.”

Kein Geheimnis, aber ein Problem für Borussia Mönchengladbach derzeit. Das 0:0 bei Fortuna Düsseldorf legte gravierende Defizite im Offensivspiel der neuen Euro-Fighter offen: Patrick Herrmann, Gladbachs größtes Versprechen auf der Außenbahn seit Jahren, ist derzeit nur ein Schatten seiner selbst. Juan Arango hat viele Qualitäten, aber nicht, bis zur Grundlinie durchzustoßen.

Kapitän Filip Daems, als Linksverteidiger der natürliche Ausgleicher des Tempo-Mankos auf dieser Seite, rennt seiner Form noch hinterher. Und auch sein Außenverteidiger-Kollege auf der anderen Seite kann die Formkrise seines Vorspielers Patrick Herrmann nicht auffangen: Tony Jantschke ist ein exzellenter, intelligenter, taktisch versierter und für seine Größe sogar äußerst kopfballstarker Fußballer. Doch Sprint-Qualitäten gehören nicht zu seinem Repertoire. Ansonsten könnte er die Nationalspieler Marcel Schmelzer und Philipp Lahm leicht in die Tasche stecken.

Was also tun, Lucien Favre, solange Peniel Mlapa noch nicht wieder in der Form der Vorbereitung und Alexander Ring womöglich auch noch ein Kandidat für die noch langfristig unbesetzte Stelle hinter Luuk de Jong ist?

Patrick Herrmann ist das größte Problem und die einfachste Lösung. Der 21-jährige Flügelflitzer bekommt seine Qualitäten, die andere erst gar nicht haben, derzeit nicht umgesetzt. Für seinen Schweizer Entwicklungsexperten eine Frage der mangelhaften Technik, nicht des Kopfes, wie er nach dem Remis in Düsseldorf bekräftigte. Doch womöglich befindet sich Lucien Favre in diesem Fall auf dem Holzweg.

Wenn Herrmann der Ball fünf Meter weit vom Fuß springt, ist er nicht plötzlich über Nacht zum Rumpelfuß mutiert. Seine Ausgangsposition hat sich geändert: Jetzt erwartet man von ihm etwas, erst recht nach dem Weggang von Marco Reus. In seiner Hoch-Zeit der letzten Saison war er die Überraschungsnummer, die unbelastet und frei seinen Gegenspieler die Hacken zeigte.

„Geh Deinen Weg” heißt das Integrations- und Entwicklungsmotto. Auch für Patrick Herrmann. Denn in den letzten Spielen traute sich der Saarländer gar nicht mehr, in die Eins-zu-eins-Situationen zu gehen. Doch nur dort liegt der Schlüssel zu seinem verschütteten Selbstbewusstsein und alter Stärke, die seine Mannschaft derzeit so dringend benötigt.

Die Ballbehandlung eines Messi oder Reus wird sich Patrick Herrmann auch durch zehnjähriges Technik-Training nicht anarbeiten können. Er besitzt keinen Magnet im Fuß, aber jede Menge Speed in den Beinen. Die Freiräume dafür muss er wieder suchen und finden - auch im Kopf. Selbst mit dem Risiko, dass der Ball fünf Meter weit wegspringt. „Geh Deinen Weg” - möglichst schnell.
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