Borussia dank Brouwers und Levels im Phantasialand

Von: Bernd Schneiders
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Brouwers
Roel Brouwers bejubelt das 4:1 gegen den HSV.

Mönchengladbach. Als Fußball-Profi limitiert zu sein, ist Sportler-Alltag. Es kann nicht nur Lionel Messis und Cristiano Ronaldos geben. Zumal auch unterhalb der Elite-Ligen die Kader gefüllt werden müssen. Nicht jeder Sportler kann damit umgehen. Roel Brouwers und Tobias Levels können das.

Beide wissen, so unterschiedlich sie vom Alter auch sind (27 und 22), dass sie Grenzgänger in Sachen Erstliga-Tauglichkeit sind. Die Einsicht in ihre sportliche Beschränktheit zeugt von Intelligenz und Charakter und ermöglicht ihnen, in einem Mannschaftssport trotzdem oder gerade deshalb eine wichtige Rolle zu spielen.

Das beide an einem Nachmittag - obendrein unter erschwerten Bedingungen - einen wesentlichen und zudem zählbaren Beitrag zum 4:1-Erfolg von Borussia Mönchengladbach über den haushohen Favoriten Hamburger SV beisteuern konnten, gehört zur Rubrik „Fußball-Wunder”.

Brouwers, der ideale Mann für die Zweite Liga, vollbrachte das schier Undenkbare: In der 33. Minute für den humpelnden Steve Gohouri in die Innenverteidigung eingewechselt, spielte er zwar nicht auf einer „falschen” Position. Aber auf dem Papier war er der falsche Gegen-Mann für die HSV-Stürmer Ivica Olic und Slaven Petric.

Dem Niederländer fehlt die Schnelligkeit. Und so sträubten sich bei der Einwechslung des 27-Jährigen manchem Augenzeugen die Nackenhaare - in Erwartung des Schreckensszenario: VW-Käfer gegen Ferrari, Brouwers gegen den HSV-Edelsturm. „Ich hab´ mir vorgenommen, scharf in die ersten Zweikämpfe reinzugehen. Das hat gut geklappt.”

Das kleine Wunder nahm seinen Lauf.

Was auf keinem Spielbogen vermerkt war und auch nicht vermerkt werden muss: Der Niederländer nahm in Zusammenarbeit mit dem Belgier Filip Daems Olic/Petric komplett aus dem Spiel.

Borussias BeNe-Luxus-Gespann: Brouwers beeinflusste auch Daems positiv, der zuletzt schwächelte und in den ersten Minuten auch Probleme hatte, mit dem unberechenbaren Steve Gohouri ein zuverlässiges Ensemble zu bilden.

Beide sorgten auch für das Sahnehäubchen auf Brouwers buchstäblich erstklassiger Leistung: Der Belgier servierte eine Maßflanke, die seine „bessere Hälfte” zum 3:1 nutzte (54.). Sechs Minuten zuvor hatte Brouwers noch einen Kopfball nach einem Eckstoß knapp übers Tor gesetzt. „Bei der zweiten Flanke habe ich gedacht: Dann schieße ich mal.”

Das ehrliche Eingeständnis des Kopfball-Spezialisten: „Im Training geht der drüber. Aber der musste rein.” Sein Treffer zog den Gästen den letzten Zahn. Gegen die mümmelnden Hamburger konnte Marco Marin per Strafstoß (Foul Mathijsen an Matmour) gar noch erhöhen (65.).

Brouwers taugt aber auch so gar nicht für die beliebte Story, der Entrechtete schlägt zurück - gegen den Trainer. Sein „taktisches Können, die Kopfballstärke und den Charakter” preist Hans Meyer eh. Jetzt verleiht ihm der 66-Jährige nach dem womöglich wichtigsten Spiel der Saison ein zusätzliches Sternchen.

„Er hätte allen Grund gehabt zu knurren. Ich habe ihm schließlich Unrecht getan: In der Vorbereitung war er der Beste. In Stuttgart hat er richtig gut gespielt. Und dann lass ich ihn raus. Jetzt kommt er rein und macht es richtig gut.” Der Anti-Paauwe: Brouwers Landsmann verkraftet den Verlust des Stammplatzes nicht und lässt dies seine Umgebung auch deutlich spüren.

Ein „Knurrhahn” ist Tobias Levels schon von Natur aus nicht. Er gilt als Sprach-Genie und Witzbold - mit entsprechend hohem Ansehen nicht nur in der Mannschaft. Der hat er erneut geholfen. Und wie bei Brouwers unter widrigen Umständen: Der Rechtsfüßler beackert seit seiner Einwechslung gegen Hannover die linke Seite. Diesmal auch mit zählbarem Erfolg.

Im Liegen traf er zum 2:1, nachdem sein erster Versuch von Mathijsen zurückgespielt wurde. Levels erstes Bundesliga-Tor: „Eine Riesen-Sache für mich”, strahlte der 22-Jährige. „So eine Hormonausschüttung habe ich noch nie erlebt - vielleicht mit fünf Jahren im Phantasialand.”

Wie Brouwers sorgte auch der Edel-Kämpfer, der so manchen Schnitzer aus der Hinrunde auf dem Kerbholz hat, für eine besondere Spielnote: Er hauchte nach der Führung durch Rob Friend (24.) und dem Ausgleich der Hamburger (Petric/29.) seiner Mannschaft Selbstvertrauen ein. „Nicht nur die drei Punkte sind wichtig. Auch die Art und Weise: Wir haben beeindruckend gewonnen.”

Aber auch die schnöden Punkte reichten, um nach drei Monaten erstmals den letzten Tabellenplatz loszuwerden.
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