Mönchengladbach - Attraktives Versprechen auf eine Zukunft

Attraktives Versprechen auf eine Zukunft

Von: Bernd Schneiders
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Borussen hört die Signale: „
Borussen hört die Signale: „Ich bin wieder da!” Raul Bobadilla feiert seine Auferstehung mit Roman Neustädter (hinten) und Dante.

Mönchengladbach. Perfektionisten haben es auch nicht leicht. Erfolge können sie nicht so enthemmt feiern wie Menschen, die mit weniger zufrieden sind. Nun muss man nicht unbedingt erwarten, dass Lucien Favre schon vor einem Titelgewinn mit seinen Profis vor der Nordkurve die Welle macht.

Und wenn der Schweizer nach dem 4:1 über den VfL Wolfsburg seine Arme so überzeugt in den Himmel reckt, dass man um die Nähte seines Anzugs fürchten muss, zeugt das auch von einer gerüttelt Portion an Emotionalität. Die Analyse des Trainers von Borussia Mönchengladbach aber fällt auch nach einem Fußball-Fest wenig euphemistisch aus. Der Analytiker ist Herr im mentalen Haus des Schweizers. Und so hörte man, was nicht viele Fußballlehrer in einer solchen von Euphorie und Dankbarkeit geschwängerten Atmosphäre gesagt hätten: „In der zweiten Halbzeit hatten wir zu viele Ballverluste . . .”

Aber natürlich betonte Favre - überwiegend auf Nachfrage - , dass er diesen Sieg und die gezeigte Leistung seiner Mannschaft zu schätzen wisse. Aber aus seiner Haut kann er nicht, wie er zu genau weiß: „Manchmal will ich zu viel.”

Frühes 0:1 lässt Böses ahnen

Also hätte der Borussen-Coach gerne eine bessere Startphase seiner Jungs gesehen. Die ließ in ihrer Unstrukturiertheit - für Favre-Verhältnisse - Böses ahnen. Mehr Böses als nur die Führung der Wolfsburger durch Hasebe (13.). Doch der Ausrutscher von Simon Kjaer nur zwei Minuten später förderte beinah explosionsartig eine Offensiv-Qualität an den (Frei)Tag, an der Favre in den kommenden anderthalb Jahren erst noch arbeiten wollte. So konnten die gut 43.000 Zuschauer im Borussia-Park diesen Vorgriff zumindest schon mal als Versprechen auf die Zukunft genießen.

Selten passiert im Fußball, was nicht schon angelegt ist, im Negativen wie im Positiven. Und so waren die vier Tore und die noch vergebenen Chancen Ausdruck der Kreativ-Kräfte, die in der Borussia anno 2011 schlummern. Doch ein Zufall (Kjaer-Ausrutscher), ein Gegner, der wie Favre mehrmals zur Freude von Felix Magath betonte, im Aufbau ist, und eine zweibeinige Wundertüte können förderlich wirken. „Er hat alle überrascht - mich auch”, gab Favre dieser einen Namen. Raul Bobadilla überzeugte mit altbekannter Wucht, Zweikampfstärke selbst gegen drei Gegner, Selbstlosigkeit (Pass auf Reus beim 1:1) und Zielstrebigkeit. „Ich bin wieder da”, sagte der Argentinier anschließend mit bewegter Stimme. Der körperlich so starke, aber umso sensiblere Stürmer hatte kurz zuvor endlich das erhalten, was er für gute Leistungen mehr braucht als andere: die Liebe der Fans. Anders als gegen Stuttgart profitierte Bobadilla davon, dass seine Mannschaft wesentlich höher stand, die Abteilung Attacke deshalb auch kürzere Wege gehen musste bei der Offensiv- und Defensivarbeit.

Davon profitierte auch die neue Doppel-Sechs Roman Neustädter und Thorben Marx, die mehr Fußball spielen konnten, besser in die Zweikämpfe kamen, wovon blutige Schrammen auf dem Rücken und eine Platzwunde am Kopf von Neustädter Zeugnis ablegten. Wesentlich aber dürfte für Favre die Erkenntnis sein, nicht nur von den Taten eines Marco Reus abhängig zu sein. Der drehte erst nach der Pause auf. Seine Monopolstellung aber wurde zuvor von Bobadilla & Co. zerstört. Und das ohne einen der Neuzugänge aus der Abteilung Offensiv-Tuning wie Matthew Leckie, Joshua King oder Lukas Rupp.
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