Alemannias Debakel: Erinnerungen an 17. August 2009

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
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Alemannias Keeper David Hohs musste fünfmal hinter sich greifen - und war dennoch Aachens Bester.

Aachen. Nach der einseitigen Partie kondolierte Alemannias Manager Erik Meijer seinem Keeper David Hohs noch in der Kabine. Hohs hatte fünf Treffer kassiert gegen Hertha BSC - und war dennoch Aachens Bester. Das sagt schon viel aus über diesen Vergleich, der fast nie auf Augenhöhe verlief. <br />

Aachen erlitt gegen die beste Mannschaft der Liga ein schlimmes 0:5-Debakel.

Eine Woche hatte die Aachener, die doch zuletzt so munter unterwegs waren, von einem ersten großen Erfolg gegen ein Team aus dem oberen Tabellendrittel geträumt. Der Traum endete sehr abrupt mit dem Anpfiff. Schon nach sechs Minuten umkurvte Nikita Rukavytsya seinen Gegenspieler Tobias Feisthammel wie einen abgestellten Einkaufswagen. Hohs verhinderte die schnelle Führung.

Der Widerstand war nach zehn Minuten gebrochen, als sich Ramos wieder einmal wegschlich. Seine Flanke durfte Fabian Lustenberger unbedrängt am Elfmeterpunkt volley in die Maschen schmettern. Manuel Junglas hatte den Schweizer ziehen lassen.

Die Gäste erhöhten schnell auf 2:0. Ramos konnte unbedrängt einen Eckball einnicken (33.).

„Wir fangen uns unsere Treffer dort, wo wir am kompaktesten sein sollten”, wunderte sich nicht nur Trainer Peter Hyballa über die Rückschläge. Zur Bekräftigung der These wirbelten die Berliner noch einmal federleicht durch Aachens Strafraum. Ein, zwei schnelle Pässe: Und Pierre-Michel Lassoga, der vor der Saison ein Alemannia-Angebot ausgeschlagen hatte, schaffte spielend das 3:0 (36.).

Die Partie wirkte wie ein Kampf zwischen zwei Boxern, die sich zufällig gegenüberstehen, aber nicht in der gleichen Gewichtsklasse starten.

Hertha attackierte die Hausherren schon weit vorne, lauerte auf Fehler - und davon gab es reichlich. Die Innenverteidiger patzten bei der Spieleröffnung, Junglas und Arslan unterliefen regelmäßig Ballverluste im Vorwärtsgang.

Aachen hatte nur zwei Möglichkeiten im ersten Durchgang. Kapitän Benny Auer sank nach einem Feindkontakt mit Levan Kobiashvilli im Strafraum nieder, Schiedsrichter Peter Sippel entschied sich für Schwalbe und Gelbe Karte statt für Elfmeter (23.). „Ich sage nichts über Schiedsrichter, die sich für sehr wichtig halten”, meinte Auer später.

Kollege Manuel Junglas hätte später noch einmal verkürzen können, er verzog aber deutlich aus kurzer Entfernung (40.).

Zur Pause warnte Berlins Trainer Markus Babbel seine Tabellenführer: „Aachen kann in einer Halbzeit auch drei Tore machen.”

In der Nachbarkabine wurden drei Einwechslungen vollzogen. Für Kratz und die beiden dunkelgelb verwarnten Casper und Arslan war der Arbeitstag vorzeitig beendet. Hyballa stellte auf ein System mit drei Stürmern um und brachte Aimen Demai, Sergiu Radu und den leicht angeschlagenen Marco Höger.

Viel mehr Mut wechselte er damit nicht ein. Die Partie blieb einseitig. „Wenn man endlich eine große Mannschaft schlagen will, muss man den Reden auch Taten folgen lassen”, schüttelte Verteidiger Timo Achenbach später den Kopf.

Alemannia bekam eine Lektion von „der besten Mannschaft der Liga” (Hyballa). Rukavytsya nahm die Vorlage von Feisthammel dankbar auf, sprintete den Verteidigern 60 Meter davon, um das 4:0 zu erzielen (59.).

Drei Minuten später vollendete Ramos eine lustvolle Kombination über Berlins starke rechte Seite zum 5:0.

Das Thema war längst erledigt, alle höheren Aachener Ansprüche wurden da erst einmal weggeräumt. Hertha ritt nicht mehr entscheidend auf den Fehlern herum und Olajengbesi entging noch einmal einem Eigentor.

So blieb es beim ohnehin schon deprimierenden Endergebnis.

„Es hätten auch noch sechs, sieben oder acht Tore werden können”, urteilte Hyballa später. „Wir sind auf dem Boden der Tatsachen zurück.”

Und Benny Auer fühlte sich, wie viele der nur 20.758 Zuschauer, an die Eröffnung des Tivolis am 17. August 2009 gegen den FC St. Pauli erinnert. Endstand damals: 0:5.
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