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Favre: „Nicht zu früh urteilen!“

Von: Bernd Schneiders
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Mönchengladbach. Fast glücklich stöhnte Max Eberl am Samstagabend in den Gängen des Borussia-Parks: „Die Qual der Wahl!“ Da konnte Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor noch nicht wissen, dass diese Einschätzung am folgenden Tag durch eine Niederlage im Finale des Telekom Cups noch verstärkt werden würde. Denn die Mannschaft, die beim 1:5 gegen spielfreudige Bayern arg überfordert schien, war gespickt mit Stammkräften der vergangenen Spielzeit.

Zwar war die Aufgabe gegen die Übermannschaft der letzten und wahrscheinlich auch dieser Saison ungleich schwerer als das Duell mit Borussia Dortmund. Doch das rechtfertigt nicht die blamable Vorstellung.
 Im Team Gladbach 2, das diese Nummerierung nicht zu verdienen scheint und den BVB 1:0 bezwang, befanden sich die drei Neulinge: Raffael, Max Kruse und Christoph Kramer. Und dem Mann, der Borussia mit seinem wie üblich souverän verwandelten Strafstoß in der letzten Spielminute (60.) ins Finale schoss, stand durch sein Kapitänsamt ein Urteil über speziell einen der Neu-Gladbacher zu: „Er wird uns auf jeden Fall besser machen“, sprach Filip Daems. Von Raffael war die Rede, zu Recht.

Der Brasilianer, Favres Wunschspieler, war auffällig in einer Formation, die auch im Kollektiv eine zumindest modifizierte Spielweise an den Samstag-Nachmittag legte. Der 28-Jährige war im wahrsten Sinn des Wortes Spitze bei dem, was die Favre-Elf noch nie so extrem interpretierte: das offensive Pressing. Speziell in der ersten (30-minütigen) Halbzeit gegen den BVB, der offensichtlich das Stadium des Feintunings noch nicht erreicht hat, setzten Raffael & Co. die Dortmunder im Aufbau immer wieder unter Druck. „Das Tempo war manchmal sehr, sehr hoch“, freute sich auch Lucien Favre. Auch die Ballstafetten waren teils sehenswert.

Doch fehlte noch die Durchschlagskraft, um die ansehnliche Spielweise auch zu belohnen. „Der letzte Pass fehlte“, glaubt Filip Daems. „Wir müssen manchmal mehr Geduld haben“, urteilt dagegen sein Trainer und widerspricht der Analyse, seine Mannschaft würde zu spät den Abschluss suchen. „Es fehlt eher der richtige Moment“, sagt Favre.

Die ist sehr wohl Christoph Kramer. Die Leihgabe aus Leverkusen war neben Raffael auffälligster Gladbacher. Stark in der Balleroberung, mit einem Auge für brenzlige Situationen und einer Pferdelunge ausgestattet, die ihn noch mehr Kilometer fressen lässt als seine sicherlich nicht lauffaule Mittelfeldkonkurrenz. Wie etwa Granit Xhaka, der zwei Gesichter zeigte. Seine Spielintelligenz und seine öffnenden Pässe können Borussia helfen, doch drei bis viermal zeigte er auch sein „hässliches“ Gesicht, das ihn in der letzten Saison als Risikofall aus der Mannschaft katapultierte.

„Ich bin mit allen zufrieden“, verkniff sich Favre jedoch, auf die Rückfälle seines Landsmanns einzugehen. Da ahnte der Borussen-Coach noch nicht, dass Xhaka auch gegen die Bayern ran musste – Marx fiel verletzt aus – und beim 1:5 das 0:2 durch Thomas Müller gleich mit einem Doppelpatzer ermöglichte (23.). Den Führungstreffer der Bayern durch Franck Ribery durfte Torhüter Christofer Heimeroth auf seine Kappe nehmen (16.). Neben den kapitalen individuellen Fehlern tat die Einstellung, „wir wollen nicht verlieren“ statt „wir wollen gewinnen“ ihr Übriges. Favre bat um Nachsicht. „Das war ein falsches Spiel.“ Und seine Mahnung erklärt die leicht schräge Aussage: „Nicht zu früh urteilen!“


Mönchengladbach - Dortmund 1:0 Tor: 1:0 Daems (60./FE), B. München - Hamburg 4:0 Tore: 1:0 Boateng, 2:0 Mandzukic (41.), 3:0 Kroos (44.), 4:0 Müller (52.) Spiel um Platz 3: Dortmund - Hamburg 1:0 Tor: 1:0 Hofmann (24.) Finale: Mönchengladbach - B. München 1:5 Tore: 0:1 Ribery (16.), 0:2 Müller (23.), 0:3 Thiago (26.), 1:3 de Jong (30./FE), 1:4 Robben (41.), 1:5 Müller


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