Bei Roda JC Kerkrade überwiegt der Stolz

Von: Klaus Schmidt
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Applaus, Applaus: Harm van Vel
Applaus, Applaus: Harm van Veldhoven hatte in dieser Saison viel Spaß als Trainer von Roda Kerkrade. Die Limburger spielten wieder einen feinen Fußball. Foto: imago/VI Images

Kerkrade. Den 28. Februar 2002 führen sie als größten Tag der Vereinsgeschichte. Mit wenig Hoffnung war Roda JC Kerkrade nach San Siro gereist, ins monumentale Giuseppe-Meazza-Stadion. Der AC Mailand hatte schon das Hinspiel im Achtelfinale des Uefa-Cups gewonnen, wenn auch mit Ach und Krach und nur mit 1:0.

Dann aber holte der kleine limburgische Klub die Steinschleuder hervor und schlug das große Milan nach 90 Minuten, zwang Andrea Pirlo & Co. in die Verlängerung, und nur weil im Elfmeterschießen die Knie weich wurden mit drei Fahrkarten, der letzten durch Eric van der Luer, der den Ball über die Latte drosch, schied Roda an diesem Abend aus.

Der 28. Februar vor mehr als neun Jahren bleibt vorerst das heldenhafteste Datum in der Chronologie. Seitdem hat Kerkrade nicht mehr auf der internationalen Bühne gestanden; am Sonntag scheiterte auch der fünfte Versuch, sich über die nationalen Play-offs für die Europa League, ehedem Uefa-Cup, zu qualifizieren. Harm van Veldhoven war natürlich „enttäuscht, es war etwas möglich für uns”. 34 Spiele in der Ehrendivision hatte Roda zu einem sechsten Platz vollendet, nun, als es um die Preise ging, standen der Trainer und seine Mannschaft mit leeren Händen da. Van Veldhoven mochte aber nicht lange hadern. „Es war eine sehr gute Saison. Wir haben unglaublich oft sehr, sehr schönen Fußball gespielt und gegen alle Top-Mannschaften Punkte geholt.”

Der Belgier, bis vor zwölf Jahren Profi, seitdem Trainer zunächst in seinem Heimatland, hat Roda wieder wachgeküsst. Als der heute 48-Jährige im November 2008 von Germinal Beerschot ins Parkstad Limburg Stadion wechselte, fand er eine Mannschaft vor, die keine war. Der geschasste Chefcoach Raymond Atteveld galt zwar als fachlich qualifizierter Mann, soziale Kompetenz gehörte aber nicht zu seinen Stärken.

Der menschliche Gegenentwurf

In einer Phase größter finanzieller und sportlicher Not engagierte Kerkrade den menschlichen Gegenentwurf: warmblütig, offen, einen, der viel mit den Spielern redet. Van Veldhoven rettete den Verein, der sich nun seit 38 Jahren ununterbrochen in der höchsten Liga behauptet, auf den letzten Drücker in der Relegation vor dem Abstieg, führte das Team nach dem „Gruseljahr” auf Platz neun und jetzt noch einmal drei Ränge höher.

„Darauf können wir stolz sein”, sagt der Trainer. Mit einem Budget von 11,7 Millionen Euro war Roda nur die Nummer zwölf in der Liga, machte aber aus den Möglichkeiten so viel wie sonst nur Heracles Almelo. „Wir waren so dominant in vielen Spielen und physisch stark, wir haben 65 Tore geschossen. Es ist schwierig zu sagen, welches Spiel das beste war.” Um den verlässlichen Kapitän und Rechtsverteidiger Davy De Fauw herum stieg mancher Profi zu einer großen Nummer auf: Torhüter Przemyslaw Tyton, 24, der zum Kreis der polnischen Nationalmannschaft gehört; Willem Janssen, 24, der nun zu Vizemeister und Pokalsieger Twente Enschede wechselt; Dänemarks Nationalstürmer Mads Junker, 30, der in zwei Jahren Kerkrade 41 Tore geschossen hat.

Und vor allem Ruud Vormer. „Gute Fußarbeit, viel Übersicht. Ich hatte es gehofft - und er hat die größten Fortschritte gemacht”, schwärmt Harm van Veldhoven von dem gerade 23 Jahre alten zentralen Mittelfeldspieler. Limburgs „Fußballer des Jahres” stach in dieser Saison alle Stars von Meister Ajax Amsterdam oder PSV Eindhoven aus: Gemeinsam mit Nationalspieler Wout Brama (Enschede) war Vormer der Notenbeste in der Rangliste des Fachmagazins „Voetbal international”. Während der Nordholländer noch ein Jahr unter Vertrag steht, ist die Zeit u.a. für Verteidiger Pa-Modou Kah abgelaufen, den schwarzafrikanischen Norweger, der schon mal eine Einwechslung kurz vor Spielende verweigerte.

Harm van Veldhoven hat seinen Kontrakt erst nach Bedenkzeit verlängert. Den Abschied von Martin van Geel, Technischer Direktor, zu Feyenoord Rotterdam musste der Trainer erstmal sacken lassen. „Martin hat mich immer unterstützt, auch in schwierigen Momenten. Ein guter Freund ist gegangen.” Als Nachfolger hat Roda den bisherigen Scout von Twente Enschede verpflichtet, Gerard Wielaert, und van Veldhoven hofft auf eine ähnliche „gute Zusammenarbeit” wie mit van Geel.

In seinem neuen Arbeitspapier sind dennoch die Namen holländischer und belgischer Klubs festgehalten, für die Roda die Freigabe erteilen müsste. „Für Deutschland”, sagt van Veldhoven, „ist aber alles offen . . .”
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