FC Köln kommt nicht zur Ruhe: Peszko in Ausnüchterungszelle

Von: Dietmar Fuchs, dpa
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Slawomir Peszko
Kölns Torschütze Ammar Jemal (von links nach rechts), Sascha Riether und Slawomir Peszko jubeln über den Ausgleichstreffer zum 1:1. Foto: dpa

Köln. Claus Horstmann war auf 180. Das untragbare Verhalten von Slawomir Peszko brachte den Vorsitzenden der Geschäftsführung des 1. FC Köln in Rage. „Ich weiß nicht, wann hier der Letzte begreift, um was es geht und wie man sich professionell verhält.

Die Aktion ist inakzeptabel”, sagte der fassungslose Horstmann dem „Express” nach dem peinlichen Auftritt des 27 Jahre alten Polen: Peszko musste die Nacht nach dem 1:1 (1:1) der Kölner gegen Werder Bremen in der Ausnüchterungszelle verbringen.

Es passt in das bedenkliche Bild der öffentlichen Wahrnehmung des FC, was da geschah: Peszko geriet im Anschluss an das Remis gegen den strauchelnden Europa-League-Aspiranten mit einem Taxifahrer in Streit. Der FC-Profi musste in Polizeigewahrsam ausschlafen und wurde noch am Sonntagmorgen vor dem Training zum Rapport bei Horstmann und Chefcoach Stale Solbakken bestellt.

Reaktion des Vereins: eine saftige Geldstrafe, arbeitsrechtliche Maßnahmen und die Verbannung aus dem Kader für das Spiel an diesem Dienstag in Mainz. Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art beim FC: Peszkos Mitspieler Miso Brecko war Karneval bei einer Trunkenheits-Unfallfahrt erwischt und vom Club bestraft worden. Peszko droht jetzt zudem das EM-Aus. Polens Nationaltrainer Franciszek Smuda kündigte Konsequenzen an und wird den Spieler möglicherweise nicht für die Europameisterschaft berücksichtigen.

Ob Peszkos Entschuldigung reicht, um das noch zu verhindern? Jedenfalls zeigte er sich reumütig: „Die Geschehnisse tun mir sehr leid. Ich befand mich zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort, und ich habe mich unprofessionell verhalten. Das ist Tatsache. Ich habe einen Fehler gemacht, den ich wirklich bedaure.” Und gelobte Besserung: „Ich verspreche dem FC und unseren treuen Fans, alles bis zum Letzten zu geben, um mit unserer Mannschaft weiter für den Klassenerhalt zu kämpfen, wenn ich die Chance vom Trainer bekomme.”

Sobakken stellte Peszko zumindest die Rückkehr für das Spiel in Mönchengladbach am 15. April in Aussicht. „Er ist mental im Keller. Seine Mitspieler haben versichert, ihm helfen zu wollen”, sagte Solbakken am Montag. Eine Entscheidung soll nach dem Match gegen Mainz fallen.

Für Lukas Podolski war nicht nur das Tun Peszkos eine bittere Erkenntnis. Das Remis gegen Werder macht die Gefahr des fünften Abstiegs der Kölner eher größer denn kleiner. Unterliegt der FC auf Podolskis höchstwahrscheinlicher Erstliga-Abschiedstournee in Mainz, droht das Abrutschen auf Platz 17. „Wir stehen mit einem Punkt da - und das ist für unsere Situation zu wenig”, kommentierte Podolski das Unentschieden, das einer Niederlage gleichkam.

Immerhin verhinderte die Torpremiere des Tunesiers Ammar Jemal (39. Minute) die vierte FC-Pleite nacheinander, sie bringt die Rheinländer aber nicht entscheidend weiter. Köln weist mit 59 Gegentoren und 16 Niederlagen miserable Werte auf. Solbakken: „In Mainz müssen wir drei Punkte holen.” Sollte das nicht gelingen, will der FC dennoch am Coach festhalten. „Ich gehe fest davon aus”, sagte Horstmann im Sport1-„Doppelpass” auf die Frage, ob Solbakken in der Verantwortung bleibe. Er sei „sehr gewillt”, den Weg mit Solbakken, der einen Vertrag bis 2013 hat, weiterzugehen, ergänzte er.

Solbakken verwies darauf, dass seine Profis ihm ein „super Gehör” entgegenbrächten. Der Auftritt gegen Werder nach dem 0:1 durch Markus Rosenbergs siebten Saisontreffer (24.) stützte die These. Keeper Michael Rensing will gar Aufbruchstimmung erkannt haben: „Wir sollten uns stark reden, dass wir statt zuletzt null Punkten jetzt einen geholt haben. Die nächste Stufe wären dann drei. Und die holen wir hoffentlich in Mainz.”

Solbakkens Probleme bleiben dennoch. Sein Versprecher („Ich habe einen Vertrag bis 2012 - nein: 2013”), ob absichtlich gesagt oder nicht, lässt trotz Horstmanns Aussage tief blicken: Wie lange gilt der Vertrauensbeweis seiner Vorgesetzten wirklich? Solbakken kann und will nur eines tun: „Ich muss vor jedem Spiel darüber nachdenken, was das Richtige ist für den 1. FC Köln - und nicht für einen, zwei oder drei Spieler. Was ich mache, ist das Beste für den Verein und in dieser Situation und für diesen Tag.”
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