Radarfallen Blitzen Freisteller

1:8 nach Ecken, aber 2:1 nach Toren

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
demaibild
Torjägerchen Aimen Demai: Der Rechtsverteidiger, der vor seinem Abschied steht, trifft im zweiten Spiel in Folge. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Eine hübsche Pointe hatte sich Alemannia einfallen lassen. Das Team gehört ligaweit zu den harmlosesten bei Standards. Anders der Gegner, 1860 München. Gleich acht Ecken stapelte der Gast auf, nicht wenige lösten einen Brandherd aus.

Aachen schaffte eine kleine, kümmerliche Ecke, doch die reichte, um den Sieg sicherzustellen. 1:8 nach Ecken, aber 2:1 nach Toren.

Alemannia bezwingt die Löwen in einer munteren Partie, die eher keinen Gewinner verdient gehabt hätte. So überholt Aachen den Gegner und überspringt die 40-Punkte-Marke.

Es war ein intensives Spiel zweier Teams, die eine sehr turbulente Woche hinter sich haben. „Es gibt kein anderes Team, das unter so schwierigen Bedingungen unterwegs ist, wie wir”, urteilte Trainer Rainer Maurer nach Spielende. Vermutlich sind die Mannschaften im Laufe einer Spielzeit zunehmend stressresistenter geworen, jedenfalls nahmen sie unbeeindruckt die Arbeit auf. Schon nach fünf Minuten spielte der starke Marco Höger Tolgay Arslan frei, der hatte die freie Auswahl: Schieb´ ich den Ball rechts oder doch lieber links am Torwart vorbei. Der U20-Auswahlspieler schoss Keeper Gabor Kiraly an.

Animation von der Tribüne

Bei Höger ist im Laufe der Saison nicht mehr erkennbar, was denn nun sein stärkerer Fuß ist. Von der rechten Seite lief er ein, „das Publikum rief: schieß, schieß!”, registrierte der defensive Mittelfeldspieler. Der 21-Jährige folgte artig, zog aus 17 Metern ab. Der Ball war nicht sonderlich stramm, dafür aber wunderbar präzise unterwegs. Alemannia führte nach acht Minuten durch seinen nächsten herrlichen Höger-Treffer. Dessen präzise Schusstechnik auch mit dem linken Fuss hat vor ein paar Monaten ja auch Mainz kennengelernt. Am Freitag in Duisburg fehlt der Juniorchef, der seine fünfte Gelbe Karte sah.

Auch Tolgay Arslan fühlte sich erkennbar pudelwohl auf dem frisch verlegten Rasen. Zweimal prüfte er Gabor Kiraly noch mit Fernschüssen, die der sich erst im zweiten Anlauf krallte (17./31).

Die Aachener waren nicht mit der Wucht und dem Überschwang vergangener Monate unterwegs, vielmehr versuchten sie es kontrolliert mit schönen Ballstaffetten.

Die Gäste ließen sich nicht irritieren, der Ausgleich nahte. Benny Lauth tauchte aus der Versenkung auf, scheiterte freistehend an der Torwartkrake David Hohs (32.). Und auch Aleksandar Ignjovski hatte eine prächtige Ausgleichsmöglichkeit, zielte völlig ungedeckt zu hoch (43.). Die Partie verlor an Fahrt, Aigner ließ sich nach einem Stellungsfehler Achenbachs von Hohs abdrängen, traf nur den Außenpfosten (66.).

Fast 80 Minuten bereitete sich Aachen auf den ersten Eckball vor. Stehle entschied das Duell entschlossen für sich, seine Vorlage staubte Aimen Demai ab zum 2:0 (79.). Der Tunesier trifft, seitdem er weiß, dass er den Klub im Sommer verlassen soll. „Ich kann nur Gas geben, was am Ende der Saison passiert, ist eine andere Frage.” Auch der zweite Saisontreffer wird Aachens Planung natürlich nicht verändern. „Aimen wird die Saison professionell zu Ende spielen, da habe ich nicht den geringsten Zweifel”, merkte Peter Hyballa an.

Es stand 2:0 - jeder andere Trainer bundesweit hätte sich bei so einem Zwischenstand elf Minuten vor Toresschluss um seine Siegesrede gekümmert, bei Peter Hyballa schrillen dagegen in solchen Momente die Alarmglocken. „Wir schaffen es nicht, eine Partie souverän zu Ende zu spielen”, beobachtete nicht nur Keeper David Hohs.

Die Ordnungsliebe ging umgehend flöten. Die Mannschaft hätte fast die zweite Torchance in Halbzeit 2 genutzt, der schwache Stieber vergab, im Gegenzug ließen sich die unsortierten Aachener auskontern. Lauth verkürzte zum 2:1 (82.).

Und so endete die Woche dann auch für die Profis noch einmal turbulent. Hektik zog ein, Rainer Maurer bearbeitete in der Schlussphase mit wuchtigen Tritten seine Trainerbank, es half nichts mehr. Der Trainer freundete sich mit dem Ergebnis trotz guter Leistung nicht an. „Wir hatten keine Niederlage verdient.”

„Ein perfekter Nachmittag”, flötete dagegen Aachens Manager Erik Meijer.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert