Wassergraben ist keine Goldgrube mehr

Von: Thorsten Karbach
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Der CHIO als Wirtschaftsfaktor für Aachen: Handel, Gewerbe und Gastronomie setzen vor allem auf die Nachhaltigkeit. Viele auswärtige Turnierbesucher werden die Stadt wieder besuchen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Nein, eine Goldgrube ist der Wassergraben nicht. Nicht mehr, sagt zumindest Dirk Deutz. Der Aachener Chef des Hotel- und Gaststättenverbandes ergänzt aber auch, dass es für Hoteliers und Gastronomen schlichtweg derzeit keine Goldgruben mehr gebe. Insofern sei die Woche CHIO auf jeden Fall ein gutes Geschäft.

Während die Weltelite des Pferdesports in der Soers über die Hindernisse geht oder elegante Piaffen vollführt, können sich Hoteliers und Gastronomen doch noch die sprichwörtlichen Hände reiben. „Die Zahlen sind insgesamt rückläufig, aber schon eine deutliche Steigerung zum normalen Geschäft”, erklärt Deutz.

Wie hoch mag er also sein, der Wirtschaftsfaktor CHIO? Wie sehr profitieren Handel und Gewerbe von den rund 350.000 Besuchern des Reitturniers? Manfred Piana kann die Frage nicht mit mit einer Zahl beantworten. Der Geschäftsführer des regionalen Einzelhandelsverbandes sagt aber, dass bestimmt das eine oder andere Geschäft profitiert.

Während der Turnierwoche, aber auch später. Denn Piana ist sicher, dass der CHIO für Aachen wirbt und Besucher von außerhalb wiederkommen. „Der CHIO ist ein wichtiger Standortfaktor, bringt Aachen weltweit ins Gespräch. Und wer herkommt, lässt auch Geld hier”, sagt er.

Wie viel des Jahresumsatzes des Einzelhandels von 1,6 Milliarden Euro, kann er aber nicht beziffern. Ein paar Hunderttausend, wenn nicht Millionen werden sich aber auf das Reitturnier zurückführen lassen. Die Kasse klingelt also nicht nur an den Ticketshops zum Turniergelände.

Ein CHIO-Besucher fährt durchschnittlich 147 Kilometer zum Turnier. Das hat der ALRV ausgerechnet. Das ist ein Mittelwert. Viele kommen zu Fuß aus der Nachbarschaft, andere fliegen aus den USA ein. Eine andere Zahl besagt, dass 59,5 Prozent der Besucher aus dem Postleitzahlgebiet kommt, das mit der 5 beginnt.

38,6 Prozent der Gäste kommen aus dem Gebiet mit 52, also aus Aachen und der Region. Dies bedeutet aber auch, dass mehr als 40 Prozent eine längere Anfahrt in Kauf nehmen, meist mehrere Tage bleiben und in Aachen übernachten.

Das meint Deutz eben mit positiven Auswirkungen. Und Werner Schlösser, Geschäftsführer des Aachen Tourist Service, spricht von der interessantesten Woche des Jahres für Hoteliers. Vor allem in der vergangenen Nacht nach dem Nationenpreis unter Flutlicht waren Betten begehrt, am Wochenende ist die Nachfrage noch größer. Aber ausgebucht ist die Region nicht.

Wer am Donnerstag die Internet-Buchung des Touristenbüros aufrief, der konnte für die Nacht von Samstag auf Sonntag immer noch zwischen 42 Angeboten von Monschau bis Würselen wählen.

310 Zimmer werden in diesem Jahr allein vom Veranstalter, dem Aachen-Laurensberger Rennverein (ALRV), für Reiter und Gäste gebucht. Teils für mehrere Nächte, insgesamt 1524 Übernachtungen. Das ist ein Wert, mit dem die gebuchten Hotels Jahr für Jahr rechnen können. Sichere Einnahmen.

Es sind die Übernachtungen und sicher auch das abendliche Essen im Restaurant, die während des Turniers den Wirtschaftsfaktor CHIO ausmachen. Der Tourist Service zählt keine Führung zusätzlich, von den 900 Freikarten für die Carolus-Therme für Sportler und Journalisten werden kaum 80 eingelöst.

Das Couven-Museum berichtet zwar von rund 20 Prozent mehr Besuchern, dies liegt aber allein an der guten Lage neben Dom und Rathaus, die Menschen schauen halt mal vorbei, die anderen Museen lassen die CHIO-Besucher dagegen links liegen. Letzteres dürfte auch auf die anderen Kommunen der Städteregion zutreffen. Die Gäste übernachten dort, werden aber in den seltensten Fällen in den Innenstädten shoppen gehen.

Schlösser, aber auch Renate Faßbender vom Stadtmarketing sprechen deswegen auch von der Nachhaltigkeit des Turniers. Vom Interesse an Aachen, von dem die Stadt bei späteren Besuchen der Turniergäste profitieren soll. Mit Nachhaltigkeit sind aber auch die Gespräche zwischen Unternehmern gemeint.

Das Reitturnier ist eine wichtige Gesprächsbühne für Firmen -weil sich hier die Vorstände weltweit agierender Konzerne treffen. Der Wirtschaftsfaktor CHIO kommt also noch zum Tragen, wenn der Wassergraben längst wieder trockengelegt wurde.
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