Erst Papst-Besuch, dann „Pharisäer”-Treff

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
Mönchengladbachs Vize-Präsid
Mönchengladbachs Vize-Präsident Rainer Bonhof überreicht Papst Benedikt XVI. ein Borussen-Trikot mit dem Namenszug „Benedikt XVI”.

Mönchengladbach. Rainer Bonhof hat schon viele Trophäen in den Himmel gereckt und so manche berühmte Hand geschüttelt. Am Mittwoch aber war es eine, die ihm die Knie weich werden ließ. Der Vize-Präsident von Borussia Mönchengladbach wurde von Papst Benedikt XVI. empfangen.

„Anschließend musste ich mich erst einmal eine Stunde lang fassen”, schilderte der ansonsten so nüchterne und erdnahe Ex-Profi diese Begegnung der fast überirdischen Art. „Wenn man das ganze Leben davon geträumt hat - und dann steht er einem gegenüber, das geht schon unter die Haut.” Dem Papst überreichte er ein Gladbach-Trikot, aber sonst „hatte das mit Borussia wenig zu tun”. Mehr um die Organisation „Wir helfen Afrika”, für die sich der gläubige Katholik engagiert. Nicht auszuschließen aber ist, dass sich Bonhof von kompetenter Seite Anleitungen geholt hat, wie er denn am Samstag im Borussia-Park mit etlichen „Pharisäern” umgehen soll.

Trauen sich erst nach dem 28. Mai aus der Deckung


Auf die wird er unweigerlich treffen, wenn man die „Initiative Borussia” ernst nimmt. Deren Initiator Norbert Kox hatte behauptet, dass neben zahlreichen Sponsoren auch aktuelle Aufsichtsratsmitglieder gemeinsame Sache mit ihnen machen wollten - allerdings erst nach der Jahreshauptversammlung am 28. Mai, auf der per Satzungsänderung der Verein auf links gekrempelt werden soll. Die „sportliche” Variante dieser Spezies, die in den Löchern hockt, aber erst den Fuß auf den Borussen-Bären setzen will, wenn er tot ist, wurde durch Horst Köppel angekündigt: „Sportlich kompetente Leute”, die sich auch erst nach dem 28. Mai aus der Deckung trauen. Sollte es dann auch Berti Vogts sein, wären die Gesichter der „Initiative” vollends und auch buchstäblich eine Sammlung der zu kurz Gekommenen.

Rainer Bonhof wird sich am späten Samstagnachmittag also gründlich und mehrmals die Hände waschen müssen. Für diese unsakrale Handlung brauchte er den Rat des Papstes nicht. Und ob diese rituelle Reinigung ab 17.15 Uhr auch den Vergnügungs-Charakter des Sich-die-Hände-Reibens besitzt, liegt an der Vorstellung von Stranzl & Co. Lucien Favre zumindest besitzt vollstes Vertrauen in seine Schüler. Seine akribische Vorbereitung und Detail-Arbeit in den letzten Wochen zahlte sich zuletzt aus.

Borussia war weit entfernt davon, verunsichert aufzutreten, wie es häufig Abstiegskandidaten zu tun pflegen. „Wir wissen, was der Trainer von uns will”, lautet die kollektive Aussage, hinter der sich das Vertrauen verbirgt, Angst durch das Einstudierte zu ersticken. Die Anforderungen allerdings variieren in der Wundertüte Bundesliga. Und so warnt der Schweizer noch intensiver als üblich vor einem „schwierigen Spiel: Freiburg spielt mit einem 4-5-1, und da ist es sehr schwer, Lücken zu finden.”

Ein taktischer Anarchist

Eine Aufgabe auch für Mo Idrissou. Der Kameruner ist nicht nur ehemaliger Freiburger, sondern auch ein ganz besonderer Stürmer. Idrissou ist unberechenbar - für seine Mitspieler ebenso wie für den Gegner. Der Schlacks ist ein taktischer Anarchist, der Zuschauer, Trainer und Kollegen lange Zeit schier zu Verzweiflung bringen kann, um dann spielentscheidend zuzustoßen. Unorthodox und unangenehm im Zweikampf, oft aber auch im Stellungs- und Passspiel oder bei der Chancenverwertung. Für Favre muss es als Taktik-Freak eine Herausforderung sein, Idrissou auf einen kontrollierten Pfad zu bringen. Dazu reichte die Zeit noch nicht. Für das Spiel aber gegen den ehemaligen Arbeitgeber bleibt zumindest der Appell, sich emotional Zügel anzulegen. Denn in einer Hinsicht ist der Stürmer völlig berechenbar: Für große Sprüche ist er immer gut. Erst recht dann, wenn er sich etwa von den SC-Fans und Trainer Robin Dutt nicht korrekt behandelt gefühlt hat. Und so mahnt sein aktueller „Vorarbeiter”: „Er muss sich sehr konzen- trieren und seinen Job machen.”
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