Mönchengladbach - Die Borussia zaubert und verzaubert

Die Borussia zaubert und verzaubert

Von: Heribert Förster
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Das „weiße Ballett”: Inspir
Das „weiße Ballett”: Inspiriert von Brasiliens Jungstar Neymar durften die Borussen am Samstag gleich fünf Mal das neu einstudierte Tänzchen Foto: imago/Moritz Müller

Mönchengladbach. Es war eine feine Einzelleistung von Lucien Favre, doch schnell wurde dem Schweizer bewusst, dass er an diesem Tage keinen Erfolg haben würde mit allzu kritischen Analysen. „5:0, das ist zu viel, wir sollten nicht übertreiben”, wagte der Trainer noch zu sagen, und dass es vor dem 1:0 „nicht so einfach war. Viele unnötige Fouls” hatte Favre gesehen.

„Als Trainer muss ich ein Spiel analysieren, und es gibt viel zu korrigieren.” Doch dann lächelte der Trainer des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach, aus gutem Grund.

Denn gerade hatte seine Formation ein hinreißend gutes Spiel abgeliefert, den über 54.000 Zuschauern - mitunter waren sogar Gäste-Fans begeistert - einen unvergesslichen Fußball-Nachmittag beschert und Werder Bremen eine derbe Niederlage zugefügt. Mit 5:0 (3:0) hatte die Borussia am Ende gewonnen.

Und was die Mannschaft nach zehn holprigen Anfangsminuten auf den Rasen zauberte, war mit das Beste, was eine Mannschaft in dieser Saison geboten hat.

„Wir haben eben viele intelligente Spieler”, sagte Mike Hanke, der glücklichste Torjäger außer Dienst aller Zeiten. Hanke trifft nicht mehr, aber er legt - intelligent - auf, spielt und kombiniert in einer Art und Weise, die ihm nur wenige zugetraut hätten.

Intelligente Spieler hören auf ihren Trainer, und „der findet immer die richtigen Worte”. Sagt Roman Neustädter, der sich ein Extra-Lob Favres verdient hat. Denn der Mittelfeldspieler ließ sich - natürlich - nicht aus der Reserve locken.

Die Frage lautete, ob denn die Borussia nun eine Spitzenmannschaft sei. „Nein, wir haben nur gut gespielt”, befand Neustädter, bevor er noch schnell bodenhaftende Worte loswerden musste: „Wir wissen, wo wir herkommen, wir schauen nur von Spiel zu Spiel, wir bleiben immer auf dem Boden . . .”

Mike Hanke, der Glückliche, lehnte sich dagegen aus dem Fenster. „Wir sind eine Spitzenmannschaft”, sagte der Blondschopf, „wenn wir den Pokal und die Meisterschaft mal geholt haben, vorher nicht.” Das ist das Schöne in diesem Jahr in Mönchengladbach. Ob auf dem Rasen oder der Tribüne, kein Borusse lässt sich vorschnell auf Träumereien ein. Der späte, aber vielleicht größte Erfolg der schadlos überstandenen Relegation gegen Bochum.

Abgesehen von den zehn Anfangsminuten war Borussias Auftritt eine Demonstration der hohen Fußballkunst. Defensiv wurde derart gekonnt und geschickt durch kollektives Verschieben die Räume zugestellt, dass den Bremern nichts einfiel, nichts einfallen konnte.

Und offensiv kann man - und das ohne jede Übertreibung - die samstägliche Partie auf das Niveau der deutschen Nationalmannschaft beim 3:0 gegen die Niederlande heben.

„Wenn wir in Führung gehen, dann spielen wir uns oft in einen Rausch”, sagte Marco Reus, der diesmal gar dreifache Torschütze, der nach Patrick Herrmanns wegweisendem Kopfball zum 1:0 (16.) nach einem Super-Solo, nach einem Klasse-Konter und mit einem Abstauber (23., 38., 51.) seine Trefferquote in der Liga auf zehn Tore schraubte und bei seiner Auswechslung mit stehend vorgetragenen Ovationen geehrt wurde.

Favre, kein Freund des Personenkults, ließ die Chance nicht ungenutzt, auf die Bedeutung von Herrmanns Führungstor hinzuweisen, und dass auch Marco Reus noch viel lernen könne. „Er hat noch kein Tor mit dem Kopf erzielt”, sagte der Trainer trocken.

Das Kollektiv ohne jede Allüren ist der Star im Borussia-Park, der bebte, als Juan Arango mit seinem spektakulären Außenrist-Schuss noch das finale Tor erzielte (53.). Der Rest war Schaulaufen und Vorfreude auf das Derby am Freitag beim 1. FC Köln. Und bis dahin wird Favre nicht müde zu erklären, dass man auswärts nicht Favorit und der FC zu Hause sehr, sehr gefährlich sei.

Trotz aller Bodenhaftung und Bescheidenheit, auch Favre gab einen Hinweis auf die derzeitige Klasse seiner Mannschaft. Die erste Etappe seit seinem Engagement (Abwehr stärken) wurde schnell absolviert, Etappe 2 (mehr Chancen kreieren) lässt derzeit keine Wünsche offen.

Was denn noch fehle, was zu Etappe 3 gehöre, wurde Favre gefragt. Sein langes Nachdenken darf man so werten, dass auch der Trainer momentan sehr beeindruckt ist. Ihm fiel aber doch noch was ein: „Gewinnen, auch wenn du schlecht spielst.”
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