Borussias trauriger Zugang Luuk de Jong und die Entschuldigung...

Von: Bernd Schneiders
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Nachdenklich: Borussias neuer
Nachdenklich: Borussias neuer Stürmer Luuk de Jong. Foto: Johannes Kruck

Mönchengladbach. Die Szene ist bezeichnend: Luuk de Jong stapft nach dem Training die Treppen hoch zum Parkplatz am Borussia Park, da klopft ihm ein Ordner auf die Schulter: „Kopf hoch!” Der vermeintliche Heilsbringer und Torgarant ist bereits vor dem ersten Anpfiff in der Bundesliga zum Stürmer von der traurigen Gestalt mutiert.

Unglückliche Szenen in Aachen beim Pokalspiel, trotz eines Assists, ein tragischer Abend in der Champions-League-Qualifikation gegen Dynamo Kiew, der ein Eigentor des 21-Jährigen als zynische Pointe feilbot -, und schon erweckt der ehemalige Twente-Star mehr Mitleid als Hoffnung. „Ich mache mir keine Sorgen um ihn”, bekannte Lucien Favre tapfer.

Muss man auch wohl besser so annehmen, denn wie sonst hätte er dem Neuling zu seinen normalen Anpassungsproblemen und dem Druck der Transfersumme von zwölf Millionen Euro auch noch die Sturm-Diskussion aufbürden können? Doch wohl nur, wenn man zu 150 Prozent von seiner Qualität, auch was den mentalen Bereich angeht, überzeugt ist.

Womöglich aber hat de Jong, der so angenehm natürlich und bescheiden daherkommt, bereits am Morgen danach, Mittwoch also, an die Türe zur Trainerkabine geklopft. Und sich entschuldigt dafür, dass er nicht auch noch schnell ist . . .

Jeder Trainer träumt wohl davon, wenn er einen Spieler von der Güteklasse eines Marco Reus verliert, ihn 1:1 ersetzt zu bekommen. Das wäre schön und einfach. Aber so ist auch das Fußball-Leben nicht.

Luuk de Jong ist nicht die eierlegende Wollmilchsau. Wenn er das wäre, wenn er also auch noch Sprinter-Qualitäten besäße, wäre sein Preis oberhalb der 20 Millionen Euro angesiedelt und auch ein etwas neureicher Verein wie Borussia Mönchengladbach nicht mehr in der Tombola der Kauf-Kandidaten gewesen.

Der Schlaks aus den Niederlanden ist Opfer: Es ist nicht sein Fehler, dass er wegen einer Mandeloperation einen großen Teil der Vorbereitung verpasst hat, und noch nicht hundertprozentig fit ist. Es ist normal, dass man sich - bei allem Talent und bewiesener Torjägerqualität - erst mal an die neue Umgebung, die neue Mannschaft und die neue Art Fußball zu spielen, gewöhnen muss.

Es ist auch nicht de Jongs Schuld, dass der Termin-Kalender bereits vor dem Bundesliga-Start zwei Entscheidungsspiele, eins davon in historischer Dimension, parat hat, in der eine neu zusammengestellte Mannschaft eigentlich in Top-Form sein sollte, es aber nicht sein kann.

De Jong ist und spielt anders als Reus, und wenn man sich für ihn entscheidet, müssen sich der Trainer und die Mannschaft darauf einstellen. Und ihn stark machen. „Ich brauche noch Zeit”, forderte Lucien Favre für seine selbst definierte Aufgabe, die richtige Mischung im Sturm zu finden.

Luuk de Jong braucht auch noch Zeit, aber bekommt sie nicht. Denn er hat zwölf Millionen Euro gekostet, Marco Reus nur 800 000. Und der Neu-Dortmunder wurde erst in Mönchengladbach dazu entwickelt, was ihn in der letzten Saison zum Fußballer des Jahres machte. Auch de Jong ist ein Entwicklungsprojekt, wie auch die gesamte Mönchengladbacher Mannschaft. Und vielleicht ist ja auch Lucien Favre noch entwicklungsfähig . . .

„Der Stachel sitzt noch tief, aber der Schock ist überwunden. Ich erwarte eine Reaktion, Aggressivität und Einsatz. Ich bin nach wie vor von meiner Mannschaft überzeugt.” Sagt Markus Babbel, und lassen die Hoffenheimer Spieler den Worten ihres Trainers auch nur annähernd Taten folgen, wird man sich fragen: Wie konnte diese Mannschaft nur im Pokal beim viertklassigen Berliner AK mit 4:0 regelrecht verprügelt werden? Änderungen in der Startelf als Konsequenz aus der Schlappe ließ Babbel offen.

Ob, und wenn ja, welche Konsequenz Mönchengladbachs Trainer Lucien Favre nach dem 1:3 gegen Kiew zieht, diese Frage wird der Schweizer erst heute beantworten. Denkbar ist, dass Mike Hanke für Igor de Camargo beginnt.

Gar nicht schön ist die Bilanz der Borussia gegen Hoffenheim, in den vier Bundesliga-Jahren seit dem gemeinsamen Aufstieg 2008 feierte Hoffenheim in den acht Spielen schon fünf Siege und kassierte nur eine Niederlage.

Voraussichtliche Aufstellung: ter Stegen - Jantsch- ke, Stranzl, Dominguez, Daems - Nordtveit, Xhaka - Herrmann (Ring), Arango - Hanke, de Jong

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