Mönchengladbach - Borussias erschreckender Stotterstart

Borussias erschreckender Stotterstart

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Zerrbild: So nah wie Dante (links) und Thorben Marx beim Kopfballduell mit Ilkay Gündogan kamen die Gladbacher zumindest zu Anfang der Partie den Nürnbergern nur Foto: Kruck

Mönchengladbach. Es gibt viele Menschen, die keine Ahnung von Fußball haben. Die konnten froh sein am Samstagnachmittag im Borussia-Park. Anders als diejenigen unter den 42202, die eine Ahnung hatten - eine böse: Die Nordkurve präsentierte eine prächtige Choreographie über der Unterschrift: „So ist es schon seit Opas Zeit - schwarz-weiß bis in die Ewigkeit”.

Beim Entrollen des riesigen Spruchbanners klemmte es beim „bis” arg lang. Und diejenigen, die an Vorzeichen glauben, werden wenig später noch weniger überrascht gewesen sein: Auch bei den aktuellen Objekten dieser traditionellen Zuneigung klemmte es gewaltig. Borussia Mönchengladbach tat sich beim 1:1 gegen den 1. FC Nürnberg beinah eine halbe Stunde lang überraschend bis erschreckend schwer.

Man muss nicht überkritisch sein, wie so mancher professioneller Beobachter des Spiels, der „keine Entwicklung” entdecken mochte. Das Erstlingswerk in einer Bundesligasaison lässt sich nicht immer mit leichter Hand zeichnen. Doch die Probleme einer eigentlich eingespielten Mannschaft, die in Person von Mo Iddrissou lediglich mit einem Neuzugang antrat, können schon Sorgen bereiten. Der Gegner hieß Nürnberg, nicht Bayern.

Der Verein also, der sich in letzter Sekunde per Relegation zurück durch die Erstliga-Tür gequetscht hat. Und die Elf von Dieter Hecking besaß die Chuzpe, auf gegnerischem Terrain extrem hoch zu stehen. Das machte sie - wie inzwischen allseits beliebt - mit nur einer Spitze und einem massierten Mittelfeld.

„Das ist keine Wissenschaft”

Dies reichte im ersten Drittel, um die Mannen von Michael Frontzeck taktisch ins Grübeln zu bringen. „Das ist keine Wissenschaft oder kein Schach: Die Nürnberger haben einfach mehr Energie hineingesteckt”, stand allerdings Michael Bradley nicht der Sinn nach unnötiger Komplizierung. Übersetzt: Dass die Heimmannschaft so tief stand, habe nichts mit den geschilderten Problemen zu tun. „So haben wir schließlich die ganze letzte Saison gespielt.”

Die fehlende Kompaktheit aber lässt sich kaum mit diesem Energie-Defizit erklären. Mehr damit, dass etwa die Außenspieler der Viererkette sich nicht genügend nach vorne geschoben haben. Die Lücken zwischen Mittelfeld und Defensive waren zu groß, die Gladbacher hatten kaum Zugriff auf ihre Gegenspieler. Diese Starrheit der Viererkette hatte Tobias Levels, selbst Teil dieser zur Viererstange erstarrten Abwehrformation, gesehen und bat um Einsicht: „Wir haben das auch erkannt und abgestellt.”

Bis dahin aber hatten die Nürnberger bereits einen Schreckschuss von Javier Pinola zu verzeichnen, den Torhüter Logan Bailly wegen der Sprunghaftigkeit des neuen „Torfabrik”-Balls nur mit Mühe zur Ecke lenken konnte (8.), einen Pfostentreffer von Mehmet Ekici (9.) und ein Bilderbuchtor, das in den Augen von Gladbachs Sportdirektor Max Eberl eher ein Kinderbuchtor war: „So einfach darf man es dem Gegner in der Bundesliga nicht machen.” Juri Judt durfte locker flockig von Borussias linker Seite flanken, und Roel Brouwers verschätzte sich zugunsten seines Hintermannes Julian Schieber, der ebenso locker einköpfen konnte (15.).

Die Malaise hatte auch Auswirkungen nach vorn: Da das Umschalt-Tempo und die „zurückgebliebenen” Außenspieler fehlten, sah sich Iddrissou zumeist einer fränkischen Übermacht gegenüber. Bezeichnenderweise war es einer von Dantes Cross-Schlägen, der Signalwirkung besaß. Idrissou nahm den Ball gut an, wurde bei seinem Volleyschuss aber im letzten Moment von Andreas Wolf gestört (25.). Gladbach löste sich langsam aus der Starre und dem frühen Zugriff der Gäste.

Und der Kameruner bewies erneut seine Torgefährlichkeit - eine Körpertäuschung, ein überlegter Schuss ins lange Eck: Der Ausgleich für Borussia, den sie sich bis zur Pause auch noch verdiente. Die nicht genutzten Chancen von Filipp Daems und Bradley rangierten unter der Rubrik: schade. Anders als die Möglichkeit des eingewechselten Raul Bobadilla. Um das Etikett kläglich kommt der Argentinier nicht herum (81.).

Nach einer Tot-Spiel-Phase bis zur Mitte der zweiten Hälfte drehte Gladbach so auf, wie man es von einer Heimmannschaft erwarten kann und verdiente sich Frontzecks Lob: „Sie haben alles versucht.” Doch der überragende Raphael Schäfer im Nürnberger Tor (Herrmann-Schuss/87.) und die fehlende letzte Entschlossenheit verhinderten einen Sieg, der trotz des Blackouts von Thorben Marx noch möglich gewesen wäre: Der Mittelfeldspieler köpfte den Ball fußgerecht zu den „Clubberern” und durfte sich bei Bailly bedanken, der per Fuß den Schieber-Schuss parierte (72.).

Moral und Kondition stimmten bei Borussia, partiell auch die Einsicht. Und so verdiente sich das Schlusswort Tobias Levels: „Wir müssen uns in allen Bereichen verbessern.”
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