Mönchengladbach - Borussia steht mit einem Fuß in Liga 2

Borussia steht mit einem Fuß in Liga 2

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
glad-fotto19
Kampfspiel im Regen: Borussias Martin Stranzl (rechts) trifft Ball und Kaiserslauterns Adam Nemec. Foto: dpa

Mönchengladbach. Heulen und Zähneknirschen am Niederrhein: Borussia Mönchengladbach hat mit einer 0:1-Niederlage gegen die „Roten Teufel” aus Kaiserslautern einen Riesensatz Richtung Zweitliga-Hölle gemacht.

Statt endlich den Anschluss an die anderen Abstiegskandidaten zu schaffen, könnte sich nach diesem Spieltag eine nicht mehr zu schließende Punktekluft zum Vorletzten auftun.

Idrissous Ungenauigkeiten

Lucien Favre ist ein zurückhaltender Mensch. Ansonsten hätte es noch mehr Spielunterbrechungen gegeben. Wie im Training hätte der Schweizer bei jedem Fehlpass am liebsten eingegriffen und den Täter wenn nicht gerüttelt, so zumindest gerüffelt. Seine Profis waren von der von ihm eingeforderten Präzision so weit entfernt wie Borussia von der Tabellenspitze. Immer wieder versandeten die Kombinationen, sobald der Strafraum der Gäste in Sicht kam.

Mo Idrissou tat sich dabei besonders hervor und garnierte seine Ungenauigkeiten auch noch mit einer Hastigkeit, die es seinen Kollegen schwer machte aufzurücken. Trotzdem kam es zu einer Torchance, bezeichnenderweise nach einer Standard-Situation. Lautern-Torhüter Kevin Trapp wehrte eine Ecke zu kurz ab, den Schuss von Martin Stranzl aber köpfte Rodnei von der Linie (16.).

Wie verordnet man bei laufendem Spiel Präzision? Das ist selbst für einen Schweizer schwierig. Und so musste sich Favre vorerst mit einem anderen Input begnügen. Wie in den Spielen zuvor eilte er an die Seitenlinie, reckte seine Hand hoch und ab der 27. Minute verwandelte sich Gladbachs Ein-Sturm-Formation in eine Offensive mit zwei Stürmern: Marco Reus leistete Idrissou Gesellschaft.

Der Effekt blieb aus. Im Gegenteil: Die Krankheit namens Ungenauigkeit breitete sich auch auf die Hintermannschaft aus. Mit gefährlichem Effekt. Zwei Freistöße brachten die Pfälzer näher an eine Führung als zuvor die Borussen. Den ersten aber nutzte Adam Nemec nur zu einem Kopfball knapp neben das Tor (40.). Der zweite entwickelte sich buchstäblich zu einer „zwei-hundertprozentigen” Chance: Doch statt des Balls zappelten nur zwei Lauterer, Mathias Abel und Rodnei, im Gadbacher Netz - Riesen-Dusel (43.).

Die beste Leistung bei dem bis zur Pause eher kümmerlichen Spiel-Niveau bot die Nordkurve, die sich phonetisch-pädagogisch gegen das traditionell aufkommende Grummeln auf den besseren Plätzen durchsetzte. Und was brachte der 15-minütige Unterricht bei Fußballlehrer Favre? Das Stückwerk setzte sich erst einmal fort. Erneut im alten 4-2-3-1. Das Systemumschalten funktionierte, das Umschalten im Spiel weniger.

Da zudem Idrissou seine Halbzeit-Lektion nicht verstanden hatte, griff der Borussen-Trainer nun auch personell ein: Mit Mike Hanke kam ein Stürmer mit ausgeprägterem Ballhalte- und Kombinationsqualitäten. Was folgte war Konfusion im Borussia-Strafraum. Erst zielte Christian Tiffert knapp daneben (58.), dann ließ sich Torhüter Logan Bailly von der Hektik anstecken. Eine Ecke von Tiffert überstand er noch mit Glück, die zweite haute sich der Belgier ins eigene Netz (61.).

Die Nerven lagen blank beim Tabellenletzten, Favre versuchte mit Patrick Hermann für Michael Fink Schwung einzuwechseln (63.). Vergeblich. Selbst die Unterstützung in der Nordkurve bröckelte angesichts der immer fahriger wirkenden Aktionen. Für Bailly gab es ein Deja-vu-Erlebnis: Als der Keeper einen harmlosen Ball runterpflückte, brandete wie zu Frontzecks Zeiten ironischer Beifall auf. Dessen Nachfolger war zerknirscht, „das ist eine sehr, sehr große Enttäuschung”, sagte Favre. „Ich weiß auch nicht, was los war, wir hatten zu viele Ballverluste und Angst, das Spiel zu machen.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert