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„Das Ergebnis ist eigentlich ein Witz”

Von: Bernd Schneiders
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DIe Großchance: Raul Bobadilla trifft nicht ins Schwarze, sondern nur ans Außennetz - zur Freude des Mainzer Keepers Heinz Müller. Foto: ddp

Mainz. Der Vorwurf an einen Verlierer kann immer sein: „Du hast nicht gewonnen!” Michael Frontzeck muss eine Variante der unangenehmeren Art wählen, wenn er seine Mannschaft „ehrlich” anspricht: „Ihr musstet gewinnen!”

Borussia Mönchengladbach lieferte mit dem 0:1 beim FSV Mainz ein Musterbeispiel einer unnötigen Niederlage ab.

Spielerisch besser, mehr Torchancen, doch die Möglichkeit, sich endgültig im gesicherten Mittelfeld zu etablieren wurde - ja wie? - , aber auf jeden Fall vergeben. Leichtfertig etwa? Dumm? Oder mit einem gerüttelt Maß an Pech? Oder ist die junge Mannschaft von Michael Frontzeck etwa noch nicht so weit, wie es ihre Spielweise mitunter vermuten lässt? Ist sie ein Opfer ihrer (zu) viel versprechenden Anlagen?

Für Frontzeck ist die Sache klar: „Ich kann keinem einen Vorwurf machen.” Also Raul Bobadilla nicht, der drei große Möglichkeiten (4., 15., 42.,) nicht nutzen konnte. „Raul wird nicht immer einen Tag wie gegen Bremen haben. Er ist noch jung”, entschuldigt Frontzeck den Argentinier. Also auch kein Vorwurf für dessen Mitspieler, durch Unkonzentriertheiten oder Läppigkeiten (Colautti) aus Beinah- keine zusätzlichen dicken Chancen gemacht zu haben? „Die Einstellung hat absolut gestimmt. Wir waren auf ein aggressives Spiel vorbereitet und wussten, dass wir hier nicht alles nur spielerisch lösen können.”

Seine Generalabsolution gilt auch für das Gegentor kurz vor der Pause. „Was soll man machen, wenn der Ball verspringt...” Ironischer Weise für Mönchengladbachs Besten, Marco Reus, der nach zähem Start zum auffälligsten Spieler auf dem Platz wurde.

Doch als nach einem Eckball Roel Brouwers ein Kopfball-Duell mit Mainz Leih-Verteidiger Malik Fatih verlor und der Ball von Torhüter Logan Bailly gerade noch an die Latte gekratzt wurde, misslang Reus der Rettungsschlag vor der Linie spektakulär: Der Ball kullerte einladend vor die Füße von Bo Svensson, der ehemalige Borusse traf zum Tor des Tages (44.).

„Ich habe den Ball nicht richtig getroffen”, erklärte Borussias Spieler der Hinrunde, der ansonsten auch seine Defensivarbeit hervorragend bewältigte.

Wohl auch deshalb hatte sein Abwehrchef noch auf dem Platz ein verbales Trostpflaster für den 20-Jährigen übrig. „Es tat gut, dass Dante mich getröstet hat.”

Die übrige Mannschaft und auch der Trainer schlossen sich in der Halbzeitpause an. Mit dabei auch Roberto Colautti, der die Geschehnisse auch nach dem Schlusspfiff fast philosophisch nahm. „Mal geht der Ball rein, mal nicht!”

Diese lakonische Grundhaltung wurde zumindest ansatzweise von Max Eberl aufgebrochen. Zwar konstatierte und goutierte auch Borussia Sportdirektor eine „Überlegenheit in allen Bereichen”. Und mäkelte darüber, dass Fußball nicht immer gerecht sei. Doch zuviel Weichspüler wollte er der Analyse dann doch nicht zusetzen. „Wir müssen uns auch an die eigene Nase fassen: Wir hatten genug Torchancen.”

Nicht genutzte Chancen und auch Gegentore haben Vorgeschichten. Und pikanterweise war der womöglich übersehene Hauptdarsteller in der Entwicklung zum 0:1 Juan Arango, Borussias Gegenentwurf zum Unglücksraben Reus.

Der Venezolaner bestätigte seine Defensiv-Defizite, als er einen durchbrechenden Mainzer nicht stoppte - taktisches Foul heißt das im Fußballjargon - und ermöglichte damit erst den Eckball.

Doch auch den mitunter lethargischen Südamerikaner mochte Frontzeck nicht kritisieren: „Eckbälle kommen immer wieder vor. Fußball ist ein Fehlerspiel.” Mit Opfern und deren gequältem Lachen. Wie bei Frontzeck: „Eigentlich ist das Ergebnis vom Spielverlauf her ein Witz.”
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