Mönchengladbach - Borussia erlebt die Fußballisierung des Vereins

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Borussia erlebt die Fußballisierung des Vereins

Von: Bernd Schneiders
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Trainer in Gladbach: Michael Frontzeck. Foto: Wiechmann

Mönchengladbach. Szenen wie diese hat der Borussia-Park schon zuhauf gesehen: Ein neuer Trainer wird präsentiert. Und doch war etwas anders, als Borussia Mönchengladbach den Nachfolger des zurückgetretenen Hans Meyer vorstellte: Kein Schlipsträger saß auf dem Podium.

Das wäre nicht weiter bemerkenswert, wenn sich nicht dahinter eine neue Ära andeuten würde. Dort neben Michael Frontzeck saß nicht der Präsident des Traditionsvereins.

Rolf Königs hielt sich buchstäblich im Hintergrund - mit Krawatte. An seiner Stelle gab Vize Reiner Bonhof Flankenschutz. Ohne Krawatte. Symbolhaft - Borussia erlebt die Fußballisierung des Vereins.

Und da passt es, dass das Mönchengladbacher Urgestein sich alle hehren Worte der vergangenen Präsentationen verkniff, die stets wenig später durch Taten konterkariert worden waren.

Schmucklos und völlig uneitel leitete der Weltmeister weiter zu Max Eberl, Borussias Sportdirektor. Und was der ebenfalls ehemalige Gladbach-Profi über die Entscheidung für den ebenfalls ehemaligen Gladbacher Profi Michael Frontzeck zu sagen hatte, war bemerkenswert: „Wir wussten, dass Hans Meyer spätestens 2010 aufhören würde und haben uns deshalb vorzeitig mit Kandidaten für seine Nachfolge beschäftigt.”

Das zeugt von Weitblick, aber ist noch nicht so interessant, wie die Langzeitsuche angegangen wurde - Trainer-Scouting: „Wir haben Kandidaten beobachtet, Spiele angeschaut, Trainingseinheiten besucht, analysiert, wie sich die im Spiel niedergeschlagen haben.”

Mit konzeptionellem Arbeiten hat Eberl bereits die Jugendabteilung auf Erfolgskurs gebracht. Und die „Planwirtschaft” des ehemaligen „Terriers” machte nun auch nicht vor der handelsüblichen Art der Trainerfahndung halt: die Objektivierung oder Versachlichung einer Personalentscheidung, die wie bei kaum einen Verein bei der Borussia bislang so regelmäßig in die Hose ging. Der Kreis der Auserwählten, mit denen Gespräche erfolgten, wurde kleiner und kleiner: „Und Michael Frontzeck war das beste Puzzleteil.”

Am Dienstagabend überzeugte der Sportdirektor sein Präsidium, garniert von „kritischen Fragen”, wie Präsident Königs bemerkte. Der erfolgreiche Unternehmer ließ sich ein auf das Konzept des Jung-Managers.

Dessen Gesellenstück, die Jugendabteilung, und dessen Meisterstück, die Entscheidung für Hans Meyer und damit der Klassenerhalt, haben Vertrauen geschaffen beim Klub-Chef.

„Messbar” nennt Königs die Erfolge seines Sportdirektors. Und so entschied sich das Präsidium einstimmig für das Eberl-Konzept, nicht auf die Verpackung, auf den großen Namen, sondern den Inhalt zu schauen.

Michael Frontzeck also, ein Name, der ebenfalls für Sachlichkeit steht. Ein Mann, der selbst noch Haltung bewies, als er einen Spieltag vor Schluss in Bielefeld gefeuert wurde. „Am 33. Spieltag auf einem Relegationsplatz”, schüttelt der 45-Jährige noch immer den Kopf.

„Aber ich musste deshalb nicht ins Sanatorium.” Als Erholungsheim hat sich der Borussia-Park für die zahlreichen Vorgänger auch nicht erwiesen. Für Frontzeck aber ist dieser Schritt „emotional ein sehr großer Augenblick: Ich bin hier geboren, aufgewachsen. Das ist meine Heimat, auch meine fußballerische.” Doch das sagt der ehemalige Nationalspieler gewohnt nüchtern. Inneneinblicke gehören nicht zu seinem Repertoire. Dort werden einige die Raute entdecken, wie bei vielen Mitarbeitern in der Sportlichen Leitung des Klubs.

Doch eine Sammelstelle für Ehemalige zu entwickeln, eine niederrheinische Variante des Kölner Klüngels, liegt Bastler Eberl fern. Ihm es geht es um sein Konzept: Planung, Philosophie, Kontinuität, Erfolg, das auch beinhaltet, mit dem Trainer „durch eine Talsohle zu gehen”. Die Kontinuität steckt auch in der jüngsten Personalie. Nicht wegen der Raute im Herzen. Aber Frontzeck ist als Spieler und Trainer genauso geprägt von seinem 66-jährigen „Vorarbeiter” wie Teammanager Steffen Korell, Max Eberl und Co-Trainer Manfred Stefes: Die Enkel Hans Meyers treten sein „erstklassiges” Erbe an.
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