„Das größte Rädchen ist Vertrauen”

Von: Bernd Schneiders
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Stopperqualitäten - der verbotenen Art: Innenverteidger Roel Brouwers bringt Jan-Klaas Huntelaar zu Fall und sieht Rot. Foto: imago/Team2

Gelsenkirchen. Da war doch was? Diese Frage werden sich 61673 Zuschauer in der Arena auf Schalke gefragt haben - schon nach wenigen Minuten. War da nicht der perfekte Aufbau-Gegner, die als Schießbude der Liga verspottete Mannschaft, die sie ja nicht mehr sein soll, zu Gast?

Der Traum-Partner für Schalke, um nach dem ersten Saisonsieg in Freiburg gleich noch den nächsten Dreier folgen zu lassen und nebenbei noch was fürs Torverhältnis zu tun?

Stattdessen trumpften die Mönchengladbacher beim 2:2 speziell in der ersten Halbzeit so auf, als hätten sie in den Tagen zwischen der jüngsten 1:2-Heimpleite gegen St. Pauli und dem Anstoß im Schalker Fußball-Tempel kollektiv ihre alten Stärken eingehaucht bekommen. Auch wenn der eingewechselte Sebastian Schachten als 65-minütiger Bank-Augenzeuge einschränkte: „Dass wir in unserer Situation nicht Fußball zelebrieren, müsste jedem klar sein.”

Keine Stunde für Selbstdarsteller

Es sind solche Momente, in denen die Trainer so gerne gefragt werden, was sie denn so angestellt haben mit der Ansammlung von Schlotter-Knien. Die Stunde auch der Selbstdarsteller also. Michael Frontzeck ist keiner. An welchen Rädchen er denn gedreht habe, wurde der dröge Rheinländer gefragt. „Es gibt genug Trainer die sagen, was sie alles so gemacht haben”, blockte Frontzeck ab. Und lieferte gleich noch eine Interpretationshilfe für Langsam- oder Garnicht-Versteher nach: „Ich haben keinen Zauberstab.”

Kein Wort als von intensiven Gesprächen und einer Wunderheilung im Kurztrainingslager in den Niederlanden, kein Gegockel über wunderbare Taktik- und Trainingsarbeit. Nur ganz zum Schluss, wohl unter dem Eindruck, mit der Verbal-Defensive es denn dann doch nicht ganz so catenaccio-mäßig verfahren zu sollen, warf er dem (wissbe)gierig lauernden Journalistenrudel noch einen Brocken hin: „Das größte Rädchen ist Vertrauen.”

Die Bastelarbeiten an der als „Trümmertruppe” diskreditierten Profi-Schar wurden natürlich auch unterstützt von fußballerischen Gegebenheiten. Schalke tritt nach Magaths jüngsten Umbauarbeiten mit zwei echten Stürmern auf. Das liegt der Gladbacher defensive mehr, als die taktisch anspruchsvollere Ein-Mann-Spitze mit einem Schatten-Stürmer drumherum oder der Überbevölkerung im Mittelfeld. Und so ließen Brouwers & Co. bis zur Pause - relativ - wenig zu. Lediglich Jan-Klaas Huntelaar bewies (34./37.), dass Magath mit ihm zumindest einen Klasse-Transfer gelungen ist.

An dem hatten auf Gladbacher Seite viele schon gezweifelt in der Personalie Raul Bobadilla. Doch der argentinische Stürmer bewies, dass er die Qualitäten auch abrufen kann, die Borussias Scouts in ihm erkannt hatten. Ausdruck dieser ungewöhnlichen Mischung aus Körperkraft und Fußballtechnik war seine Vorarbeit zur Führung: Bobadilla wühlte sich an der Torauslinie durch, Schalkes Aushilfsrechtsverteidiger Benedikt Höwedes konnte ihn nur per Foul stoppen. Filip Daems verwandelte den Strafstoß kaltblütig zum 1:0 (15.).

Eberls Verwunderung

Ein guter Anlass für Max Eberl, nach der Partie sich öffentlich darüber zu wundern, „dass über die Qualität des Kaders gesprochen wurde”. Die gute Leistung des Dante-Ersatzes Bamba Anderson in der Innenverteidigung und auch die Vielseitigkeit des eingewechselten Sebastian Schachten lieferten Borussias Sportdirektor die Munition für die Replik. Schachten spielte erst rechts im Mittelfeld, wechselte nach der Roten Karte für Roel Brouwers links in die Viererkette, da Daems für den Niederländer nach innen rücken musste.

Bis dahin schien Gladbach noch auf der Siegerstraße. Zwar war der 2:0-Vorsprung durch einen lehrbuchhaft vorgetragenen und abgeschlossenen (Michael Bradley/43.) Konter durch Huntelaar früh in Halbzeit 2 (52.) geschmolzen. Doch Gladbach schien selbst in Unterzahl - Brouwers stoppte Huntelaar mit einem groben Foul (78.) - mit Glück und Können dem Druck auf das Tor des erneut sehr zwiespältig auftretenden Logan Bailly standhalten zu können.

Doch das Drehbuch sah kein Happyend, aber auch keine Tragikomödie für die Gäste vor. Thorben Marx lieferte Super Star Raul unfreiwillig den tödlichen Pass in die Tiefe. Der Spanier glich zum 2:2 aus (87.). Zu den Ereignissen der letzten Wochen hätte noch als Tüpfelchen ein Eigentor zum 3:2 für die Schalker gepasst. Doch diese Pointe wurde der Rehabilitations-Elf erspart. Und so konnte Marx am Ende eines befriedigt feststellen: „Wir sind wieder in der Spur.”
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