Hamburg - Die „graue Maus” zeigt ihre Zähne und beißt zu

Die „graue Maus” zeigt ihre Zähne und beißt zu

Von: Jörg Marwedel
Letzte Aktualisierung:
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Eine Maus jubelt, die Katze ist düpiert: Rob Friend feiert seinen Sieg-Treffer vor einem schockgeforenen Jerome Boateng. Foto: Getty

Hamburg. Die Sache mit der grauen Maus hatte Michael Frontzeck keine Ruhe gelassen. So war nämlich in einer Hamburger Zeitung das Team von Borussia Mönchengladbach angekündigt worden. „Respektlos”, fand der Trainer des bisherigen Tabellenfünfzehnten das.

Es gehe immerhin um einen Klub, der fünfmal Deutscher Meister war und noch immer für volle Stadien sorge. Die Titel lägen zwar, wie beim Hamburger SV, lange zurück. Aber der liebe Gott (der auch ein Fußballgott ist), gucke schon manchmal herunter und sorge dafür, dass das Glück mal wieder auf die richtige Seite falle. So hat das Frontzeck gesehen, und das Ergebnis hat dem Coach zumindest nicht widersprochen.

Die im Vorwege mit Zusätzen wie „destruktiv” oder „Betonmischer” angekündigten Gäste siegten trotz zweimaligen Rückstands mit 3:2. Es war die erste Bundesliga-Niederlage des HSV in dieser Saison. Wer die Gründe für diese HSV-Pleite suchte, landete außer beim Fußballgott und einer später immer schneidigeren Borussia bei einer Hamburger Elf, die sich nach den eigenen Toren offenbar zu sicher fühlte.

Und auch das Thema Betonmischer musste in Hamburg nach dem Spiel differenzierter betrachtet werden. Selbst der gebürtige Gladbacher Marcell Jansen hatte den Gegner defensiver erwartet, obwohl er mit seinem Freund aus der D-Jugend, dem Borussia-Kapitän Tobias Levels, regelmäßig telefoniert.

Zwar standen die beiden Viererketten der Gladbacher sehr nahe beieinander und ließen, wie von Labbadia befürchtet, wenig Raum für fließende Kombinationen. Doch immer wieder traute sich die Borussia nach vorn.

Mit „Confidence”, wie Rob Friend, der kanadische Torschütze zum 3:2 in der 82. Minute, erklärte. Mit Selbstvertrauen also, woher auch immer es kam nach zuletzt sechs sieglosen Spielen.

Rob Friend, der fünf Monate verletzte Torjäger, war dann auch mindestens eine so gute Geschichte wie die der anderen Torschützen. Wobei die Story des 20-jährigen Marco Reus, der einen Pass in die Spitze von Roberto Colautti mit einem gekonnten Heber über HSV-Keeper Rost (39.) abschloss und so die Führung von Piotr Trochowski (13.) ausglich, auch eine gute war.

Reus sah zuweilen aus wie ein Doppelgänger des Ex-Gladbachers Marko Marin. Oder die Novelle vom Abwehrchef Dante, der sich in der 76. Minute soweit nach vorn wagte wie es ein Betonmischer nie tun würde. Er brachte die Flanke von Juan Arango im HSV-Tor unter und glich den phantastischen Freistoß-Treffer von Z Roberto aus.

Friends Geschichte aber war die beste an diesem Tag. Hatte doch sein Berater gerade missmutig mitgeteilt, man werde sich nur noch bis Weihnachten anschauen, ob Frontzeck noch auf den Profi baue. Er habe die Antwort auf dem Platz gegeben, sagte Friend nur, der als echter Mittelstürmer nicht Frontzecks Idealbild von einem schnellen Angreifer entspricht.

In seiner Erleichterung über den Erfolg lobte der Trainer Friends „guten Charakter” und sah auch darüber hinweg, dass die ausgewechselten Colautti und Boubadilla dermaßen erbost waren, dass man am besten alle Getränkeflaschen in Sicherheit hätte bringen müssen, damit sie nicht durch die Arena flogen.

Trotzdem hat der Coach nicht vergessen, dass es nur eines von 34 Punktspielen war. „Es gibt keinen Grund, jetzt jubelnd durch Gladbach zu rennen”, sagte Frontzeck.

Bei den Hamburgern aber sorgte vor allem das Duo Jerome Boateng und Bruno Labbadia für Aufregung. Der Trainer hatte sich zu lange auf den Jung-Nationalspieler verlassen, obwohl sich dieser nach einem bösen und nicht ge-ahndeten Foul von Raul Bobadilla in der 60. Minute eine Fußprellung zugezogen hatte und, so Mitspieler Z Roberto, „nur noch auf einem Bein lief”.

Der Innenverteidiger hat laut Labbadia auch nach „mehrmaligem Nachfragen” betont, er könne weiterspielen. Aber Labbadia hätte sehen müssen, dass er nicht mehr konnte wie er wollte.

Dem „so enttäuschten” HSV-Kapitän David Jarolim fiel es, im Gegensatz zu Frontzeck, schwer, dieses Match als eines von 34 einzuordnen. „Wir hätten heute einen großen Schritt machen können”, sagte er. Den schaffte Gladbach.
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