Am Ende nur noch eine innerlich zerrissene Mannschaft

Von: Thomas Evers
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Am Boden zerstört: AS-Kapitä
Am Boden zerstört: AS-Kapitän Danijel Milicevic nach einem verschossenen Elfmeter. Eupen vergab vier der letzten sechs. Foto: David Hagemann

Eupen. Am 23. Mai 2010 feierte die Allgemeine Sportvereinigung (AS) Eupen den Aufstieg in die 1. belgische Division, nur ein Jahr später ist das Abenteuer wieder beendet. In der vergangenen Woche wurde der Abstieg besiegelt, als letzte Hoffnung bleibt der AS noch ein sport- und zivilrechtliches Verfahren gegen den belgischen Verband.

Zum ersten Mal überhaupt verfügte die kleine Deutschsprachige Gemeinschaft über einen Fußball-Erstligisten. Nach nur einem Punkt aus zehn Spielen begann mit der Verpflichtung des französischen Trainers Albert Cartier eine Aufholjagd, die lange Zeit ein erfolgreiches Ende zu nehmen schien. Aber am letzten Spieltag rutschte die AS vom rettenden 14. Platz auf einen Relegationsplatz ab. Die erste Hürde nahm Eupen gegen Charleroi erfolgreich, obwohl man sich zwischenzeitlich von Cartier getrennt und Danny Ost zurückgeholt hatte. Der 51-jährige Brüsseler hatte die AS in die 1. Division geführt, war aber nach fünf Niederlagen zu Saisonbeginn entlassen worden.

Nach dem Sieg in der ersten war man guter Dinge, auch die zweite Relegationsrunde mit drei Zweitligisten für sich zu entscheiden. Aber der als Favorit gestartete Erstligist blamierte sich und verlor seine ersten fünf Spiele deutlich. An diesem Donnerstag steht noch die bedeutungslose letzte Partie gegen Waasland-Beveren auf dem Programm.

Die meisten Spieler, von denen einige schon bei anderen Vereinen unterschrieben haben (u. a. Ex-Nationalspieler Kevin Vandenbergh), waren nicht mehr richtig bei der Sache und hinterließen einen lust- und willenlosen Eindruck. „Es sind körperlich noch die gleichen Spieler, die sich gegen Charleroi durchgesetzt haben, aber mental ist das eine völlig andere Mannschaft. Das ist unglaublich”, sagt Danny Ost.

Bereits im ersten Spiel der zweiten Relegationsrunde wurde das zerrüttete Binnenverhältnis der Mannschaft deutlich. Mittelfeldspieler Abderrazzak Jadid weigerte sich während der Pause, als Innenverteidiger eingesetzt zu werden. Daraufhin wurde er ausgewechselt, aber beim nächsten Spiel stand er wieder in der Anfangsformation. Das sorgte bei einigen Mitspielern für Verärgerung, zumal es erneut die Frage aufwarf, ob im Zweifelsfall nicht doch Antonio Imborgia die Aufstellung mitbestimmt. Der Investor befindet sich seit November in Italien, wo er im „Nebenjob” Sportdirektor beim Zweitligisten Grosseto ist. Immerhin kündigte er an: „Ich werde mich auch bei einem Abstieg nicht aus Eupen zurückziehen.”

Aber in der 2. Liga, die in Belgien ein Schattendasein fristet, steht der Verein vor einem Neuaufbau, zahlreiche Spieler dürften die AS verlassen. Zudem müssen ein neuer Trainer - Danny Ost war nur von Zweitligist Tubize ausgeliehen - und ein neuer Manager gefunden werden. Manfred Theissen war in den vergangenen zwei Jahren von seinem Dienst bei der Polizei freigestellt worden, wohin er am 1. Juli zurückkehrt.

Übertriebener Stadion-Umbau

Nach dem Abstieg melden sich in Eupen wieder die Kritiker zu Wort, die den sechs Millionen Euro teuren Umbau des Kehrweg-Stadions stets für übertrieben gehalten hatten. Letzte Hoffnung, die Klasse doch noch zu halten, ist ein Verfahren vor dem belgischen Sportschiedsgericht. Dort soll in dieser Woche entschieden werden, ob AS-Konkurrent Lierse SK in einem Nachholspiel einen Spieler im Kader hatte, der nicht spielberechtigt war. Wenn die Eupener Recht bekämen, wäre eine 1. Division mit 17 Vereinen denkbar. Aber selbst ein Abstieg würde mit einer Million Euro „Schmerzensgeld” von der Profiliga abgefedert. Auf diesen Kompromiss einigten sich die Erstligisten im Februar, nachdem im Dezember zunächst beschlossen worden war, die unbeliebten Play-offs zu streichen und zu einer klassischen Meisterschaft mit 18 Vereinen zurückzukehren. Dies gefiel aber insbesondere Rekordmeister Anderlecht nicht. Hinter den Kulissen wurde eifrig verhandelt, u.a. zog man die AS Eupen auf seine Seite. „Die AS muss nicht befürchten, im Falle des Abstiegs Probleme zu bekommen”, begründete Manfred Theissen den Sinneswandel.
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