Borussen tanzen auch die Stuttgarter aus

Von: Frank Hellmann
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Und sie tanzen weiter über di
Und sie tanzen weiter über die Plätze der Liga: Die Mönchengladbacher bleiben nach dem 3:0-Erfolg beim VfB Stuttgart dem Führungstrio aus München, Dortmund und Schalke auf den Fersen. Foto: dpa

Stuttgart. Es mag vielleicht vom Erscheinungsbild nicht stimmig gewesen sein, dass sich ein halbes Dutzend Spieler von Borussia Mönchengladbach dazu entschieden hatten, trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt kurzärmelige Trikots zu tragen, während fünf Profis zum Schutz gegen die Kälte noch Handschuhe angezogen hatten.

Wichtiger als eine winterliche Einheitskleidung war im Schwabenland ja auch, Geschlossenheit im gemeinsamen Wirken auf dem Rasen zu demonstrieren, und daran konnte nach einem verdienten wie beeindruckenden 3:0 (1:0)-Auswärtssieg beim VfB Stuttgart kein Zweifel bestehen.

Angreifer Mike Hanke (31.), der mal wieder herausragende Irrwisch Marco Reus mit seinem zwölften Saisontor (81.) und schließlich „Joker” Igor de Camargo (84.) machten den zwölften Saisonsieg perfekt.

„Ich bin stolz und zufrieden”, sagte Torschütze Hanke, „obwohl wir nicht die Souveränität wie in den vergangenen Heimspielen gezeigt haben.”

Sein Sportchef Max Eberl wollte so kritisch nicht sein. „Wir hätten vielleicht früher das 2:0 machen müssen, dafür waren unser Konter wieder eine Augenweide. Es war ein hartes Stück Arbeit, es macht mich aber stolz, wie die Mannschaft zusammen agiert.”

Es war in der Tat wieder eine Mischung aus überzeugendem Kollektiv- und Konterfußball, mit der Favres Ensemble das nächste Erfolgserlebnis davontrug und damit weiter nur einen Punkt hinter dem Führungstrio Bayern, Dortmund und Schalke liegt.

Konzentriert und fokussiert

Die Borussen, bei denen der Schwede Oscar Wendt den kurzfristig erkrankten Kapitän Filip Daems ersetzte, sind auf dem bestem Weg, im nächsten Jahr international aufzutreten. Kein Wunder, dass die Fans selige Gesänge auf den Europapokal anstimmten. „Bei uns wird niemand abheben”, sagte Eberl, „wir stellen uns nur aufs nächste Spiel in Wolfsburg ein.”

Es scheint der richtige Weg zu sein: Konzentriert und fokussiert, dazu spiel- und einsatzfreudig ging der Tabellenvierte ans Werk, der nahtlos an die starke Leistung zum Rückrundenauftakt gegen den FC Bayern anzuknüpfen vermochte.

Dass die in der Vorsaison gleich mit 0:7 am Neckar gedemütigten Rheinländer so dominant auftrumpfen würden, hatte vor allem das schwäbische Publikum nicht erwartet, das seine Missfallenskundgebungen über den ideenlosen Auftritt der mit Vedad Ibisevic aus Hoffenheim verstärkten VfB-Elf deutlich artikulierte.

Bezeichnend, wie Serdar Tasci unbedrängt den Ball in der eigenen Hälfte halbhoch ins Seitenaus schob - direkt in die Arme des hilflosen Trainers Bruno Labbadia. Sein Kollege Favre wirkte zu diesem Zeitpunkt schon deutlich entspannter, hatten sich die Gäste doch nach 31 Minuten für ihren starken Auftritt belohnten.

Reus, der als umtriebiger Unruheherd unterwegs war und kaum einen Ball verlor, hatte einen Freistoß nach innen geschlagen, Hanke verlängerte den Ball geschickt per Kopf vom Elfmeterpunkt aus per Aufsetzer ins Tor.

Der Führungstreffer der Gladbacher war vollauf verdient, zumal der versierte Juan Arango - vom fleißigen Himmelsstürmer Reus freigespielt - noch freistehend an Sven Ulreich scheiterte (38.). Die Borussen ließen in der eigenen Defensive - vor allem dank des stellungssicheren und überragenden Abwehrchefs Dante und der wieder unermüdlich die Passwege verstellenden Abräumer Havard Nordtveit und Roman Neustädter - kaum etwas anbrennen.

Dennoch musste sich Keeper Marc-André ter Stegen mächtig strecken, um mit einem Übergreifen im Flug die Kugel nach Kopfball von Tamas Hajnal zu parieren (39.).

Auch nach der Halbzeit bissen sich die Hausherren am besseren Kollektiv die Zähne aus. Eigentlich gab es nur einen Vorwurf, der den zeitweise mustergültig konternden Fohlen zu machen war: die mangelnde Chancenausbeute. Patrick Herrmann scheiterte bei einem mustergültigen Schnellangriff an Ulreich (65.).

Für Lucien Favre war das Spiel kein Grund, eine Jubelarie zu singen. „Wir spielen gut, wir haben uns die 39 Punkte verdient. Aber wir denken weiter nur von Spiel zu Spiel.”
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