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Ein Besuch von den Biotop-Fußballern

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Duell zum Zungeschnalzen: Marvin Compper (links) wird am Samstag ein sportliches Wiedersehen mit dem Borussia-Park und Gladbachs Torjäger Rob Friend feiern. Foto: imago/Harder

Mönchengladbach. „Über Taktik möchte ich nicht gerne reden.” Wenn man so eine Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen den Bundesliga-Tabellenführer einleitet, könnte Hans Meyer einiges zu verbergen haben. Wie zum Trost aber referierte Borussia Mönchengladbachs Trainer über den nächsten Gast, 1899 Hoffenheim.

Tenor: ein Weltwunder - im Fußball wohlgemerkt! Doch da der 66-Jährige vor allem Fußballer ist, fängt er auch erst einmal mit dem rein Sportlichen an. „Hoffenheim spielt so, wie ich gerne gespielt hätte.”

Der Konjunktiv ist überzogen bescheiden: Meyer hat, wenn er länger mit einer Mannschaft arbeiten konnte, was einst in Mönchengladbach und zuletzt in Nürnberg der Fall war, das nun am Gegner bewunderte selbst umsetzen können. Den Gegner früh stören, Aktiv-Fußball, viel Torchancen herausspielen, weit vom eigenen Tor wegstehen und vor allem, und das ist dann ein Verweis auf die momentane Situation seines aktuellen Arbeitgebers: „Die komplette Mannschaft arbeitet kollektiv gegen den Ball. Das machen sie besser als alle anderen.”

Das allerdings als Weltneuheit oder -wunder zu bezeichnen, davon ist der Borussen-Trainer meilenweit entfernt. Diesen Orden verleiht er dem zweiten Komplex des Gesamtkunstwerks Hoffenheim. „Hier ist eine Situation entstanden, die im Weltfußball einmalig ist.”

Trainer Ralf Rangnick sei mit Dietmar Hopp, dem SAP-Gründer, auf einen Mann gestoßen, der seine sozialen Aktivitäten auch im Fußball zeige und mit Rangnick auf einer Wellenlänge liege. Meyers Fazit: „Der Trainer arbeitet ohne Nervendruck.”

Kleines Gegenbeispiel zum kraichgauer Biotop gefällig?

„Mönchengladbach hätte in der 2. Liga 18, 19 Millionen Euro investieren dürfen. Um dann so schwächelnd zu starten, wie es geschehen ist - Jos Luhukay wäre schon nach vier Spieltagen weg gewesen.” In Hoffenheim aber sei das Geld nicht mit einer Situation verknüpft worden, die nach Ultimatum gerochen habe.

Konkret macht es Meyer an der Verpflichtung von Demba Ba. Den Stürmer hatte er auch einst zu Nürnberg holen wollen. Aber die drei Millionen hätte er nicht zur Verfügung gehabt. Und vor allem hätte Meyer seinem damaligen Präsidenten Volker A. Roth nicht die Garantie geben können, dass der Senegalese einschlägt. „Ralf Rangnick hat gut hingeschaut.”

Denn die zehn Spiele des Torjägers für Moeskroen waren nicht über Gebühr beeindruckend. Und weil die Parallelen offensichtlich sind, hätte Meyer auch seinem jetzigen Präsidenten, Rolf Königs, diesen Transfer nicht als Null-Risiko-Investition verkaufen können. Willkommen im wirklichen Fußball-Leben!

Neid schwingt nicht in der kleinsten Faser mit bei Meyers Weltwunder-Beschreibung. Wohl aber Respekt, Anerkennung und Interesse. Aber dies auch nicht ohne den Meyer üblichen Humor.

Erst das ehrliche Lob für den Kollegen: „Ralf Rangnick hat Visionen, besitzt eine phantastische Vorstellung von Fußball.” Und dann sein süffisanter Nachsatz: „Er soll seine Zeit genießen. Er wird merken, wenn er einmal in vielleicht 15 Jahren dort aufhört: Das wird er nie wieder erleben.”

Teil des Weltwunders ist auch ein ehemaliger Mönchengladbacher. Marvin Compper. Der pfeilschnelle Defensivspieler gilt in ungeneigten Kreisen als Synonym für Gladbacher Schlafmützigkeit. Nach dem Motto: der Prophet gilt nichts im eigenen Lande.

Doch Sportdirektor Max Eberl stellt klar: „Wir wollten ihn halten, hatten uns für die Winterpause verabredet, um über einen neuen Vertrag zu reden. Und dann hat er uns Anfang Januar plötzlich damit überrascht, schon in Hoffenheim unterschrieben zu haben.” Das Urteil des Ex-Profis: „Nicht die feine Art.”

Hans Meyer erinnert sich noch an Compper: „Den haben Christian Hochstätter und ich seinerzeit in einer Nacht-und-Nebel-Aktion vom VfB Stuttgart geholt. Er war schnell und hatte einen guten Schlag.” Bei den Profis aber war die Bürde, den zu den Bayern gewechselten Marcell Jansen als Linksverteidiger zu ersetzen, zu groß.

Nach „schwachen Vorstellungen in der Vorbereitung” (Max Eberl), verlor der Jüngling seinen Stammplatz. Und dann bewies sich die Vermutung von Hans Meyer: „Einige junge Spieler können sich an die Warteschleife nicht gewöhnen.”

Aber auch in Hoffenheim reüssierte Compper nicht als Außenverteidiger, sondern in der Defensiv-Zentrale. Die Entwicklung im Biotop: Die persönliche Aufwertung ist allerdings in den Augen von Hans Meyer nicht bei allen von der Hoffenheimer Idylle abhängig. „Fünf oder sechs von ihnen traue ich auch zu, es bei den Bayern zu schaffen.”
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