Mönchengladbach - Brouwers trifft und träumt von Oranje

Brouwers trifft und träumt von Oranje

Von: Bernd Schneiders
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Flüstert Marco Reus (links) Borussias Top-Torjäger Roel Brouwers etwa schon viel Glück für die WM ins Ohr? Wohl eher dankt er dem Niederländer für dessen bereits siebten Saisontreffer. Foto: imago/Team 2

Mönchengladbach. „Ruuuuuuuud” schallt es aus der HSV-Kurve, wenn Hamburgs spektakulärer Neuzugang an den Ball kommt. Das war im Borussia Park eher selten der Fall. „Rooooel” hatte was dagegen: Mönchengladbachs Innenverteidiger Roel Brouwers beherrschte nicht nur seinen berühmten Landsmann. Sein Tor zum 1:0-Sieg bedeutet den fast sicheren Klassenerhalt.

Mit zehn Punkten Vorsprung vor dem Relegationsplatz kann der Tabellenzwölfte sechs Spieltage vor Saisonschluss für die neue Spielzeit planen. Vor zwei Jahren erlebte Roel Brouwers die EM noch hautnah als Oranje-Fan - mit Kumpeln zusammen zeltete er in Österreich.

Dieses Jahr winkt ihm eine komfortablere Unterkunft: das WM-Mannschaftsquartier der niederländischen Nationalmannschaft in Südafrika. Bondscoach Bert van Marwijk war Augenzeuge im Borussia Park, wie sich der lange Limburger zum besten Mann auf dem Platz aufschwang. Der ehemalige BVB-Trainer sucht noch Ersatz für den verletzten Stammverteidiger André Ooijer.

Mit Brouwers bekäme er einen Abwehrrecken mit Torriecher: Wie etwa in der 43. Minute: Der Borussen-Verteidiger nutzte die Verwirrung in der HSV-Abwehr, als David Rozenahl einen Freistoß von Arango in den Rücken Aogos köpfte. Den Abpraller verwandelte Brouwers kaltblütig wie ein Torjäger, der er in der Tat für Mönchengladbach ist: Das goldene Tor (43.) war bereits sein siebter Saisontreffer. „Er steht immer zur rechten Zeit am rechten Ort”, staunte auch sein Team-Kollege Filip Daems.

Das bekam auch Ruud van Nistelrooy zu spüren. Beim Tor kam er mit seiner Grätsche zu spät, und auch in der Offensive bekam der Weltklasse-Stürmer gegen den in seiner Heimat weitgehend unbekannten Brouwers keinen Stich. Nach 63 Minuten wurde van Nistelrooy ausgewechselt, doch Paolo Guerrero erging es bei seinem Comeback nicht viel besser. „Roel spielt eine überragende Saison. Als ich gekommen bin, stand er in der Kritik”, erinnerte Michael Frontzeck an die wundersame Wandlung des bescheidenen Niederländers vom idealen Zweitligaspieler zu einer tragenden Säule im Erstligateam.

Als Höhepunkt demnächst die WM-Teilnahme: „Das wäre ein Traum”, gestand Brouwers. Aber Mönchengladbachs Trainer hieße nicht Michael Frontzeck, wenn er aufkommenden Personenkult nicht gleich im Keim zu ersticken versuchte. „Van Marwijk war sicher nicht nur wegen Roel hier. Aber gemeinsam mit Dante hat er gut gearbeitet. Doch das waren nicht die beiden alleine. Die ganze Mannschaft ist mit Herz und Leidenschaft gegen eine spielerisch starke Mannschaft wie den HSV ans Limit gegangen.”

Der Schlüssel zum Erfolg aber lag für den Gladbach-Coach in höheren Regionen: „Im Kopf. Wir sind noch nicht soweit, dass wir gegen Mannschaften wie den HSV die ganze Zeit Fußball spielen können.” Das bescherte den Sieg, den 52269 Zuschauern nach einer turbulenten Anfangsphase mit Chancen durch Karim Matmour, Arango (beide 2.) und Rob Friend (9.) feierten. Nach einer Partie, das durch viele Unzulänglichkeiten im Aufbauspiel arg zerrissen war.

Gladbach, mit Tony Jantschke für den erkrankten Tobias Levels (Magen-Darm-Infekt), machte die Räume eng, kam kaum einmal in ernsthafte Gefahr. Begünstigt durch die Bewegungsarmut des HSV, die nicht nur Klub-Chef Bernd Hoffmann konstatierte. Mit etwas größerer Konzentration bei den Kontern hätten die Gladbacher die kämpferischen Defizite der Norddeutschen wesentlich besser ausnutzen können. Aber das Primat des kopfgesteuerten Arbeitens reichte, um den frühzeitigen Klassenerhalt zu sichern. „Rein rechnerisch sind wir noch nicht durch”, befand zwar Thorben Marx. „Aber wenn wir uns das noch nehmen lassen, brauchen wir nie wieder Fußball zu spielen.”
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