Walchsee - FC-Trainer Solbakken: Rasenschach auf norwegisch

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FC-Trainer Solbakken: Rasenschach auf norwegisch

Von: dapd
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Trainingslager 1. FC Köln
Der Trainer des 1.FC Köln Stale Solbakken (rechts) gibt seinen Spielern klare Anweisungen. Foto: dpa

Walchsee. Stale Solbakken gestikuliert wild. Mit den Fingern malt der neue Trainer des 1. FC Köln virtuelle Laufwege in die Luft. Manchmal unterbricht er die Trainingseinheiten der Rheinländer im österreichischen Walchsee auch kurzerhand.

Dann packt Solbakken einen seiner Profis am Arm und verschiebt ihn wie eine Figur auf dem Schachbrett. „Um meine Spiel-Philosophie zu erklären, bräuchte ich drei bis vier Stunden Zeit”, sagt Solbakken im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd: „Es geht darum, dass jeder Spieler jeden Moment weiß, was er zu tun hat.”

Der Norweger will rund drei Wochen vor dem Bundesliga-Start nichts dem Zufall überlassen. Fußball ist für ihn planbar und fast ein wenig wie Schach. Der Prinz soll dabei seine Dame werden. Auf Nationalspieler Lukas Podolski hält Solbakken große Stücke. Auch wenn er den Stürmer noch nicht in dessen Kapitänsamt bestätigte und beim Test am Mittwochabend gegen Spartak Moskau (1:0) Michael Rensing mit der Binde spielen ließ, verspricht Solbakken seinem Star Podolski zumindest große Freiheiten in der Offensive.

Podolski soll für „schlotternde Knie” sorgen

„Lukas ist ein wichtiger Spieler für Deutschland und für Köln. Für sein Selbstvertrauen braucht er Tore und Vorlagen”, meint der Coach: „Es bringt nichts, wenn Lukas zu weit zurückgezogen spielt. Er soll bei den gegnerischen Abwehrspielern für schlotternde Knie sorgen.” Den letzten Satz unterlegt Solbakken mit ungelenkem Wackeln seiner Gliedmaßen und Zähneklappern. Bei allem Streben nach Perfektion darf unter dem 43-Jährigen auch gelacht werden.

„Ich weiß, dass es noch wichtigere Dinge als Fußball gibt”, meint der Trainer. Nur zu gut. Im März 2001 blieb sein Herz stehen. Solbakken war klinisch tot und konnte erst Minuten später wiederbelebt werden. Die aktive Karriere war beendet. Seitdem trägt der Familienvater einen Schrittmacher. Von seiner Leidenschaft wollte der Skandinavier jedoch nicht lassen - wenn nicht mehr als Spieler, dann eben als Trainer.

Über den norwegischen Verband und den Provinzklub Hamarkameratene kam Solbakken 2006 schließlich zum FC Kopenhagen und prägte beim dänischen Spitzenklub eine Ära. In sechs Anläufen holte er fünf nationale Meistertitel. Zudem führte er den Verein in der vergangenen Saison ins Achtelfinale der Champions League. Solbakken war ins Rampenlicht gerückt. Neben den Kölnern hatte auch der Hamburger SV ein Auge auf den Coach geworfen. Dabei hatte dieser eigentlich schon für den Posten des norwegischen Nationaltrainers zugesagt. Doch der Verband legte Solbakken keine Steine in den Weg, als der FC zugriff.

„Werde top vorbereitet sein”

Aus Sicht der Kölner Profis ist dies bereits jetzt die richtige Entscheidung. „Der Trainer hat klare Vorstellungen, wie er Fußball spielen will und das versuchen wir umzusetzen. Das geht nicht innerhalb von ein paar Tagen, sondern das braucht noch ein paar Wochen”, meint Podolski: „Ich denke aber, zum Bundesligastart werden wir sowohl im Ausdauerbereich, als auch im fußballerischen und taktischen Bereich top vorbereitet sein.”

Auch Solbakken sieht sein Team auf dem richtigen Weg: „Wir machen von Tag zu Tag Fortschritte. Die Spieler ziehen mit und verstehen immer besser, was ich von ihnen will. Wir haben noch ein wenig Zeit. Bis es ernst wird, haben die Spieler mein Konzept verinnerlicht.” Statt in der Luft herumzufuchteln, könnte der Trainer die Arme dann wieder mehr vor der Brust verschränken - und das Spiel seiner Mannschaft vielleicht einfach nur genießen.
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