Mönchengladbach - Borussia vom Aktiv-Fußball weit entfernt

Borussia vom Aktiv-Fußball weit entfernt

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
Hilferuf? Borussias Spielweise
Hilferuf? Borussias Spielweise ist nichts für Luuk de Jong. Foto: afp

Mönchengladbach. Man kann sich Sorgen machen, wenn man hinter die Ergebnisse von Borussia Mönchengladbach schaut. Sechs Punkte nach fünf Spielen hört sich noch halbwegs solide an.

Doch sowohl der Punktgewinn am Mittwoch mit dem 2:2 gegen den Hamburger SV als auch das 1:1 zuvor in Leverkusen resultiert zu 99 Prozent aus der Schusseligkeit der Gegner. Der Inhalt, den Borussia nun schon seit etlichen Spielen präsentiert, ist mehr als bedenklich. Jedem ist klar, dass der Konter-Fußball der letzten Saison nicht mehr möglich ist. Lange genug hat schließlich Lucien Favre den Weggang von Marco Reus und die fehlende Schnelligkeit bejammert. Inzwischen will der Gladbacher Trainer nicht mehr darüber sprechen. Muss und sollte er auch nicht.

Doch die Konsequenz aus der veränderten Personalie ist auf dem Spielfeld allenfalls ansatzweise, zumeist in den wenigen Anfangsminuten, zu sehen. Wie in Leverkusen lässt sich die Favre-Elf schnell zurückdrängen, in eine so tiefe Position, in der man eigentlich nur noch kontern kann - was aber ja wie beschrieben nicht mehr möglich ist. Gladbach reagiert nur, die Spieler hecheln ihren Kontrahenten hinterher, nach vorne sind die Wege nun viel zu weit und Strafraumstürmer Luuk de Jong ist die ärmste Sau in der Bundesliga-Hemisphäre. Er wird zum Opfer einer offensichtlich nicht oder optimistisch gesehenen noch nicht möglichen Umstellung auf ein aktives, höheres Spiel, bei dem der Gegner früh angegangen und zu Fehlern gezwungen wird.

Das ist nicht mal in einem Heimspiel möglich, weder gegen Nürnberg, noch gegen den HSV. Der Niederländer deutete in der Anfangsphase sein Potenzial an. Doch schnell verstrickte sich Gladbach erneut in ein Anti-de Jong-Spiel. Bezeichnend, dass der Jung-Stürmer dem 2:1 der Hamburger mit einem Fehler Vorschub leistete: Am eigenen Strafraum hat de Jong gar nichts zu suchen. Nach diesem Patzer und mit den aufkommenden Unmutsäußerungen von den Rängen wurde der gerade einmal 22-Jährige mit jeder Aktion unsicherer, unter der Last einer unvollständigen Umstellung auf eine neue Spielweise und seines Zwölf- Millionen-Transfers wurde der 1,88 m große Stürmer immer kleiner und zur tragischen Figur.

Lucien Favre will die Probleme gar nicht mehr analysieren oder kommentieren. „Alle auf der Tribüne sehen das, urteilen Sie doch selbst.” Und meint seine Standard-Kritik: schlechte Ballannahme, zu schnelle Ballverluste, schlechte oder/und zu lansame Weiterleitung und fehlende Schnelligkeit sowieso. Das ist monothematisch und verkennt, dass ein aktives Spiel auch ohne Tiki-Taka möglich sein muss.

Gladbach fehlt zur Zeit das Offensivspiel und die defensive Stabilität. Mehr geht kaum. Max Eberl mahnt an, sich erst einmal „vom Ballbesitz- und tollem Fußball zu verabschieden” und sich auf die Grund-Tugenden zu besinnen: kämpfen, Balleroberung. Doch strukturell bringt das wenig, wenn nicht auch das System darauf eingestellt wird. Es sei denn, man hofft weiter auf derlei Glücksmomente wie in Leverkusen und gegen den HSV. Auf Strecke bietet der Fußball diese Zufälligkeiten nicht inflatorisch an. Womöglich könnte diese Strähne auch schon am Samstag beim Borussia Dortmund gekappt werden. Der Deutschen Meister ist nach seinen Punktverlusten in Frankfurt und Hamburg für Max Eberl wie ein „angeschlagener Boxer”. Extrem gefährlich soll das heißen.

Der größte Feind der Gladbacher sind sie derzeit aber selbst. Darauf zu hoffen, dass die Mannschaft von Jürgen Klopp auch ihnen solche Lücken anbietet wie in Frankfurt und Hamburg, ist relativ verwegen. Denn auch dem HSV wurden Probleme im Defensiv-Verbund attestiert. Und dann schaffte es Borussia in mehr als 90 Minuten nicht, nur eine einzige echte Torchance aus dem Spiel heraus sich zu erarbeiten geschweige -spielen.
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