„Einträchtige” Probleme auf Augenhöhe

Von: Bernd Schneiders
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Gemeinsamer Abflug? Zumindest für Michael Fink, der im Hinspiel für die Eintracht traf, steht fest, dass er in der neuen Saison für einen neuen Arbeitgeber spielt. Gladbachs Jung-Star Marko Marin (rechts) besitzt zumindest noch einen Vertrag bis 2010. Foto: imago/Sven Simon

Mönchengladbach. Es gibt Themen, über die referiert Hans Meyer gerne. Etwa vor dem Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt. Häufig sind es Dinge, die er aus eigener Erfahrung kennt, über die man aber leichter und ungefährdeter sprechen kann, wenn es sich halt um den Gegner handelt.

„In Frankfurt wurde unter Friedhelm Funkel und Heribert Bruchhagen in den letzte fünf bis sechs Jahren grundsolide gearbeitet”, lobt Borussia Mönchengladbachs Trainer. Um so mehr wundert er sich, über das „unruhige Publikum” und etliche „Experten”, denen es nicht reicht, dass man schon seit 2003 erfolgreich das Stigma einer Fahrstuhlmannschaft bekämpft hat.

Überzogene Erwartungen also, mit denen auch der 66-Jährige bei seinen Trainerstationen zu tun hatte. Nicht zuletzt auch in Mönchengladbach, wo so mancher - auch im inneren Zirkel - von mehr als dem Klassenerhalt träumte.

Solch Gemengelage ergibt sich besonders häufig bei sogenannten Traditionsvereinen, in denen man immer noch zu sehr der so erfolgreichen und gloriosen Vergangenheit verhaftet ist. Das ist in Frankfurt so und ist auch in Mönchengladbach nicht wesentlich anders: Der Ruhm ist nicht nur welk, sondern auch noch ein Bremsklotz für eine realistische Selbsteinschätzung.

„Hier wird ja noch geträumt, weil die Eintracht ja mal Meister war. Das war doch 1959. Ist ja erst 50 Jahre her”, ärgert sich aktuell Friedhelm Funkel. Gemeinsam mit seinem Vorstandsvorsitzenden versucht der Frankfurter Coach sich dem Druck zu entziehen, mehr zu machen als zu können. Michael Fink heißt der neue „Streit”-Fall.

Der Mittelfeldspieler hat seinen Vertragspoker beendet. „Ich habe für drei Jahre bei einem anderen Verein unterschrieben”, verkündete der 27-Jährige. Frankfurt wollte ihm nicht das geforderte Jahresgehalt von über einer Million Euro zahlen. „Sein Abgang ist ein großer Verlust für uns. Bei solchen Größenordnungen stoßen wir an unsere Grenzen. So lange wir Spieler wie Jermaine Jones, Albert Streit oder ihn nicht halten können, müssen wir kleine Brötchen backen”, erklärte Funkel.

Einträchtige Problem-Situation: Auch Borussia kann Spieler wie Marcell Jansen, Marko Marin und Alexander Baumjohann nicht halten. Auch Borussia muss tunlichst darauf achten, keinen Ausreißer im Gehaltsgefüge zu installieren. Ein Unterschied aber ist die Tabellenlage: Frankfurt liegt als Tabellenzwölfter sechs Punkte vor. Und anders als die Gäste können sie sich mit einem Sieg am Samstag endgültig vom Klassenkampf verabschieden.

Dennoch sieht Meyer einen Gegner „auf Augenhöhe”. „An bestimmten Tagen können wir sie schlagen, an anderen sie uns aber auch.” Das Problem für Gladbach: Diese bestimmten Tagen waren zuletzt rar gesät. Bei einem Abstand von sechs Punkten käme ein sogenanntes Sechs-Punkte-Spiel gerade recht. Auch wenn ein Sieg immer noch nur zu einer Halbierung der Distanz führen würde. Aber gerade mit den „Augenhöhe-Mannschaften” tut sich der Tabellen-16. gefährlich schwer.

Zudem muss die Meyer-Elf gerade erfahren, dass die Wertigkeit bestimmter Spieler erst messbar wird, wenn sie fehlen. Wie schon in Karlsruhe und gegen Wolfsburg wird Sturmtank Rob Friend fehlen. Und damit die zentrale Anspielstation, die es den Kollegen ermöglicht nachzurücken, weil der lange Kanadier den Ball auch gegen mehr als einen Gegenspieler behaupten kann.

Dafür gibt es aber Hoffnung, dass Borussias „halbe Probleme” (Meyer) sich auflösen. Paul Stalteri musste am Donnerstag passen. Den Landsmann von Friend plagte die Halswirbelsäule. Auch Roel Brouwers war nicht beim Training dabei. Den Niederländer handicapt eine Sprunggelenksverletzung. „Wir gehen davon aus, dass beide spielen können”, ist ihr Trainer optimistisch. Der Gegner in der Commerzbank Arena aber bleibt weiter ein ganzes Problem.
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