„Es geht nicht um individuelle Ziele”

Von: Klaus Schmidt
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Fleißig ist er und schnell: S
Fleißig ist er und schnell: Sergiu Radu arbeitet viel fürs Alemannia-Team. Foto: imago/Thomas Zimmermann

Aachen. Das fing ja gut an: Noch fünf Minuten waren zu spielen an diesem 22. Januar, es stand 3:2 und Spitz auf Knopf gegen den Karlsruher SC. Dann zog Peter Hyballa den Joker, nahm Benny Auer raus und warf Sergiu Radu rein. Vier Minuten später war die Geschichte fertig vom „Traum-Einstand” - erstes Spiel, erster Treffer.

Die Quote des Rumänen, in der letzten Winterpause von Energie Cottbus zu Alemannia Aachen gewechselt, hat in den folgenden 21 Einsätzen etwas gelitten.

Radu ist als Torschütze nicht mehr in Erscheinung getreten, doch wer nun einen an sich selbst zweifelnden Stürmer vermutet, den enttäuscht Alemannias 34-jähriger „Alters-Präsident”: „Ich denke nicht über Tore nach. Wenn ich zehn Tore schieße, der Verein am Ende aber in der 3. Liga steht, hilft das keinem.”

Mit diesen Worten ist schon viel gesagt über die Einstellung des Sergiu Radu, der dem VfL Wolfsburg nach seiner besten Saison in Cottbus vor mehr als fünf Jahren (14 Treffer an der Seite des kongenialen Partners Vlad Munteanu) eine Ablösesumme von 2.250.000 Euro wert war.

Der hagere Angreifer kennt den Abstiegskampf: Zu Beginn des Jahrtausends stand er mit National Bukarest im Winter auf dem drittletzten Platz. „Am Saisonende fehlten nur drei Punkte zur Teilnahme am Uefa-Cup.” Die Erfahrung, die Radu aus dieser Zeit konserviert hat: „Es geht nicht um individuelle Ziele.”

In seinem ersten Halbjahr am Tivoli kam Radu hinter dem Angriffs-Duo Auer/Stieber nicht über die Rolle des Einwechselspielers hinaus. „Das war in Ordnung, die beiden haben ja gut gespielt. Ich bin Profi und habe mit Geduld auf meine Zeit gewartet. Die ist jetzt unter einem anderen Trainer gekommen.”

Friedhelm Funkel setzt verstärkt auf Routine, Radu denkt, „das ist normal in schwierigen Phasen. Da ist keine Zeit für Experimente oder dafür, individuelle Lösungen zu finden. Da muss man als Mannschaft reagieren, auch im Training.” Der neue Chefcoach schätzt an dem Rechtsfuß, dass er „viel arbeitet, läuft, ackert, weite Wege geht und sich wahnsinnig in den Dienst der Mannschaft stellt. In der öffentlichen Wahrnehmung und Kritik kommt Sergiu meist zu schlecht weg.”

Im letzten Training vor der Abfahrt zum Spiel beim VfL Bochum (Freitag, 18 Uhr) erhielt Radu wieder ein Leibchen für die A-Elf, und er kam zu erfolgreichen Torabschlüssen. „Jedes Spiel ist jetzt wie ein Finale”, sagt der Mann mit der Rückennummer 29. „In unserer Situation musst du mehr laufen, mehr arbeiten und die taktische Disziplin halten.” Die letzten beiden Spiele haben in Radu die Zuversicht geweckt, auch an der Castroper Straße zu punkten.

„Wenn wir mit 100 Prozent Konzentration bei der Sache sind. Fehlt nur ein Prozent . . .”, an dieser Stelle bricht der Satz ab, Radu schiebt nur noch „Dresden” hinterher, wo in der Nachspielzeit der erste Saisonsieg aus den Händen geglitten war. „Wir haben noch 22 Spiele, und ich bin davon überzeugt, dass wir am Ende unter den ersten 15 stehen.” Um seine ganz persönlichen Erfolgsmomente sorgt sich Radu nicht. „Geduld haben, weiter meine Arbeit machen. Irgendwann werde ich auch wieder ein Tor schießen.”

Manuel Junglas auf die Bank

Boy Waterman (nach Verletzung) und Bas Sibum (nach Sperre) stehen vor der Rückkehr ins Team. Reinhold Yabo ist erste Wahl für den linken Flügel, Manuel Junglas muss auf die Bank weichen.

Andreas Bergmann plagen Verletzungssorgen

Die Saison hatte sich auch beim VfL Bochum etwas anders entwickelt als gedacht - mit Andreas Bergmann als Funkel-Nachfolger überraschte der Klub erneut. Zum Einstand des 52-Jährigen, der 2009 für eine Halbserie Chefcoach von Hannover 96 war, gab es ein sattes 0:4 gegen Paderborn.

Siege folgten gegen Duisburg und in Ingolstadt, zuletzt eine Niederlage gegen Eintracht Frankfurt und ein Remis in Karlsruhe. Unter der Woche zog der VfL mit einem 4:1 bei Unterhaching ins Pokal-Achtelfinale ein.

An der Dortmunder Leihgabe Daniel Ginczek war im Sommer auch Alemannia interessiert, doch als der Stürmer erfuhr, dass Kollege Marco Stiepermann bereits am Tivoli unterzeichnet hatte, entschied er sich für Bochum. Den VfL plagen weiter Verletzungssorgen: Jüngste Ausfälle sind Paul Freier (Innenbandriss) und Kevin Vogt (Bänderriss).

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