Alemannia: Der coole Boy aus der letzten Aachener Reihe

Von: Christoph Pauli
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Ein cooler Torwart: Alemannias
Ein cooler Torwart: Alemannias unumstrittene Nummer 1, der Niederländer Boy Waterman. Foto: imago/Christoph Reichwein

Aachen. Am Montagabend konnten sich die übertragenden TV-Sender nicht richtig einigen. Alemannia spielte in Düsseldorf, und bei Sport 1 wurde Aachens Keeper Boy Waterman als „bester”, bei Sky als „zweitbester” Keeper der 2. Liga geführt. Grundlage für die Bewertung war der Prozentsatz der abgewehrten Schüsse, von denen an diesem Abend noch ein paar dazukamen.

Für Hans Spillmann ist das TV-Urteil zu oberflächlich, weil es sich nur auf die eine Kategorie beschränkt. „Ich sehe das komplette Paket, nicht nur abgewehrte Schüsse, auch fußballerische Fähigkeiten, Konzentration, Ausstrahlung, mentale Stärke”, sagt Alemannias Torwarttrainer.

Das Urteil für Boy Waterman fällt deswegen nicht schlechter aus. „Für mich ist das der beste Torwart, weil er komplett ist.” Wer der beste Vertreter der Zunft ist, ist eine müßige Frage, findet Waterman, fast belustigt. Eine überflüssige Übung der Medien. „Für mich geht es immer nur darum, besser zu werden.” Was andere außerhalb des Vereins sagen, ist nicht so wichtig. Das registriert Waterman so intensiv wie vorbeiziehende Wolken am Tivoli.

Konzentriert und entspannt

Waterman hat einen Sechser in der Gen-Lotterie gezogen. Die Natur hat es gut gemeint mit dem muskulösen Keeper. Sie hat ihm eine Eigenschaft mit auf den Weg gegeben, die man sich schwer aneignen kann. „Schon als Junge war ich so”, grinst Waterman.

Er wirkt so cool, als könne er umgehend Weltmeister im Pokern werden, wenn er sich denn für das Kartenspiel interessieren würde. Was ihn erschüttern kann? Die Antwort steht noch aus. „Ich habe keine Unruhe im Kopf, ich bin konzentriert und entspannt”, sagt er selbst.

Im Spiel macht er einen so betont unbeeindruckten Gesichtsausdruck, als hätte er ihn zu Hause lange geübt. „Je mehr Vertrauen er fühlt, desto cooler und sicherer wird er”, sagt Hans Spillmann über seine Nummer 1.

Waterman hat die erste niederländische Liga (De Graafschap) vor der Saison gegen die deutsche 2. Liga getauscht. „Ein Fortschritt”, urteilt er nach ein paar Monaten. „Hier ist das Tempo, die Arbeitsintensität höher, du musst noch konzentrierter sein.”

Der 28-Jährige ist zufrieden, auch wenn die Lektion gerade Abstiegskampf heißt. „Das Torwartleben in Aachen fühlt sich gerade gut an.” Das liegt entschieden auch an der munteren Trainingsgruppe, die von Hans Spillmann geleitet wird. „Wir reden viel, der Respekt unter den vier Keepern ist extrem ausgeprägt”, sagt der Niederländer.

„Platz 1 bis 8” stand auf dem Köder, den Erik Meijer Waterman vor der Saison vorhielt. Zwischenzeitlich stimmten beide Zahlen, daraus wurde Platz 18.

In seinem Urteil über den Landsmann war Alemannias Manager schon treffsicherer. „Er wird uns weiterhelfen.” Das Fazit lässt sich schon vor dem letzten Saisondrittel ziehen. Waterman ist einer der Trümpfe im Abstiegskampf.

Alemannias Abwehr ist ein kleines hübsches Bollwerk, das vor der Partie gegen Paderborn (13 Uhr) gerade schon wieder vier Halbzeiten in Folge ohne Einschlag überstanden hat. Manchmal ist das Schwerstarbeit, weil die Mannschaft den Vorwärtsgang nicht richtig einlegt.

„In Düsseldorf hatte ich nach 20 Minuten den Eindruck, dass wir eine Stunde hinter uns haben”, grinst Waterman. Im richtigen Leben bleibt er lieber ruhig im Hintergrund, auf der Wiese versteckt er sich nicht. Seine Gelassenheit und Sicherheit strahlt auf die Mannschaft aus.

Sein Trainer Friedhelm Funkel ist kein großer Anhänger des ausgeprägten Einzellobs. Er findet, „dass wir nachweislich drei Torhüter haben, die 2. Liga spielen können”. Aber zweifelsfrei ist Waterman der Platzhirsch. „Er ist die klare Nummer 1.”

Glaubt man Experten wie Spillmann, ist die „klare Nummer 1” noch immer auf dem Wege der Besserung. „Er ist nicht am Limit, in einer fußballerisch besseren Mannschaft wie zum Beispiel Bremen würde er noch stärker”, sagt Spillmann. Waterman gehört zu den Profis, die auch außerhalb des Reservats 2. Liga eine Chance haben dürften.

Das Training ist vorbei, Waterman fährt vom Hof in Richtung Maastricht. Aus dem Auto dringen die Beats, der Kerl ist bekennender Hip-Hopper. Früher unter Peter Hyballa lief häufig Musik in der Kabine. Die Boxen sind verstummt. Aber das könnte nur ein Missverständnis sein. Er habe keine Probleme damit, sagt Funkel.

Zwar kann man zwingend von einem anderen Musikgeschmack ausgehen, aber das sei egal. „Ich bin ja nicht in deren Kabine.” Der Mannschaft fehlt ein DJ. Eine Aufgabe für cool Boy.

Der SC Paderborn reist nahezu sorgenfrei an

Vor dem Spiel in Aachen trennt den SC Paderborn nur ein Punkt vom ersten Platz - und das obwohl die Mannschaft mit dem Ziel Klassenerhalt in die Saison gegangen war. Spätestens seit dem 4:2 am Sonntag gegen den Top-Favoriten Eintracht Frankfurt wird Paderborn als ernstzunehmender Kandidat für die Erste Liga gehandelt.

In Aachen erwartet Trainer Roger Schmidt einen „extrem motivierten und kampfbereiten” Gegner. Er sagt: „Wenn wir in punkto Einsatz auf höchstem Niveau auftreten, haben wir beste Chancen, einen oder drei Punkte mitzunehmen.”

Personell geht es bei den zuletzt arg gebeutelten Paderbornern aufwärts. Linksverteidiger Thomas Bertels und Kapitän Markus Krösche sind in das Mannschaftstraining zurückgekehrt. Gleiches gilt für Markus Palionis. Ob Mittelfeldspieler Lukas Rupp spielen kann, ist unklar. Er war beim U 20-Länderspiel in Italien wegen Adduktorenproblemen nach gut 30 Minuten ausgewechselt worden.

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