Mönchengladbach - Die zwei Gladbacher Realitäten

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Die zwei Gladbacher Realitäten

Von: Heribert Förster
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Die beste Chance von fünf Gla
Die beste Chance von fünf Gladbacher Möglichkeiten: Aber Igor de Camargo schiebt den Ball nicht nur am starken Freiburger Torhüter Oliver Baumann vorbei, sondern auch Zentimeter am Foto: imago/Sven Simon

Mönchengladbach. Lucien Favre ist bekennender Nicht-Leser von Meldungen und Geschichten über Borussia Mönchengladbach.

Zwar gilt grundsätzlich, Zeitungsleser wissen mehr, doch dem Schweizer Fußball-Trainer bleibt somit die Lektüre folgender Schlagzeilen erspart: „Die Fehlschuss-Fohlen”, „Gladbach sucht die Leichtigkeit”, „Weiterer Rückschlag für die Gladbacher” oder „Gladbach stolpert gegen den SC”. Und einmal heißt es auch: „Fohlen in der Realität gelandet”.

Ja, die Realität. Aber was heißt in Bezug auf Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach Realität? Zum einen gibt es die in der öffentlichen Wahrnehmung, die mehr eine Traumwelt ist.

Durch die vielen feinen Leistungen in den letzten Monaten ist der Anspruch an den Fast-Absteiger der vergangenen Saison gewaltig gestiegen, ein biederes 0:0 gegen richtig gut um den Klassenerhalt kämpfende Freiburger wird da ratzfatz als Niederlage gewertet. Schon wieder kein Sieg, schon wieder kein Tor, schon wieder nur ein Punkt.

In der Offensive hakt es derzeit

Die Borussia spielt nicht mehr so schnell und kombinationssicher wie noch vor einem Monat. Mike Hanke und Marco Reus suchen zudem ihre Treffsicherheit, kurz: in der Abteilung Offensive hakt es derzeit.

Neben den persönlichen Formschwächen einzelner Spieler haben auch die Gegner gehörigen Anteil an den Problemen. Egal, ob Hamburg, Nürnberg oder nun Freiburg: Aus Respekt vor der Gladbacher Leistungsstärke bevorzugten diese Teams eine sehr kompakte Spielweise, die den Borussen nicht behagt.

„Da müssen wir die Tiefe suchen und mehr Räume eröffnen”, lautet der Lösungsvorschlag von Abwehrspieler Martin Stranzl, „die Gegner haben sich mittlerweile sehr gut auf uns eingestellt.” Tony Jantschke, der die fünfte Gelbe Karte sah und in Leverkusen am kommenden Samstag fehlen wird, hakte das 0:0 indes schnell ab: „So ist das manchmal, das passiert schon mal.”

Und der Rechtsverteidiger zeigte Verständnis für vereinzelte Pfiffe. „Ich würde doch auch einen Sieg erwarten.” Doch der Tabellendritte kam zwar zu einigen guten Möglichkeiten gegen den Tabellensiebzehnten, aber Hanke (10.), der eingewechselte Debütant Alexander Ring (78.), Reus (85.) und Filip Daems (88.) gelang es nicht, den starken SC-Torwart Oliver Baumann zu überwinden.

Igor de Camargo schaffte es, doch er zielte auch Zentimeter am Tor vorbei (70.). So blieb die Null beiderseits stehen, mit ein bisschen Glück sogar auf Gladbacher Seite. Denn bei der einzig wirklich gefährlichen Situation der Gäste köpfte Jantschke den Ball, bedrängt von Jan Rosenthal, an die Latte des eigenen Tores (43.).

Dennoch darf man von einem Fortschritt schreiben, denn es gab (wenn auch nicht genug) wieder mehr Kombinationen, mehr Drang in die Spitze als zuletzt. Auch dank des Wechsels, den Favre („Ich kann ohne Probleme mit der Leistung leben”) vorgenommen hatte. Der erfahrene Oscar Wendt rückte für de Camargo in die Elf und übernahm die für ihn ungewohnte rechte Außenbahn, so dass Reus wieder in die vorderste Reihe rücken konnte. Der Schwede machte es ordentlich, nicht mehr und nicht weniger.

Es reichte nicht zum Sieg, aber es reichte, um auch nach 25 Spieltagen auf Platz 3 zu stehen, mit acht Punkten Vorsprung auf Platz 5. Auch das ist eine Realität in Mönchengladbach. Die Borussia hat sich eingerichtet in der Spitzengruppe, sogar nach drei sieglosen Spielen in Folge gehört sie noch zum Top-Trio der Liga.

Der Großteil des Publikums hat das genau realisiert, aufkommende Pfiffe wurden schnell mit lautstarken Gesängen gekontert, am Ende gab es aus der Nordkurve aufmunternden Applaus. Und den akustischen Hinweis: „Auswärtssieg, Auswärtssieg!” In Leverkusen werden die Mönchengladbacher wieder ein anderes Spiel spielen dürfen, man wird mehr Räume bekommen gegen eine selbst aktive Bayer-Mannschaft. Aber ganz egal wie diese Partie ausgehen wird, auch nach dem 26. Spieltag wird die Borussia klar auf Kurs Richtung Europa liegen. Eine Realität, von der vor neun Monaten niemand, aber wirklich niemand nur zu träumen gewagt hätte.
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