Alemannias Offenbarungseid

Von: Klaus Schmidt
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Gleich steht es 1:2 und „der
Gleich steht es 1:2 und „der Drops ist gelutscht”: Chrisantus lässt per Kopf David Hohs im Aachener Tor keine Chance. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Die Fans wollten wieder einmal reden, und das war auch nach diesem Spiel kein gutes Zeichen. 20 Minuten verbrachten die Profis von Alemannia Aachen vor den Rängen, sie wurden nicht gefeiert, sondern mit der übelsten Beschimpfung versehen, die es an der Krefelder Straße für einen Fußballer gibt: „Wir sind Aachner und ihr nicht.”

Nach 655 Minuten Torflaute hatte Tobias Feisthammel zwar diesen Bann gebrochen, doch am Ende stand eine 1:3-Pleite gegen den FSV Frankfurt. Saisonübergreifend sind die Schwarz-Gelben jetzt seit zwölf Spielen sieglos, die jüngste Darbietung glich einem Offenbarungseid.

„Die Lage ist prekär”, sagte Kapitän Benny Auer - und packte den Strohhalm raus: „Wir haben einen erfahrenen Trainer, der hat solche Situationen schon zuhauf gemeistert. Er wird uns da rausführen.” Friedhelm Funkel versprach eine „harte Trainingswoche, aber ich werde jetzt alles andere tun, als auf die Jungs draufzuhauen.” Ernüchtert sei er nicht. „Ich habe immer gesagt: Es wird ein langer, beschwerlicher Weg.”

Nach dem 0:2 bei Union Berlin wurden die Flügelstürmer David Odonkor und Marco Stiepermann aus dem Team genommen, Alper Uludag und Auer rückten nach. Mit den personellen Änderungen hatte sich der neue Coach auch für einen System-Wechsel zum 4-4-2 entschieden.

Es drohte früh ein weiterer Keulenschlag. Gerade mal sechs Minuten waren gespielt, als Chrisantus eine Hereingabe von Hofmeier knapp am Pfosten vorbei verlängerte. Alemannias Leistungsnachweis vor dem Frankfurter Tor: eine Freistoßvorlage von Uludag, die Seyi Olajengbesi verpasste, und eine verunglückte Flanke von Timo Achenbach, die sich als Torschuss über die Latte verabschiedete. Auch diese Partie kam wie ein schwer zu kauendes Stück Fleisch daher, getragen von der Hoffnung, dass der Ball irgendwie irgendwann dann doch mal ins Tor gehen möge.

In der 32. Minute war die Zeit der Dürre beendet. Uludag schlug den nächsten Freistoß, aus dem Mittelfeld, aus einer Position, die wenig Gefahr verhieß. Der Ball senkte sich in den Strafraum, Tobias Feisthammel stieg hoch. Mit dem Hinterkopf erwischte der Innenverteidiger den Ball, und es hätte zu Alemannias misslicher Lage gepasst, wenn dieser Ball vom Innenpfosten zurück ins Feld gesprungen wäre.

Tat er nicht, er orientierte sich hinter die Torlinie, und der Schiedsrichter-Assistent war sich schnell sicher, dass die Kugel mit vollem Durchmesser hinter der Kreide gelandet war. 1:0, der erste Treffer nach knapp elf Stunden, und wie beim 1:2 auf St. Pauli hieß der Schütze Feisthammel.

Handelsübliche Kriterien anzulegen in Sachen gefährliche Angriffe und viel versprechende Chancen, das hatte sich in diesem Moment erledigt. Man hätte auf den Rängen diskutieren können über einen Zweitliga-Kick minderer Qualität, über Benyaminas knapp verpassten schnellen Ausgleich. Die Pausenführung übertünchte alles.

Aber sie hielt nicht lange. Fehlpass Radu, Feisthammel - eben noch gefeiert - ließ sich von Chrisantus verladen. Flachschuss, 1:1 nach 53 Minuten, und das war verdient. Es kam noch schlimmer für die Gastgeber, die durch „Joker” Odonkor die erneute Führung verschluderten: Yelen zirkelte einen Freistoß auf - Chrisantus, 1:2 in der 69. Minute. Und dann staubte der Frankfurter, nachdem Benyamina an Hohs gescheitert war, vier Minuten vor dem Abpfiff zum 1:3 ab.

Die Unverbindlichkeit, mit der Alemannia seit Saisonstart meist unterwegs ist, setzte sich auch an diesem Abend fort. Das Ziel kann spätestens seit Freitag nur noch lauten: Klassenerhalt. Irgendwie. Alles andere ist Augenwischerei.
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