„Edel-Stinker” zu Gast

Von: Bernd Schneiders
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Standard-Spezialist mit Ladehe
Standard-Spezialist mit Ladehemmung: Borussias Juan Arango. Foto: : imago/Kolvenbach Foto: imago/Kolvenbach

Mönchengladbach. Im Boxsport gibt es den Begriff „Stinker”. Damit werden Gegner bezeichnet, die einen (fast) immer schlecht aussehen lassen, auch wenn man eigentlich besser ist. Borussia Mönchengladbach trifft am Samstag auf eine noch höher entwickelte, noch unangenehmere Form: Hannover 96.

Die Elf von Trainer Mirko Slomka hat sich seit der letzten Saison zum „Edel-Stinker” in der Ersten Liga hochgearbeitet. Keine Mannschaft kann einem das eigene Spiel so vermiesen und obendrein diese eher destruktive aber extrem organisierte Qualität in eine gewinnbringende Richtung lenken: Die 96er gelten auch als Umschalt-Weltmeister.

Zweibeinige Folterwerkzeuge

Ihre zweibeinigen Folterwerkzeuge heißen in der Offensive Mohammed Abdellaoue und Jan Schlaudraff, beide mit einem unglaublichen Durchzugsvermögen versehen und der Norweger mit marokkanischen Wurzeln obendrein mit einer extremen Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. In puncto Tempo stehen Gladbachs Marco Reus und Patrick Herrmann den beiden kaum nach. Bei der Chancenverwertung eher.

Auch die Teams sind von der Spielanlage her nicht unähnlich. Auch Gladbach hat unter Lucien Favre eine nur schwer zu knackende Defensiv-Struktur entwickelt. Allerdings ist der zerstörerische Ansatz der Borussia weniger ausgeprägt, das Entwicklungsziel des Schweizers ist mehr das Überlegenheitsspiel, die Dominanz, die sich in einer Mehrzahl an Ballbesitz und möglichst auch Torchancen ausdrücken soll. Genau darauf aber wartet Hannover, die in letzter Zeit nicht sonderlich unfallfreien Passstafetten der Favre-Elf sind ein gefundenes Fressen für Slomkas Balleroberungskollektiv. „Man braucht Tiefe, um eine Mannschaft zu berühren”, sagt der frankophone Lucien Favre. Und meint damit natürlich eine Berührung der unangenehmen, weil gewinnbringenden Art. Beim Pokalspiel in Heidenheim war die Tiefe eine Illusion - der Drittligist zog sich mit zehn Feldspielern Richtung eigenes Tor zurück. Doch Favre erinnert an das letzte Heimspiel. „Gegen Leverkusen haben wir das richtig gut gemacht.” Doch Hannover spielt nicht so weit und zum Teil naiv aufgerückt wie die Bayer-Profis an jenem Tag. Die Räume, auf die Schlaudraff & Co. lauern, bieten die Slomka-Schützlinge auf keinen Fall. „Intelligent spielen”, fordert Favre nicht nur für dieses Spiel. Und meint damit auch, „mit mehr Geduld zu agieren und das Risiko im richtigen Moment” zu nehmen.

Das beherrscht Borussia verständlicherweise noch nicht ideal. Zumal diese Lauer-Kombinationen einen Taktgeber erfordern, der Roman Neustädter noch nicht ist. Pause einlegen, Ruhe bewahren, den Rhythmus wechseln und nicht stereotyp und fast manisch versuchen, mit Barca-Kurzpassspiel sich bis vors gegnerische Tor durchzukombinieren: Das ist der Lehrstoff, den der Schweizer Fußballlehrer neben der technischen Weiterentwicklung seinen Schülern vermitteln muss. Den Anspruch, auch mal die Spielweise zu ändern, wenn es hakt, hält Sportdirektor Max Eberl für zu hoch. „Wir spielen unser System seit gerade mal einem dreiviertel Jahr, da kann man nicht erwarten, dass wir auch bereits auf ein anderes umschalten können.”

Nun bietet der Fußball zum Glück immer noch kleine Fluchten aus einer derart allgemeinen Malaise. Dazu bedarf es keines monatelangen Trainings. Sie sollten im Repertoire einer Fußballmannschaft zum Standard gehören - und heißen obendrein auch noch so: Standard-Situationen. Die Stärke beim ruhenden Ball ist derzeit allerdings nicht existent beim Tabellen-Siebten.

Auch hier hat sich eine Stereotype verfestigt: Juan Arango, eigentlich ein Ball-Virtuose und gefürchteter Distanzschütze, schießt den Freistoß entweder in die Mauer oder dem Torhüter läppisch in die Arme - standardisiert eben. Und das bei Kopfball-Experten wie Dante, Martin Stranzl und Roel Brouwers. Wie sagt Lucien Favre: „Wir sollten nicht nur auf Marco Reus schauen.”

Bobadilla sitzt erst einmal auf der Bank

Das Warten auf Igor de Camargo geht weiter. Immerhin aber ist mit Raul Bobadilla ein „echter” Stürmer wieder im Kader. Der Argentinier ist wieder im Mannschaftstraining und kommt gegen Hannover erst mal nur für die Reservebank infrage.

Marco Reus, der in Heidenheim mächtig einstecken musste, hat seine Blessuren auskuriert. Lucien Favres Experiment mit Martin Stranzl als Rechtsverteidiger dürfte auch ein einmaliges gewesen sein: Toni Jantschke wird wieder seinen Stammplatz einnehmen.

Auf der Sechs hat Favre die Wahl zwischen Thorben Marx und Havard Nordtveit. Ein großer Unterschied besteht selten.


Voraussichtliche Aufstellung: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dante, Daems - Nordtveit, Neustädter - Herrmann, Arango - Reus, Hanke
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