Alters-Malus oder: Galasek ist nicht Dante

Von: Bernd Schneiders
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Der Ball „klebt” am Fuß, Kopf hoch: Nur so behält man als Stratege wie Tomas Galasek den Uberblick. Foto: Olaf Kozany

Mönchengladbach. Tomas Galasek ist ein besonderer Spieler. Nicht nur wegen seines offensichtlichen sportlichen Könnens: Der Tscheche hat Überblick, eine famose Ballbehandlung, eine große Passgenauigkeit, Antizipationsvermögen, die so genannte Fähigkeit, ein Spiel zu lesen, Organisationsvermögen und Führungsqualitäten.

Das hat er beim 1. FC Nürnberg bewiesen, einst immerhin bei Ajax Amsterdam, und am Dienstag für Mönchengladbach im Testspiel gegen Borussia Dortmund immerhin auch über gut 30 Minuten. Aber noch etwas anderes macht ihn besonders: Galasek ist 36. Und das hat Auswirkungen. Nicht, dass der defensive Mittelfeldspieler bereits nach 25 Minuten anfängt zu keuchen oder Stand-Pausen einlegt.

Aber eben wegen seines hohen Alters steht der Tscheche, den Hans Meyer aus dessen Heimat von Banik Ostrau loseiste, unter Druck. Was einem Dante, Meyers Eckpfeiler Nummer 2 im Anti-Abstiegsquartett passierte, darf Galasek auf keinen Fall unterlaufen: Er darf sich nicht verletzen.

Der Brasilianer, Meyers designierter Abwehrchef, zog sich beim Schusstraining im Trainingslager auf Gran Canaria einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zu. Dante darf das. Nicht, weil er nicht so wichtig ist wie Galasek. Ist er mindestens genauso, angesichts der Gänsehaut auslösenden Abwehrschwäche der Borussia. Aber Dante ist erst 25. Da wird eine Verletzungsmeldung abgehakt unter der Rubrik „Pech” oder „ausgerechnet er”, weil Hilfe in seinem (defensiven) Bereich so not tut.

Bei Galasek aber gäbe es überwiegend nur eine Reaktion: Klar, der ist doch schon 36. Über 30 verletzt man sich nicht mehr „normal”, zu einfach und schön lässt sich die (unzulässige) Verbindung zwischen Alter und Blessur ziehen. Das Handlungsinteresse bei dieser Interpretation wäre klar: ein (weiterer) Fehlgriff von Meyer, der es ja schon gewagt hatte, all die großen Aufstiegshelden vom Hof zu jagen, von denen jeder einzelne die Lizenz zum Klassenerhalt in der Tasche trug.

Dabei weiß jeder, der geradeaus gucken kann, dass weder Sascha Rösler noch Alexander Voigt per se erstliga-tauglich sind. Es sei denn, eine intakte Mannschaft fängt sie auf. Die aber besaß und besitzt Gladbach nicht. Wohl aber mit Meyer einen Trainer, der sich wenig um die (vergangenen) Meriten der Spieler kümmert.

Um so mehr aber darum, ob diese dem Verein - das ist der Arbeitgeber, der die immens hohen Gehälter bezahlt - helfen können. Bei seiner Selektion geht es Meyer aber nicht nur um individuelle Qualitäten. Und so muss sich nicht jeder Spieler, der ausgemustert wurde, abqualifiziert fühlen. „Es würde auch nicht mit elf Zidanes funktionieren”, verdeutlicht Meyer, um was es ebenfalls geht. Und in diesem Fall meint der 66-jährige Routinier auch, was er sagt. „Die Zusammenstellung” des Kaders sei nicht optimal, so lautet sein Urteil, was sich unter anderem Ex-Sportdirektor Christian Ziege so zu Herzen nahm, dass er das Weite suchte.

Fußball als Puzzle-Arbeit: Das Gesamtkunstwerk wirkt erst, wenn alle Lücken gefüllt sind. Im Kollektiv stärker zu sein als in der Summe der Einzelspieler - letztlich der Sinn und das Ziel im Mannschaftssport. Und da passt Galasek hervorragend ins Bild: Der 36-Jährige ist keiner, der besonders spektakuläre Auftritte wie etwa ein Marko Marin oder Alexander Baumjohann liefert. Er agiert fast im Verborgenen, zieht Fäden, organisiert, verteilt, strukturiert. Spinnt das Netz, das auch Unterhaltungskünstler wie Marin und Baumjohann auffängt und stützt. Er ist einer, der seine Nebenspieler stärker macht.

Das zeigte er in den Vorbereitungsspielen, streckenweise, soweit das ein Einzelner leisten kann. Aber das reicht eben nicht. Es reicht nicht einmal, wenn auch der Rest des Rettungsquartetts das einbringt, was man von ihm erwartet: vom neuen Torhüter Logan Bailly mehr Ausstrahlung, weniger Fehlgriffe, den ein oder anderen parierten „unhaltbaren Schuss”.

Von Paul Stalteri all seine Routine, Abgeklärtheit und Solidität. Von Dante, die Fehlerquote in der Innenverteidigung herunterzuschrauben und seine Nebenleute zu führen. Der „Rest” muss sich ebenfalls einbringen. Und möglichst nicht mit Fehlern, wie bei der Niederlage gegen Dortmund. Sondern mit dem Erlernten aus den letzten Wochen.

All dies muss sich zusammenfügen. Das wäre am Besten schon am letzten Dienstag passiert. Doch das ging mächtig in die Hose. Am Samstag gibt es eine neue Chance, das Bild einer erstliga-tauglichen Mannschaft zu präsentieren. Gegen FK Mlada Boleslav, den Tabellenzweiten der tschechischen Liga.

Die letzte Chance vor dem Liga-Auftakt, Selbstvertrauen zu tanken. Erneut ohne Dante. Geht auch das schief, bleibt nur die dann schon verzweifelte Hoffnung, dass der Brasilianer für das Spiel beim VfB Stuttgart fit wird. Und er wirklich die Qualität des letzten Puzzleteils besitzt, das all die ersehnte und benötigte Qualität mit einem Klick zum Vorschein bringt.

Generalprobe ohne Dante

Die Generalprobe für den Rückrundenstart (31. Januar) beim VfB Stuttgart erfolgt am Samstag ab 15.30 Uhr im Borussia Park. Der Gegner ist FK Mlada Boleslav, Tabellenzweiter der tschechischen Liga.
ArtikelHans Meyer wird die bestmögliche Mannschaft aufbieten. Fehlen wird auf jeden Fall Dante (Muskelfaserriss), bei dem die Verantwortlichen kein Risiko eingehen wollen, um eventuell beim VfB auf ihn zurückgreifen zu können.

Das Spiel sollte ursprünglich im Waldstadion vom FC Wegberg-Beeck ausgetragen werden. Aus Witterungsgründen (Bespielbarkeit des Platzes) wurde es in den Borussia-Park verlegt. Die Einnahmen werden nach Abzug der Unkosten geteilt.
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