Kaiserslautern - Die Borussia feiert und trotzt allen Einflüssen

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Die Borussia feiert und trotzt allen Einflüssen

Von: Tobias Schächter
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Geburtstagsständchen auf dem
Geburtstagsständchen auf dem Betzenberg: Nach dem Treffer von Patrick Herrmann (Dritter von rechts) zum 1:0 gratulieren die Borussen Roman Neustädter zu seinem 24. Foto: imago/Sven Simon

Kaiserslautern. Der Fußballer Dante hat eine Frisur wie einst Jimmy Hendrix. Das schwarze Haupthaar ist dieser Tage als Imitat ziemlich angesagt unter Karnevalisten: Narren als Dante verkleidet sieht man derzeit an jeder Ecke der Republik. Das Original wurde am Samstag in Kaiserslautern gesichtet.

Unzählige Male übersprang er seine Gegenspieler beim Kopfballduell im Gladbacher Strafraum, sein Haar thronte sozusagen in der Defensive der Gladbacher über allen verzweifelten Angriffsversuchen des Gegners. Dass Borussia Mönchengladbach das 2:1 beim FCK - der erste Sieg in der Pfalz seit fast 17 Jahren - über die Zeit rettete, war auch ein Verdienst des großartigen Verteidigers.

Auch nach dem Spiel agierte Dante defensiv. Seinen Wechsel zu Bayern München, von dem eine Münchner Zeitung berichtet, als sei er bereits perfekt, wollte der Brasilianer nicht bestätigen. „Was ich im Sommer mache, interessiert mich jetzt nicht.” Doch nach Marco Reus (Dortmund) und Roman Neustädter (Schalke) verliert die Borussia vielleicht einen weiteren Erfolgsgaranten dieser Saison.

Borussias Sportdirektor Max Eberl sagt, er sei mit Dante und dessen Berater in „guten Gesprächen”, man wolle den 2013 auslaufenden Vertrag gerne verlängern. Doch Fakt ist, dass Dante für die festgeschriebene Summe von 4,6 Millionen Euro am Saisonende gehen kann.

Zwei große Ziele hat der 28-Jährige: Zum einen die Teilnahme an der Heim-WM 2014, zum anderen die Champions League. Das hat der Brasilianer nie verhehlt. Und natürlich sind diese Ziele auf Dauer bei einem Verein wie Bayern München besser zu verwirklichen als in Mönchengladbach - trotz dieser so großartig verlaufenen Saison. Den Münchnern, die in der Borussia wieder einen ernsthaften Konkurrenten im Titelrennen haben, dürften die Gerüchte jedenfalls gelegen kommen - Unruhe beim Kontrahenten ist nie schlecht . . . Dantes Sprecher Leonardo Scheinkmann dementierte gegenüber „Spiegel online”, dass eine Entscheidung gefallen sei, „die Berichte sind falsch”.

Noch zwölf Spiele sind zu spielen für den VfL, der nun erster Verfolger von Borussia Dortmund ist. Bleibt die Frage: Wie lange noch kann diese Mannschaft alle negativen Einflüsse so wegstecken, als gäbe es sie gar nicht?

In Kaiserslautern verletzte sich Patrick Herrmann bei einem Zusammenprall mit Florian Dick so schwer, dass er in Minute 38 ausgewechselt werden musste. Diagnose: Schlüsselbeinbruch. Pause: mindestens sechs Wochen. „Das ist bitter für ihn und für uns, er spielt bislang eine sehr gute Saison. Es wird nicht leicht für uns ohne ihn”, haderte Trainer Favre.

Herrmann, der am Sonntag erfolgreich operiert wurde, war der Schütze des ersten Treffers von drei traumhaften Toren. Nach einem Pass von Igor de Camargo sprintete er dem Lauterer Linksverteidiger Leon Jessen davon und verwandelte eiskalt zur Führung (9.). Da hatte die Familie des Saarländers auf der Tribüne noch fröhlich mitgejubelt wie fünf Minuten später, als Juan Arango eine herrliche Kombination über Reus und de Camargo spektakulär zum 2:0 nutzte. Der Techniker aus Venezuela schlenzte den Ball mit dem Außenrist ins lange Eck - wie nur große Könner es können. „Für ihn ist das normal”, schwärmte Roman Neustädter, der am Samstag 24 Jahre alt wurde und dem die Mitspieler nach dem Treffer zum 1:0 ein Ständchen darbrachten. Arangos Kunststück nötigte auch deshalb Respekt ab, weil der Rasen nach einigen Minuten Spielzeit im Zustand eines Kartoffelackers war.

Doch auch der FCK schoss ein Traumtor: Jessen jagte den Ball aus 22 Metern in den Winkel (63.). Die Gladbacher hielten dem Dauerdruck der Lauterer in Halbzeit 2 mit ein bisschen Glück und Dantes Kopfballstärke stand. Immerhin gewannen die Lauterer mit ihrem energischen Auftritt ihr zweifelndes Publikum zurück, doch ein zweites Tor für den FCK wollte nicht fallen. Roman Neustädter analysierte: „Wir haben ähnliche Spiele in dieser Saison nicht gewonnen. Deshalb kann man von einer positiven Entwicklung sprechen.” Vielleicht ist diese Zähigkeit im Verteidigen noch höher zu bewerten, als die großen Momente aus Halbzeit eins, die dieser Mannschaft derzeit ohnehin immer zuzutrauen sind.
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