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Das Warten auf den erlösenden Anruf

Von: Kai Griepenkerl
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Günter Breitzke 1991 als aufstrebender Dortmunder Profi. Foto: imago/Kicker

Aachen/Köln. „Früher war alles besser” sagen Menschen, die vor dem Jetzt kapitulieren. „Früher war alles besser” denkt sich Günter Breitzke fast jeden Morgen. Einst war er ein geachteter Mittelfeldspieler bei Borussia Dortmund.

Er war zweikampfstark, wendig und ideenreich: einer, den die Gegenspieler fürchten. Mittlerweile fürchtet er sich vor dem Leben, weil ihm die Ideen für das Leben nach der Karriere fehlten. Die Kreativität, die ihn auf dem Platz auszeichnete, brachte er im echten Leben nie auf.

Breitzke, der in der Saison 1997/98 für Alemannia Aachen in 25 Spielen drei Tore erzielte, ist gewiss kein schlechter Mensch, er ist einfach phlegmatisch. Es scheint, als warte der 43-Jährige bis heute auf den einen erlösenden Anruf, der ihn aus seinem grauen Alltag befreit. Dabei klingelt sein Telefon für gewöhnlich recht selten.

Wenn ihn jemand anruft, dann ist es meist einer seiner ehemaligen Weggefährten. „Ich habe nur Kontakt zu meinen Mitspielern”, sagt Breitzke. Sie laden ihn zu jedem Auftritt der BVB-Traditionsmannschaft ein und übernehmen die Fahrtkosten. Und Breitzke kommt. Immer. Drei Hallenturniere und rund 20 Freundschaftsspiele kommen so übers Jahr zusammen.

Das sind gute Tage für Breitzke. Schon auf den Bahnfahrten nach Dortmund ist ihm dann, als wäre er wieder wer. Wenn er seine Fußballtasche neben sich hat, fühlt er sich stark. Den Fußball beherrscht er, da macht ihm niemand was vor. Und wenn er an die vielen Zuschauer denkt, die seine Aktionen beklatschen, und die vielen Schulterklopfer, dann läuft ihm ein wohliger Schauer über den Rücken. „Gerade wenn es schön voll ist, ist das ein gutes Gefühl”, sagt Breitzke.

Dann kommen umso mehr Autogrammjäger. Was die mit seiner Unterschrift wollen, weiß Breitzke nicht so ganz genau, aber er spürt, dass es etwas mit Respekt und Anerkennung zu tun haben muss. In solchen Momenten hellt sich sein Gesicht auf, und sein Haupt senkt er nur, wenn der Schweiß von seiner Stirn perlt.

Wenn er wieder daheim in seiner Zwei-Zimmer-Wohnung in Köln-Stammheim ist, gibt es nichts zu schwitzen. Breitzke ist arbeitslos, und das seit dem Ende der aktiven Karriere 1999. Lange Zeit lebte er bei seinen Eltern im alten Kinderzimmer, insofern hat er sich mit der aktuellen Bleibe schon verbessert. Doch an seinem grauen Alltag ändert das nichts. Breitzke sitzt den ganzen Tag vor dem Fernseher. „Was soll ich auch sonst machen?”, fragt er.

Noch als Amateurspieler beim SC Brück brach er eine Lehre als Maler und Lackierer ab, um sich ganz auf den Fußball konzentrieren zu können. Und als es dann tatsächlich mit der Bundesliga-Karriere klappte, fuhr er teure Autos, trug teure Klamotten und verzockte sein Geld auf der Pferderennbahn. Die Kohle ist schon lange weg.

Er weiß, dass er sich sein momentanes Leben selbst zuzuschreiben hat, und doch hadert er mit dem Schicksal. „Ich bin einmal gewechselt, und das war mein Untergang”, sagt der gebürtige Kölner. Er meint den Transfer vom BVB zu Fortuna Düsseldorf 1992: „Da sind wir abgestiegen, und dann war Ende. Wenn ich in Dortmund geblieben wäre, wäre es weiter gegangen. Dann hätte ich es geschafft.” Geschafft, irgendeinen Posten bei den Schwarz-Gelben zu ergattern. Am liebsten wäre er Trainer geworden, doch einen Trainerschein hat er nie gemacht.

Den Traum von der Arbeitsstelle bei der Borussia hat er aber auch nach all den Jahren noch nicht aufgegeben. „Wir arbeiten daran, dass es mit einem Job klappt”, sagt Breitzke. Was das für einer ist? „Das schauen wir gerade.” Und wann eine Entscheidung fällt? „Einen konkreten Termin gibt es noch nicht.” Breitzke wartet weiter, auf den Anruf, der ihn aus dem Klischeeleben eines Hartz-IV-Empfängers befreit.
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