Favre reanimiert den Patienten

Von: Bernd Schneiders
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Ein seltenes Bild: Borussen, jubelnd nach dem Schlusspfiff: Patrick Hermann (von links), Harvard Nordtveit, Maskottchen Jünter, Filip Daems, Martin Stranzl (verdeckt) und Jens Wissing feiern das 2:1. Foto: Johannes Kruck

Mönchengladbach. Wie viel Lucien Favre ist bereits in der Mannschaft von Borussia Mönchengladbach? Das fragten sich die 51959 Zuschauer im Borussia-Park, als der Anpfiff zur Premiere des neuen Trainers gegen Schalke 04 ertönte. Nach 85 Sekunden hätte die Antwort geheißen: wenig! Dafür umso mehr Borussia.

Der Tabellenletzte lag nach einem Doppel-Fehler von Roman Neustädter und Dante mit 0:1 zurück. Der entlassene Trainer Michael Frontzeck hätte wohl davon gesprochen: „Wir haben uns wieder selbst ins Knie geschossen.”

90 Minuten später aber gingen alle der Borussia zugeneigten Zuschauer nach dem 2:1-Sieg mit dem bestimmten Gefühl nach Hause: „Da war schon verdammt viel Favre drin.” Nicht so viel, dass man ihn gleich respektvoll in Le Favre umtaufen würde, in Anlehnung an den ehemaligen dänischen Stürmer des Traditionsklubs. Aber immerhin hat der Schweizer mit dem ersten Heimsieg der Saison den Patienten reanimiert. Was nicht unbedingt zu erwarten war, denn der 53-Jährige gilt als ausgewiesener Nicht-Feuerwehrmann. „Das sind alles Klischees”, sagte Favre.

Aber gelöscht zu haben scheint er dennoch etwas in den Köpfen seiner Spieler. Schlechte Erinnerungen etwa. Die Mannschaft, die sonst so überhäufig einknickte bei Gegentoren, schüttelte sich diesmal nur kurz und setzte mit zwei Lattentreffern (6. Idrissou/7. Reus) gleich ein Doppel-Zeichen. „Er hat viel mit uns gesprochen, viel taktisch gearbeitet”, lobte denn auch Dante den neuen Fußballlehrer - was Spieler schon mal gerne machen, wenn ihnen ein neuer Vorarbeiter zugeteilt wird. Sein Kapitän, Filip Daems, machte es sich bei der Analyse weniger einfach: „Schwer zu sagen, ob es am neuen Trainer lag. Auch Michael Frontzeck ist ein guter Trainer.”

Favre gilt als Taktik-Fuchs. Aber anzunehmen, er habe Dante und Neustädter darauf gedrillt, den Fehler zum 0:1 zu fabrizieren, um endlich einmal nicht selbst in Führung zu gehen - und anschließend fast schon traditionell zu verlieren, scheint selbst für ein „Super-Hirnli” zu verwegen. Aber der einwöchige Durchzug durch die Profi-Hirne förderte immerhin eine Leistung an den Abend, die Schalkes Trainer Felix Magath sagen ließ: „Borussia war hochmotiviert und hat die Zweikämpfe gesucht. Ich gratuliere zum verdienten Sieg.”

Gladbach profitierte natürlich auch von der Anfälligkeit der Schalker nach Erfolgen in der Königsklasse. „Investieren wir zu viel in die Champions League? Nicht konditionell, sondern was die Konzentration angeht”, sinnierte Magath.

Beim Gegner war sie diesmal vorhanden. Über 92 Minuten sogar. Und, besonders überraschend bis sensationell, sogar nach der Führung durch einen Kopfball von Mo Idrissou (23.). Zuvor hatte Marko Reus mit einem satten Volleyschuss für das 1:1 gesorgt (12.). „Das war wichtig fürs Selbstvertrauen”, kommentierte der Torschütze. Favre hatte Reus als Schattenstürmer um Idrissou aufgestellt. Und auch mit der Reaktivierung von Torhüter Logan Bailly und Arango Duftmarken gesetzt. Speziell der introvertierte Venezolaner trumpfte auf der linken Seite offensiv und - besonders überraschend - auch defensiv groß auf. „Ein Bauchgefühl”, erklärte der neue Coach seine Umbauarbeiten.

Wie viel Favre ist also drin? Speziell in der ersten Halbzeit war eine aktivere Spielanlage mit schnellen und direkten Ballstafetten zu erkennen. Doch Favre selbst blieb nüchtern. „Das ist nur ein Dreier.”
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