Mönchengladbach - De Camargo bringt Favre ins Grübeln

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De Camargo bringt Favre ins Grübeln

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Bitte Platz nehmen: Gladbachs „entsperrtem” Stürmer Igor de Camargo droht heute in Wolfsburg erst einmal die Reservebank.

Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach hat vor einiger Zeit, bevor man sich aufs südamerikanische Eis begab, eine Fibel aufgelegt: Die Profis sollten die Möglichkeit erhalten, ihren neuen Klub, seine titelreiche Vergangenheit, aber auch seine Philosophie kennenzulerenen und möglichst auch verinnerlichen.

Bei der nächsten Auflage würde es sich lohnen, ein Mini-Kapitel anzuhängen: Wie verhalte ich mich bei einem Trainerwechsel? Kurze Antwort: Klappe halten und arbeiten! Natürlich wird der Tabellenletzte diese Erweiterung nicht umsetzen. Und zur Beseitigung diese unter Profis verbreiteten Unart, die Arbeit des Neuen zu loben, würde wohl ein Knigge nicht ausreichen: Die Benimmregel für Fußball-Profis müsste schon in die Spielerverträge einfließen und mit einer entsprechenden Geldstrafe bei Zuwiderhandlung versehen werden.

Oder haben etwa sechseinhalb Trainingseinheiten unter Lucien Favre, Schwerpunkt Taktik-Arbeit, aus Juan Arango einen lauf- und verteidigungsfreudigen Mannschaftsspieler gemacht? Diese Metamorphose war am Sonntag beim 2:1-Sieg über Schalke zu bewundern. Und der erste Heimsieg löste bei etlichen Borussen anschließend die Zunge ähnlich vehement, wie zuvor Favre die Blockade in den Köpfen seiner Zöglinge. Dabei muss man gar nicht so hoch greifen bei der Analyse dessen, was da wohl pasiert ist in der ersten Favre-Woche.

Der als Taktikfuchs geltende Schweizer hat keineswegs in einem Crashkurs aus Taktik-Legasthenikern Taktik-Intellektuelle gemacht. Auch wenn er während der vier Arbeitstage zwischen Heimerfolg und der Auswärtsaufgabe heute in Wolfsburg, weiterhin an „Details”, wie er es nennt, gefeilt hat: „Zwei Meter zu hoch, zwei Meter zu tief stehen”, gibt er als Beispiel an, welche Fehler er denn in der „freientaglosen” Woche noch ausmerzen musste.

Mehr laufen, zum richtigen Zeitpunkt laufen, gemeinsam - eben organisiert - laufen, aggressiv laufen, und das kombiniert mit einem guten Positionsspiel: So wird aus einer zaudernen Ansammlung von Fußballern eine konkurrenzfähige Einheit. Diese Aktiv-Haltung förderte den ersten Heimsieg nach zehnmonatiger Durststrecke. Doch aus Überzeugung und auch, weil die Tabellensituation keine andere Wahl lässt, will Favre diese handlungsorientierte Spielanlage nun exportieren: in die VW-Arena. „Wir müssen wie zu Hause spielen, da gibt es für mich keinen Unterschied”, fordert der 53-Jährige. „Das Risiko müssen wir nehmen.”

Mit dem Risiko leben heißt auch, weiterhin Tobias Levels auf der Rechtsverteidiger-Position zu lassen - in der Hoffnung, dass der Mönchengladbacher die Kurve bekommt, raus aus seiner Schaffenskrise. Große Alternativen besitzt Favre nicht, abgesehen von Toni Jantschke. Anders als im Sturm, wo Igor de Camargo als Rückkehrer den Borussen-Coach zum Grübeln bringt: „Das ist schwer für mich”, bekennt Favre. „Ich bin nicht ganz sicher, ob ich die Schalke-Elf ändern soll.”

Ob mit oder ohne den brasilianischen Belgier: „Wir wollen was holen!” Denn ein erster Sieg nach einem Sieg in dieser Saison würde seine Mannschaft entgültig zurück ins Land der Träume bringen. Aber Favre versteht sich auch auf die Defensive. In Sachen Dieter Hoeneß. Mit Wolfsburgs Manager hat er bereits bei Hertha BSC zusammengearbeitet. Und angeblich soll Favre schon im Büro des jetzigen „VW”-Managers gesessen haben, um das Amt des entlassen Steve McClaren zu übernehmen. Gescheitert sein soll es an der Vertragslaufzeit. „Ich habe Dieter Hoeneß mehrmals getroffen. Aber darüber will ich nicht mehr reden. Ich konzentriere mich nur aufs Spiel.” Favre ist halt ein Taktiker.

Voraussichtliche Aufstellung: Bailly - Levels, Stranzl, Dante, Daems - Hermanns, Neustädter, Nordtveit, Arango - Reus, Idrissou
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