Endlich: Alemannia verlässt die rote Zone

Von: Christoph Pauli
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Karlsruher SC - Alemannia Aachen
Die Aachener, v.l. Timo Achenbach, Aimen Demai, Tobias Feisthammel, Sergiu Radu und Benjamin Auer, bejubeln den Treffer zum 0:1 durch Radu. Foto: dpa

Karlsruhe. Meino Heyen wollte es schwarz auf weiß wissen. Alemannias Aufsichtsratsvorsitzender schnaubte erst erleichtert durch, als die Tabelle der 2. Liga endlich ausgedruckt war. Das Tableau weist Alemannia als 15. aus, seit Monaten verlässt die Mannschaft noch einmal die gefährlichste Zone der Liga. 2:0 gewann die Mannschaft beim Karlsruher SC.

Und viele Sätze begannen später mit „endlich”. Endlich war der Mannschaft einmal ein Coup gelungen. Der Sieg beim Tabellennachbarn war nicht sonderlich souverän - „In den letzten drei Auswärtsspielen waren wir besser”, urteilte der Trainer - aber das änderte nichts an der Bedeutung des Erfolgs.

„Das war ein Weckruf für alle Menschen, denen Alemannia am Herzen liegt”, ordnete Friedhelm Funkel ein. Zwei Heimspiele (gegen 1860 München und Aue) folgen nun, das Team hat sich verabredet, die verkorkste Hinrunde mit Siegen noch aufzuhübschen.

All die guten Vorsätze wären in Karlsruhe schon nach 150 Sekunden fast auf dem Kompost gelandet. Tobias Feisthammel spielte einen unfassbaren Rückpass auf seinen Torwart, den KSC-Stürmer Klemen Lavric mühelos abfing. Der Slowake machte die Großchance mit einer fehlerhaften Ballannahme zunichte, ließ sich abdrängen, so dass Boy Waterman den frühen Rückstand verhindern konnte. „Diese Dinge dürfen einfach nicht passieren”, bilanzierte Funkel auch nicht zum ersten Mal.

Aber mit dieser einen Eselei verbreitete sich die Unsicherheit bei den Gästen wie Tinte im Wasserglas. Die KSC-Führung lag schnell in der Luft, Aachen zog sich mutlos zurück. Sebastian Schiek schlug ein gullydeckelgroßes Luftloch im Fünfmeterraum (4.), dann vergab der Mittelfeldspieler volley vom Elfmeterpunkt aus, nachdem Olajengbesi in den Sekundenschlaf gefallen war (16.).

Alemannia spielte mit dem Feuer, kassierte viele Freistöße, die fast immer mit Gefahr verbunden waren, weil die Zuordnung eher flüchtig war. Waterman musste einen Kopfball von Dennis Kempe abwehren (21.), dann knallte Steffen Haas einen Rückpass am Tor vorbei (23.).

Dabei wäre es die erfolgversprechendere Idee gewesen, die Gastgeber unter Druck zu setzen. Schon bei ersten zaghaften Ausflügen führte die hölzerne KSC-Abwehr vor, zu welchen Kapriolen sie instande ist.
Alemannia arbeitete sich mit Verspätung in die Partie.

Die Zuversicht stieg, als KSC-Keeper Luis Robles einen Ecke von Timo Achenbach präzise vor die eigene Torlatte faustete (31.). Die Belohnung kam dann doch etwas unverhofft. Nach einer Hereingabe von Kim Falkenberg staubte Sergiu Radu zum 1:0 ab (36.). „Ich habe das gemacht, was zu machen war”, stellte er später fest. Sätze wie im Western. Es war sein dritter Treffer im dritten Spiel in Serie.

Karlsruhe führte vor, warum die Mannschaft soweit in den Süden der Tabelle abgedriftet ist. Die Mannschaft des neuen Trainer Jörn Andersen verlor die Ordnung, gewann keine zweiten Bälle mehr, lief der Musik hinterher.

Aachen hätte schnell den Stecker ziehen können, aber die Mannschaft schluderte mit ihren Möglichkeiten. Auer setzte einen Kopfball knapp neben das Tor (56.), Yabo traf nach einem Solo nur das Außennetz (61.). Die Partie blieb unnötig spannend.

Bei Aachens Keeper Boy Waterman war im Vorfeld die Frage offen, wie er seine pannenreiche Partie der Vorwoche verkraftet hatte. Für den Niederländer war das keine große Sache: „Ich bin Boy”, sagte er nach der Partie. In der entscheidenden Phase rettete er mit zwei prächtigen Paraden gegen Hoheneder (76.) und Fink (81.) die Führung.

Die nervenstrapazierende Schlussphase war eingeläutet. „Ich habe ab der 80. Minute ständig auf die Anzeigetafel geguckt”, räumte der starke Verteidiger Falkenberg später ein. Zu oft hat sich Alemannia in dieser Phase die Beute entreißen lassen.

Diesmal hatte die Geschichte ein Happyend. Nach einem Konter über den eingewechselten Odonkor staubte Benny Auer ab zum 2:0 (87.). „Endlich haben wir mal den Matchball verwandelt”, freute sich Erik Meijer. Der Manager wird fröhlich die Siegprämien anweisen. Endlich mal wieder.
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