„So ein Pferd tut doch unserem Sport gut”

Von: Helga Raue
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„Ich laufe doch nicht selbst, dabei könnte ich mich ja verletzten.” Der gut gelaunte Top-Favorit in der Dressur, Edward Gal, kommt auch mit anderen Gefährten gut klar. Foto: Holger Schupp

Aachen. Ein PS hat es Edward Gal nun einmal angetan: Breit grinsend kommt der Niederländer in kurzen Hosen auf einem Elektromotorroller stehend aus dem Stallbereich gebraust. „Ich laufe doch nicht selbst, dabei könnte ich mich ja verletzten”, scherzt der 40-Jährige gut gelaunt. Von Druck ist bei ihm noch nichts zu spüren, Gal strahlt mit der Sonne um die Wette. Dabei schaut ab heute die gesamte Dressurwelt auf Gal und seinen Hengst Totilas.

Die Doppel-Europameister und Weltcup-Sieger sind die absoluten Top-Favoriten im Aachener Viereck und dürften auch bei der WM in Kentucky das Maß der Dinge sein.

„Durch die Favoritenrolle spüre ich schon etwas mehr Druck. Es ist eine andere Situation, ob man zum Turnier fährt und weiß, man kann zwar auf einen guten Platz reiten, ist aber auf die Fehler der Favoriten angewiesen. Denn nun warten alle auf unsere Fehler”, sagt Gal. „Aber es ist auch ein gutes Gefühl, zu wissen, dass wir gewinnen können, wenn alles gut geht.”

Schlagen kann Totilas sich im Moment eigentlich nur selbst, so wie im Spécial bei der EM, wo er „nur” Rang 2 hinter Adelinde Cornelissen belegte. „Totilas will manchmal zu viel, wenn er aufgeregt ist. Aber er wird zunehmend entspannter, kennt die großen Turniere mit vielen Zuschauern und dem ganzen Drumherum immer besser”, berichtet sein Reiter nicht minder entspannt am Abreiteplatz sitzend. Gal lacht und gesteht: „Vor der Prüfung, vor allem einem Championat, bin ich auch nervös. Das ist aber gut so, ein wenig Spannung muss man aufbauen.”

Wenn der blonde Niederländer von seinem Hengst redet, gerät er ins Schwärmen. „So ein Pferd hat man wirklich nur einmal im Leben. Ich kann das Gefühl, ihn zu reiten, gar nicht beschreiben”, sucht Gal nach den richtigen Worten. „Totilas hat so viel Power und ist einfach zu reiten. Er hat alles einfach gelernt, und im Stall ist er so lieb. Er kann einfach alles.”

Der bildschöne, lackschwarze Hengst hat aber nicht nur Fans. sondern auch viele Kritiker, die u.a. seine überragende Vorderhandtechnik als nicht natürlich ansehen und bemängeln, dass dann die Hinterhand zu wenig aktiv ist.

„Ich verstehe die Kritik sogar. Wenn Totilas aufgeregt ist, überpowert er schon mal, will selbst zu viel. Am Anfang konnte ich das nicht so kontrollieren und habe daher manchmal von hinten etwas zu wenig gemacht. Das ist aber viel besser geworden, jetzt kann ich ihn im Viereck kontrollieren”, erläutert der 40-Jährige, gibt aber auch zu: „Manchmal bin ich schon etwas genervt, wenn wenn Totilas immer nur kritisiert wird. Man muss doch auch mal positiv sehen, wie gut so ein Pferd für unseren Sport ist.”

Nicht nur in der Dressur ist der Hengst momentan das Highlight, auch in der Zucht setzt er Maßstäbe. 5500 Euro Decktaxe kostet der Gribaldi-Sohn, 450 Anfragen gab es, maximal 175 Stuten wird er decken.

Seinen ersten Auftritt hat der Zehnjährige heute im Grand Prix, der gleichzeitig die erste Wertung für den Dressur-Nationenpreis ist. Und da sind - nicht zuletzt dank Totilas - die Niederländer und nicht die Deutschen favorisiert. „Erst müssen wir alle mal reiten, und alles muss gut gehen”, bleibt der sympathische Reiter vorsichtig. „Aber wenn alles läuft...”
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