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Alt-Borusse Bonhof spielt in Bremen

Von: Bernd Schneiders
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Mönchengladbach. Auf Abramowitschs Lohnliste steht er schon seit Monaten nicht mehr. Doch die Vergangenheit lässt Rainer Bonhof noch nicht los - zumindest was die Kleidung betrifft: blauer Pulli mit V-Ausschnitt, darunter ein blau-weiß gestreiftes Hemd.

Doch seit Dienstag denkt der ehemalige Scout des FC Chelsea nur noch Grün: „Nachdem ich als einer von 20 Scouts entlassen worden bin, habe ich Präsident Rolf Königs getroffen und ihm gesagt: Ich bin wieder da. Ich bin wieder auf dem Markt.” Und so schnürt der Alt-Borusse am Samstag in Bremen wieder seine Sportschuhe und gibt an seine Gegner die Warnung aus: „Schienbeinschoner nicht vergessen!”

Mit 56 Jahren also ein spektakuläres Comeback? Dagegen ist ja Tomas Galasek (36) ein Baby. Somit scheint die Frage geklärt, wie sich der ehemalige Nationalspieler seinen Beitrag als neuer Vizepräsident vorstellt: als Spieler.

Doch Anstoß ist für Bonhof und seine Kollegen um 11.30, vier Stunden bevor Oliver Neuville & Co. ihrem Geschäft im Weserstadion nachgehen. Obendrein in der Halle: ein Spiel der Mönchengladbacher „Veteranen”, wie Bonhof seine Altherren-Mannschaft nennt, gegen die von Werder Bremen.

Aktiv also ist der ehemalige Coach von Borussia Mönchengladbach und der schottischen Nationalmannschaft schon. Bei seinem neuen Job aber legt er sich demonstrativ Zurückhaltung auf: „Für das operative Geschäft ist Max Eberl zuständig. Und das bleibt auch so.”

Der Sportdirektor also, den Bonhof einst zu dessen aktiver Zeit zum Bökelberg geholt hat. Eberl hat damit bereits zwei ehemalige Trainer um sich versammelt.

Denn auch unter Hans Meyer hat der „Terrier” einst „gedient”. Mit Bonhof aber wird der Jung-Manager weniger intensiv zusammenarbeiten. Auch wenn er artig verkündet: „Es ist schön, erfahrene Leute als Ansprechpartner zu haben.”

Auch Bonhof weiß, dass er nicht ins Alltagsgeschäft eingebunden sein wird. „Ich will mehr Fachwissen ins Präsidium einbringen und hier und da helfen, Türen zu öffnen, die vorher vielleicht verschlossen geblieben sind.”

Die Querelen der letzten Tage hat neue „Vize” natürlich mitbekommen. „Jeden Tag Bad News zu lesen, müssen wir nicht haben”, seufzt Bonhof. Max Eberl spielt gleich den Doppelpass: „Ich habe keinen Brief heute bekommen.” Auf ein Solidaritätsschreiben der Spieler mit Meyer-Vorgänger Jos Luhukay wird der Sportdirektor auch wohl bis zum Sankt Nimmerleinstag warten müssen.

Doch ganz der alte Teamplayer stellt sich Eberl vor die Mannschaft. „Nicht der Brief an sich ist unglaublich. Nur dass er an die Öffentlichkeit gekommen ist. Da will jemand dem Verein böswillig schaden. Man sollte deshalb nicht vom Charakter der Mannschaft sprechen. Es geht hier um einen Einzelnen - oder zwei oder drei.”

Für die sportliche Zukunft sieht Bonhof nicht schwarz. „Wenn man die Leistung am Samstag gesehen, da war es eine Schande, dass man noch den Ausgleich kassiert hat.” Seine Analyse: Es fehle das Selbstvertrauen, und in solchen Situationen träfe man das Tor nicht mehr oder „der Gegner klärt auf der Linie”. Für Bremen aber ist der sportliche Vizepräsident optimistisch.

„Wir haben die Bremer im Hinspiel auf 11:11 herankommen lassen. Auf Höflichkeit. Deshalb werden wir jetzt gewinnen - und die Profis auch.” Das wäre der Auftakt zu einer Entwicklung, die ihn auch näher zu Hans Meyer bringen würde. „Nein, Rotkäppchen-Sekt habe ich noch nicht mit ihm getrunken”, ordnet er sein Verhältnis zum Borussen-Trainer ein. „Das mache ich dann Ende Mai. Da gibt´s dann was zu feiern.” Den Klassenerhalt - na denn prost!

Drei Fragen an Rainer Bonhof

Was wird Ihre Aufgabe sein?

Bonhof: Ich will meine Erfahrung ins Präsidium einbringen, hier und da durch meine Kontakte helfen, Türen zu öffnen, die vorher vielleicht verschlossen geblieben sind. Das operative Geschäft ist mit Max Eberl abgedeckt. Und das wird auch so bleiben.

Was sagen Sie zu den Turbulenzen der letzten Wochen?

Bonhof: Es wäre gut, sich auf den Fußball zu konzentrieren. Das ist das Wesentliche. Solche Nebenkriegsschauplätze stören den Ablauf. Die Spieler müssen wissen, warum sie bei uns Geld verdienen dürfen und warum sie für uns spielen dürfen. Aber das wird der Max ihnen sagen.

Wie stehen Sie zum so genannten Beschwerde-Brief?

Bonhof: Wenn ich mit jemandem Probleme habe, gehe ich zu ihm hin und kläre das.
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