Mönchengladbach - Eine Titelprämie ist (noch) kein Thema

Eine Titelprämie ist (noch) kein Thema

Von: Heribert Förster
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Doppelt gedeckt stört besser:
Doppelt gedeckt stört besser: Mönchengladbachs Filip Daems (links) und Juan Arango harmonieren in diesem Spieljahr prächtig, was im Hinspiel auch Kaiserslauterns Kapitän Christian Tiffert zu spüren bekam.Fotoa: imago/Rene Schulz/Thomas Zimmermann

Mönchengladbach. „Zu früh”, sagt Filip Daems, und der Blick des Belgiers verrät bei diesen Worten ein leichtes Genervtsein - aber auch etwas Verständnis. „Ich weiß ja, dass das für euch Journalisten ein bisschen langweilig ist.”

Wer Fragen über die nächste Partie hinaus stellt, stößt bei Borussia Mönchengladbach auf Granit. Überall. Und nirgendwo bröckelt was. Weder im Präsidium, noch im Trainerstab, noch bei den Spielern. Sportdirektor Max Eberl hat offiziell das Denken von „Spiel zu Spiel” zur Philosophie des Fußball-Bundesligisten erkoren. Und da schert der Kapitän nicht aus. Nein, eine Prämie für die Meisterschaft haben die Mönchengladbacher Spaß- und Erfolgs-Fußballer (noch) nicht ausgehandelt. „Das ist zu früh, da reden wir nicht drüber.”

„Richtig reinbeißen”

Viel lieber über Kaiserslautern, den dortigen FC, halt über das Spiel heute ab 15.30 Uhr. „Da werden wir uns richtig reinbeißen müssen.” Nicht nur Daems, seit 2005 im Verein und damit dienstältester Borusse, erwartet einen ganz anderen Verlauf als bei der Begegnung gegen Schalke 04. Ein Kampfspiel wirds werden, aber auch in diesem „wollen wir versuchen, unsere Stärken auszuspielen”. Daems ist der letzte Profi des aktuellen Kaders, der noch von Manager Christian Hochstätter geholt wurde. Und derjenige, dem als einzigem Borussen vor dieser Saison vermeintlich ein Hochkaräter vor die Nase gesetzt wurde.

Oscar Wendt, erst 26 Jahre, aber schon erfahren in der Champions League. Schwedischer Nationalspieler, in Europa begehrt - aber chancenlos. Gegen den 33-jährigen Filip Daems, der seine beste Saison im Borussen-Trikot spielt, seit er von Genclerbirligi Ankara kam. „Konkurrenz ist immer da”, findet Daems, „warum hätte ich mir deshalb Sorgen machen sollen? Ich habe wie immer in der Vorbereitung alles gegeben.”

Seit einem Jahr, seit Lucien Favres Amtsantritt als Trainer, ist Daems aufgeblüht und auf seiner Position hinten links in der Viererkette unangefochten. Auch weil seit Favres Dienstbeginn sein Vordermann Juan Arango defensiv wesentlich besser arbeitet. „Natürlich ist es dann einfacher”, sagt der noch mit einem Vertrag bis Juni 2013 ausgestattete Daems. Den Gegner doppeln, die Passwege zustellen, Lücken schließen, „das funktioniert gut, da macht das Spielen viel mehr Spaß”.

Besonders gut harmonierte das erfahrende Duo beim Rückrundenauftakt gegen die Bayern, als der Belgier und der Venezolaner Arjen Robben den Ball stibitzten und so Wegbereiter des Treffers zum 2:0 waren. Ganz nüchtern sagt das Mitglied der Mannschaft mit der derzeit besten Defensive aller europäischen Top-Ligen: „Das haben wir gut gemacht, aber wir versuchen immer zu doppeln.”

Nur nicht abheben, ja keine Euphorie - es gibt schließlich immer etwas zu verbessern. „Auch bei der Videoanalyse nach dem Schalke-Spiel hat Lucien Favre Fehler aufzeigen können, der findet immer etwas.” Wird es jemals ein fehlerfreies Spiel aus Favres Sicht geben? „Nee”, sagt Daems, und mit diesen drei Buchstaben verrät er viel über seine Wertschätzung für den Fußball-Lehrer. „Ich hatte schon viele Trainer, aber noch nie so einen wie Lucien Favre, der wirklich auf jedes Detail achtet. Und damit macht er jeden Spieler besser, egal, wie alt du bist.” Bei dem Belgier, der eine Wohnung in Mönchengladbach hat, aber nach wie vor mit seiner Familie in seinem Heimatland lebt, hat Favre speziell die Körperhaltung im Visier, „wie man steht, Körpertäuschungen, immer so kleine Sachen”.

Der Schweiger...

Kleine Sachen, große Wirkung. Anfang November 2011, als die Erfolgsserie so richtig ins Rollen kam, sagte Daems noch: „Ich denke nicht, dass wir sagen können oder sollten, unser Ziel sei die Qualifikation für den Europapokal.” Und was sagt der Kapitän im Februar 2012? Erst einmal nichts, weil er sonst sagen müsste: Ich denke schon... Was Daems dann doch sagt: „Wir stehen zu recht da oben, und solange es möglich ist, wollen wir auch unter den ersten Vier bleiben. Und sollten wir es am Ende schaffen, lassen wir es natürlich nicht liegen.” Und bei der Prämie wird sich die Borussia dann auch nicht lumpen lassen.

Elf Elfmeter, elf Mal sicher verwandelt

Elf Mal trat Filip Daems bisher für die Borussia als Elfmeter-Schütze an, elf Mal durfte der Belgier jubeln wie auf dem Foto. „Nicht groß nachdenken”, sagt der Treffsichere, der keine „feste Ecke” hat, über sein „Ritual”. „Aber ich habe immer schon eine Idee, wohin ich schießen könnte, wenn ich mir den Ball hinlege.” Sein Blick geht auch immer zum Torwart, „ich schaue aus den Augenwinkeln, wie er sich verhält”. Aber ein Erfolgsgeheimnis gibt es nicht, sagt Daems, der nie Elfmeter trainiert. „Man muss nur einfach versuchen, ihn rein zu machen...”

Marco Reus fährt mit, aber Mike Hanke fällt aus

Drei Plätze im Bus wurden neu besetzt, als die Borussia in die Pfalz aufbrach: Neben Martin Stranzl (Kapselriss im Sprunggelenk) und Thorben Marx (Innenbanddehnung) musste auch Mike Hanke passen. Der beim 3:0-Erfolg gegen Schalke 04 zuletzt überragende Stürmer fällt wegen eines grippalen Infekts aus.

Zum Aufgebot gehört aber Marco Reus. Borussias Torjäger absolvierte das Abschlusstraining ohne Beschwerden an den Adduktoren. „Ich fühle mich gut und habe keine Schmerzen mehr. Daher gehe ich aktuell davon aus, dass ich auch spielen kann”, verkündete der 22-Jährige auf Borussias Homepage.

Trainer Lucien Favre nahm 19 Spieler mit nach Kaiserslautern, sollte Reus doch ausfallen. Erster Kandidat wäre dann der letzte verbliebene Stürmer im Aufgebot, Matthew Leckie. Aber auch Alexander Ring ist eine Alternative. Dann würde Patrick Herrmann nach vorne rücken.

Voraussichtliche Aufstellung: ter Stegen - Jant-schke, Brouwers, Dante, Daems - Nordtveit, Neustädter - Herrmann, Arango - Reus, de Camargo

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