Und zum Finale ertönt die irische Hymne

Von: Wilhelm Peters und Christoph Pauli
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Erleichterung pur: Janne-Friederike Meyer legte im zweiten Umlauf eine Runde mit nur einem Zeitfehler hin und sicherte damit auch Platz2 fürs deutsche Team. Foto: gettyimages/Bongarts

Aachen. Mitternacht nahte an diesem herrlichen Abend in der Aachener Soers, der Mond blinzelte neugierig ins Reiterstadion, als nach einem furiosen Nations Cup die Siegerhymne angestimmt wurde. Es waren überraschende Klänge, keine der bekannten oder erwarteten Töne kamen da vom Band.

Stattdessen die irische Nationalhymne - „the soldiers song” (Soldatenlied). Irland war der Überraschungssieger an diesem prächtigen Sommertag. Der Außenseiter hatte die Favoriten abgehängt. Im mit insgesamt 230000 Euro dotierten Nationen-Preis lagen Billy Twomey (auf Tinka´s Serenade), Dermott Lennon (Elite), Cian O´Connor (Club Lady) und Denis Lynch (Lantinus) am Ende des großartigen Mannschafts-Wettbewerbs mit nur vier Fehlerpunkten aus beiden Umläufen vor Deutschland (neun) und den USA (zwölf). Vorjahressieger Frankreich ritt gemeinsam mit der Schweiz auf Rang vier (beide 16).

Insgesamt 1040 Meter führten zum irischen Glück: Im ersten und zweiten Umlauf galt es, jeweils 520 Meter mit zwölf Hindernissen und 15 Sprüngen zu bewältigen.

Becker wollte den Sieg

Bundestrainer Otto Becker hatte im Vorfeld angesichts der bislang bescheidenen Leistungen der deutschen Springreiter beim CHIO seine Erwartungen klar formuliert: „Wir wollen den Erfolg. Wir wollen unbedingt den Nationenpreis gewinnen.”

Er hatte drei erfahrene Reiter und einen Neuling nominiert. Neben Ludger Beerbaum (auf Gotha/Riesenbeck), Marcus Ehning (Plot Blue/Borken) und Marco Kutscher (Cash/Riesenbeck) entschied sich Becker (Sendenhorst) für die Debütantin Janne-Friederike Meyer (Lambrasco/Schenefeld).

Der nicht berücksichtigte Carsten-Otto Nagel wagte die letzte Prognose vor dem „Anpfiff”: „Frankreich, die USA und wir können es schaffen. Es wird eng.”

Nagel traf den Nagel auf den Kopf. Den ersten Umlauf auf dem von Frank Rothenberger gestalteten Parcours beendeten diese drei Nationen mit vier Fehlerpunkten. Aus dem Trio wurde zur „Halbzeit” aber ein Quintett, Irland und die Schweiz gesellten sich fröhlich dazu. Zudem qualifizierten sich Großbritannien, Schweden (je neun Fehlerpunkte) und die Niederlande (elf) für Umlauf zwei.

Dabei lieferte ausgerechnet Publikumsliebling Beerbaum das Streichergebnis der deutschen Equipe im ersten Durchgang. Zwei Springfehler, eine Verweigerung und sechs Zähler wegen Zeitüberschreitung addierten sich auf 18 Fehlerpunkte. Ein kleines Desaster. „Gotha wollte nicht mehr nach vorne”, rief er dem Bundestrainer beim Ausreiten zu. „Ich habe fast noch Glück gehabt, dass ich nicht auf die Nase gefallen bin. Und mein junges Pferd hat sich vertaxiert, aber kein Vorwurf: Das ist mangelnde Erfahrung.”

Die Schenefelderin Janne-Friederike Meyer war höchst selbstbewusst ins „Rennen” gegangen. Doch die erste Sekunde für Deutschland war gleich eine Schrecksekunde: erste Teilnahme, erster Sprung, erster Fehler. 42500 Zuschauer stöhnten auf, als die Stange auf den Rasen plumpste.

„Wir waren noch nicht wach”

„Sch..., jetzt hast du noch ganz viele hohe Hindernisse vor dir”, durchfuhr es die junge Amazone, „wir waren noch nicht ganz wach, sind dann aber wunderbar in Tritt gekommen”, war sie nach der Premierenrunde dann doch wieder zufrieden. Beerbaums Angestellter Marco Kutscher auf Cash und Marcus Ehning mit Plot Blue unter dem Sattel ritten grandiose Nullrunden, ehe Kutscher im zweiten Umlauf einen Abwurf verzeichnete und Meyer ein winziges Pünktchen für Zeitüberschreitung kassierte.

Und Beerbaum begeisterte nun mit einer Nullrunde. Der zweite Platz war mit insgesamt neun Fehlerpunken sicher, Ehning verzichtete daraufhin auf seine finale Runde. „Heute war mehr drin, aber dieser Platz ist schon in Ordnung.”
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